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08. Januar 2011
Weniger Platz – oder mehr?
Land und Stadt rechnen verschieden: 36,3 oder 37,6 Quadratmeter Wohnraum sind’s pro Einwohner.
Laut Statistischem Landesamt ist die Wohnfläche pro Einwohner in der Stadt so niedrig wie sonst nirgendwo im Baden-Württemberg. Und die Zahl geht – im Gegensatz zum allgemeinen Trend – sogar weiter zurück. Das widerspricht jedoch Aussagen der Stadt Freiburg, wonach jeder Bewohner Jahr für Jahr 0,2 Quadratmeter mehr zur Verfügung hat. Mit diesem Wert operiert das Rathaus auch, wenn es um den Bedarf neuer Wohnungen geht. Tatsächlich handelt es sich bei den unterschiedlichen Ergebnissen um ein Statistikproblem.
36,3 Quadratmeter stehen jedem Freiburger nach der Untersuchung des statistischen Landesamts zum Wohnen zur Verfügung, die Stadt Freiburg hat indes im Sommer einen Durchschnittswert von 37,6 Quadratmetern ermittelt. Denn: Stadt und Land sind sich nicht einig, wie viele Menschen überhaupt in Freiburg leben. Das Land geht von 223 000 Einwohnern aus, die Stadtverwaltung rechnet mit 203 000 Menschen. Die vom Land angesetzte Einwohnerzahl des Landes wird in Freiburg schon seit Jahren als viel zu hoch erachtet. Sie ist denn auch nur ein Schätzwert: Das Landesamt hat nämlich lediglich die Daten der Volkszählung aus dem Jahr 1987 fortgeschrieben und Rahmenbedingungen zugrunde gelegt, die fürs ganze Bundesland gelten. Lokale Besonderheiten spielten keine Rolle.Werbung
Mit den von der Stadtverwaltung angenommenen Zahlen ist die Wohnfläche pro Kopf seit dem Jahr 2000 kontinuierlich um 0,2 Quadratmeter je Einwohner gewachsen, erklärt der städtische Baureferent Norbert Schröder-Klings, in den Jahren zuvor habe sie sogar um 0,3 Quadratmeter zugenommen. Mit diesem Wert läge Freiburg im Durchschnitt aller Gemeinden in Baden-Württemberg. Das Statistische Landesamt ermittelte aufgrund seiner höher angenommenen Einwohnerzahl dagegen für die Stadt einen rückläufigen Trend.
Laut Land müssen die Freiburger im Landesvergleich mit den kleinsten Wohnungen auskommen, nach der städtischen Rechnung liegt die Landeshauptstadt Stuttgart (37,0 Quadratmeter Wohnfläche pro Einwohner) hinter Freiburg. In Baden-Baden – der Gemeinde mit der höchsten Pro-Kopf-Wohnfläche in Baden-Württemberg – hat jeder Einwohner landesstatistisch gesehen 15,9 Quadratmeter mehr Platz als ein Freiburger. Und zum Landesschnitt fehlen danach Freiburg immerhin 6,4 Quadratmeter.
Dass die Zahl für Freiburg so niedrig ausfällt, liege unter anderem an der Bevölkerungsstruktur, meint Hugo Sprenker, Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschlands (IVD). Vor allem die vielen Studierenden drückten den Schnitt nach unten, da sie in der Regel in einzelnen Zimmern oder in kleinen Wohnungen lebten. Auch die vergleichsweise hohen Mietpreise, verbunden mit dem in Freiburg eher niedrigem Durchschnittseinkommen, spielten sicher bei vielen Menschen eine Rolle, sich im Zweifelsfall eher für eine kleinere Wohnung zu entscheiden, glaubt Heike Schmidt vom Statistischen Landesamt.
Autor: Beate Beule
