Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

14. Oktober 2016

BZ-Interview

Wie Biographiegespräche bei der Integration helfen können

DREI FRAGEN AN Ulrike Schnellbach, die die Biografiegespräche mit Freiburgern und Migranten aus aller Welt moderiert.

  1. Moderatorin Ulrike Schnellbach Foto: Thomas Kunz

Seit zwei Jahren gibt es in Freiburg Biografiegespräche: Begegnungen zwischen deutsch- und türkischstämmigen Menschen, um sich näher kennenzulernen. In diesem Jahr können sich erstmals nicht nur Menschen türkischer Herkunft anmelden, sondern Migrantinnen und Migranten aus aller Welt. Darüber sprach Simone Lutz mit einer der Moderatorinnen, Ulrike Schnellbach.

BZ: Sie erweitern den Gesprächskreis auf Menschen aller Nationen – lief es denn bisher nicht gut?

Schnellbach: Doch, sogar sehr gut. Wir hatten bisher vier Biografiegespräche, an denen je acht Personen teilnahmen. So haben sich bislang gut 30 Freiburgerinnen und Freiburger mit und ohne Migrationsgeschichte kennengelernt. Nun hat die Stadt die Finanzierung übernommen und wünschte sich mehr Vielfalt. Gemeinsam mit dem Amt für Migration und Integration haben wir uns entschlossen, den Kreis zu öffnen.

BZ: Haben sich wildfremde Menschen überhaupt etwas zu sagen?

Schnellbach: Oh ja. Interessanterweise geht es immer wieder um die ganz großen Themen in jedem Kulturkreis: Familie, Werte, auch Religion spielen für die meisten eine zentrale Rolle. Doch die Biografien sind höchst unterschiedlich, da gibt es die Schneiderin, den Professor, die Dozentin, den Buchhalter. Jeder Teilnehmer erzählt eine halbe Stunde von sich selbst, dann dürfen die anderen eine halbe Stunde nachfragen. Ohne Wertung – es geht ausschließlich darum, den anderen zu verstehen. Das funktioniert total gut. Es klingt zwar wie ein Klischee, aber anfangs sitzen da acht Fremde und nach dem Wochenende gehen acht Freunde auseinander. Inzwischen treffen sich die Teilnehmer aller Biografierunden zwei Mal im Jahr privat, das ist immer sehr bereichernd.

Werbung


BZ: Gibt es eine Voraussetzung, um daran teilnehmen zu können?

Schnellbach: Die Teilnehmer sollten sehr gut Deutsch sprechen, sonst würde es nicht funktionieren. Sonst gibt es keine Einschränkungen. Die Teilnahme ist kostenlos, die Unterbringung im Studienhaus Wiesneck wunderbar, und die Menschen, die man kennenlernt, sind alle auf ihre Art hochinteressant. Die Gespräche werden übrigens immer von einem Moderatorenpaar geleitet – natürlich ebenso deutsch-international gemischt wie die Teilnehmer.

Biografiegespräche: Das nächste Biografie-Wochenende im Studienhaus Wiesneck in Buchenbach beginnt am Samstag, 22. Oktober, um 9 Uhr, und endet am Sonntag, 23. Oktober, gegen 15.30 Uhr; noch gibt es freie Plätze.

Das übernächste Biografie-Wochenende ist für Frühjahr 2017 geplant, dafür gibt es eine Warteliste.

Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung und Infos bei Yvonne Eckenbach vom Amt für Migration und Integration, Tel. 0761/201-6334, yvonne.eckenbach@stadt.freiburg.de.

Autor: si