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07. Juli 2008

WAS MACHT EIGENTLICH . . .: ... Carmen Plate?

HEUTE: Die Schauspielerin arbeitet für die Agentur für Arbeit.

Ich arbeite seit 2004 als Künstlervermittlerin bei der Bundesagentur für Arbeit in Köln – für das Fach Schauspiel. Wir sind zwölf Leute in Deutschland, neben Regisseuren und Dramaturgen bin ich die einzige Schauspielerin. Mein Arbeitsleben ist sehr lebendig – ich besuche Theater im ganzen deutschsprachigen Raum, halte dort Sprechstunden für Schauspieler ab, die die Marktlage erfahren oder gerne wechseln wollen, und treffe mich mit Intendanten und Schauspieldirektoren. Ich schaue mir die Schauspieler auch auf den Bühnen an, so dass Intendanten auf unsere Beurteilung zurückgreifen können, wenn sie jemanden suchen.

Als mich der damalige Leiter der Künstlervermittlung zu meiner aktiven Zeit darauf ansprach, ob ich mir vorstellen könnte, als Agentin zu arbeiten, habe ich spontan ja gesagt. Er wollte eine erfolgreiche Schauspielerin, die noch mitten im Leben steht. Bei meiner Bewerbung habe ich mich dann viel mit der Bundesagentur und der Bedeutung von Arbeit in diesem Land auseinandergesetzt, Computer gelernt und gemerkt: "Wow, das ist wirklich etwas, was ich sehr gerne machen würde." Ich kann meine gesamte Erfahrung an den Mann bringen, ohne mich um meine Person und die Rolle kümmern zu müssen. Seitdem mach ich das sehr gerne, und es ist immer noch kein Tag wie der andere.

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Durch meine Tätigkeit habe ich natürlich auch zu einigen Kollegen aus der Freiburger Zeit noch Kontakt, etwa zu Verena Plangger und Thomas Hinrichs. Wir hatten eine gute Phase damals, und wenn Hans J. Ammann [Intendant des Stadttheaters von 1993 bis 2002, die Red,] das damals noch weiter gemacht hätte, wäre ich gerne dabei geblieben – und ich glaube, mit mir ein Großteil des Ensembles. Die neue Intendantin hatte mir zwar zugesichert, mich zu übernehmen, aber später hieß es: nur als Gast in ihren Inszenierungen. Das war mir zu Larifari, da bin ich lieber zu einer festen Anstellung nach Heidelberg gegangen. Was wohl auch der richtige Instinkt war, wenn ich so im Nachhinein verfolge, wie schnell Amélie Niermeyer wieder weg war.

Im Moment spiele ich nicht selber, dann würden die Leute ja denken: "Hat die sich die Rolle jetzt selbst zugeschustert?" Ich bin Schauspielerin und bleibe es auch immer, aber die Bretter bedeuten nicht mehr die ganze Welt. Mit zunehmendem Alter fängt man an, anders zu denken. Ich kann jetzt endlich mit meinem Freund in Köln zusammen wohnen, und es ist eine schöne Festanstellung.

Ich könnte mir vorstellen, im Alter wieder selbst zu spielen oder mit Kindern und älteren Menschen etwas zu machen. Etwas, was wirklich nützlich sein kann, weg von diesem Elitären, Kunstgestalterischen, was es oft an den Bühnen gibt. Ich will offen bleiben für das, was passieren kann – die wichtigsten Umgestaltungen in meinem Leben wurden bisher immer von außen an mich herangetragen.

– aufgezeichnet von Monika Konigorski