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08. September 2016 20:38 Uhr

Freiburg

Widerstand gegen Wachstum im Westen: Bürgerverein Mooswald will Pläne für Baugebiet stoppen

Im Freiburger Westen soll ein neues Wohngebiet entstehen – doch dagegen formiert sich Widerstand bei Anwohnern, die Bäume schützen wollen. Ähnliche Debatten gibt es in anderen Stadtteilen.

  1. Links und rechts der Elsässer Straße sollen in Mooswald Bäume für Wohnungen weichen. Foto: Michael Bamberger

  2. Dass Freiburg wachsen muss, steht außer Frage. Nur: wo? Foto: yuttana590623 - Fotolia

Der Bürgerverein Mooswald macht mobil gegen das geplante Baugebiet am nordwestlichen Rand des Stadtteils. Die Wohnungsnot sei nicht so groß, dass man einen Teil des Mooswalds fällen müsste, sagt SPD-Stadtrat und Mooswald-Aktivist Ernst Lavori. Gegen die weiteren vier Flächen, die Gemeinderat und Verwaltung möglichst schnell bebauen wollen, gibt es ebenfalls Bedenken von Bürgern – allerdings in unterschiedlicher Intensität.

Seit gut einem Monat hat der Bürgerverein 3400 Unterschriften gegen die drohende Abholzung im Mooswald gesammelt. Mehr als die Hälfte davon, schätzt Stadtrat Ernst Lavori, komme aus dem Stadtteil selbst, der Rest aus Nachbarschaft. "Wenn wir in der Innenstadt sammeln, kriegen wir die 10.000 voll."

"Gegen das Abholzen von Wald ist jeder, wenn er die Details nicht kennt." Babette Köhler
Daran zweifelt Babette Köhler nicht. "Gegen das Abholzen von Wald ist jeder, wenn er die Details nicht kennt", sagt die Landschaftsplanerin, die im Rathaus die Projektgruppe Wohnen leitet. Ihre Aufgabe: auf fünf städtischen Flächen möglichst schnell möglichst viel Wohnraum zu schaffen. Neben dem Mooswald geht es um Zähringen, Vauban, Littenweiler und mehrere Areale im Stühlinger, darunter Kleingärten. In den meisten Stadtteilen regt sich Skepsis. "Am stärksten opponiert der Bürgerverein Mooswald", sagt die städtische Projektgruppenleiterin Babette Köhler. Es gebe auch Stimmen aus dem Stadtteil, die sich darüber wunderten.

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"Für gute Alternativen wären wir sehr dankbar."

Auf etwa zehn Hektar südöstlich der Paduaallee sollen Wohnungen entstehen. Sie lägen an einer vierspurigen Straße, kritisiert Ernst Lavori, mit allen Folgen: Lärm, Feinstaub, schlechtere Freizeitmöglichkeiten und ein schlechteres Klima. Um das zu verhindern, hat der Bürgerverein im vergangenen Dezember die Arbeitsgruppe Mooswald gebildet. Mit dabei sind Vertreter der Bürgervereine Landwasser, Brühl-Beurbarung und Betzenhausen-Bischofslinde sowie Ingrid Winkler, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Freiburger Bürgervereine.



Im Februar machten sie ihre Ablehnung den Bürgermeistern Neideck und Haag klar. Sie hätten auch Vorschläge unterbreitet, wo man in Mooswald stattdessen bauen könne, sagt Lavori. Allerdings, kontert Planerin Babette Köhler, handle es sich überwiegend um Flächen, "die wir sowieso schon auf dem Schirm haben." Die übrigen Vorschläge kämen nicht in Frage, wie etwa Grünflächen in der Nähe von Schulen. "Für gute Alternativen wären wir sehr dankbar."

Für Alternativvorschläge wäre die Stadtverwaltung dankbar

Denn der Mooswald, der abgeholzt werden soll, habe durchaus ökologische Bedeutung, wenn auch nicht so hoch wie im nördlichen Teil. Er sei ein wichtiger Lebensraum für Vögel und Fledermäuse und habe alte Bäume. Deshalb sind ein Umweltbericht für das Bebauungsplanverfahren sowie eine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig. Auch das bestehende Landschaftsschutzgebiet müsse aufgehoben werden. Das alles sind aufwändige Verfahren. Die Ergebnisse der Gutachten sollen Ende nächsten Jahres vorliegen. Und vorher, so der Zeitplan, soll der Gemeinderat die Aufstellung eines Bebauungsplans beschließen.

Offen steht laut Projektleiterin Köhler der Bürgerverein Stühlinger den Bauvorhaben gegenüber. Begründet seien dessen Bedenken wegen des Verkehrs. "Dafür müssen wir Lösungen finden." Im Dezember ist eine Informationsveranstaltung geplant. Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan ist für Februar vorgesehen. Den gibt es bereits für Zähringen-Nord, allerdings für ein Gewerbegebiet, das einst geplant war. Der muss nun fürs Wohnen geändert werden, was der Bürgerverein positiv begleite. Für die Wendeschleife Vauban soll noch im Herbst ein Testentwurf vorliegen. Sollte er die Stadtspitze überzeugen, könnte es dort recht flott vorangehen. Die Haltung des Bürgervereins bezeichnet Köhler als "konstruktiv". In Littenweiler wehre sich der Bürgerverein nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung, lehne aber die Dreisamwiesen ab.

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Autor: Simone Lutz und Uwe Mauch