Wie ein Geldhaus umzieht

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Di, 12. September 2017

Freiburg

Die Volksbank Freiburg verlegt ihren Sitz in den benachbarten, ehemaligen Commerzbank-Turm – eine logistische Herausforderung.

Es ist ein Mammutprojekt. Die Volksbank Freiburg zieht um, die Möbelpacker sind schon unterwegs. Die komplette Zentrale an der Bismarckallee gegenüber vom Hauptbahnhof muss ausgelagert werden, denn das 1972 errichtete Hochhaus wird abgerissen (die BZ berichtete). Der Großteil der Büros und die Kundenräume der Hauptfiliale werden nur einen Steinwurf nach Norden verlegt – in den einstigen Commerzbank-Turm. Der Aufwand ist enorm.

Etwa 250 Menschen werden in den kommenden drei Jahren nicht mehr in der Bismarckallee 10, sondern in der Bismarckallee 18-20 ihrer Tätigkeit für die Volksbank nachgehen. Die drei großen Bereiche sind dabei Privatkunden, Firmenkunden und das sogenannte Private Banking, also die Geldverwaltung für vermögende Kunden. Aber auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus den Abteilungen Kredit, Controlling und IT sind künftig im Commerzbank-Turm im Einsatz. "Lediglich unsere Personalabteilung hat übergangsweise Büros im gegenüberliegenden Gebäude in der Bismarckallee 17 bezogen", erklärt Volksbank-Sprecher Martin Lorenz. Das Ausweichquartier der Bank in der Bismarckallee 18-20 wird dann acht Etagen umfassen – inklusive der künftigen Filialfläche im Erdgeschoss. In der Bismarckallee 17 kommt ein kleiner Bereich auf einer Etage dazu.

Insgesamt hat das 1866 gegründete genossenschaftliche Kreditinstitut gut 500 Beschäftigte. Es zählt 31 Filialen, rund 140 000 Kunden und fast 44 000 Mitglieder. In den Neubau will das Unternehmen rund 84 Millionen Euro investieren. Insgesamt wird der neue Komplex, der auch einen Neubau fürs benachbarte Hotel Rheingold sowie einen neuen Schultrakt fürs St.-Ursula-Gymnasium beinhaltet, sogar rund 105 Millionen Euro kosten. Das restliche erforderliche Kapital bringt der Breisgauer Katholische Religionsfonds ein.

Der Volksbank-Umzug wird sich laut Martin Lorenz noch hinziehen. "Das Ganze erfolgt in mehreren Schritten", sagt er. Denn die Auslagerung bei laufendem Bankbetrieb sei eine logistische Herausforderung. "Der Umzug einer Bank-Zentrale ist sehr komplex. Das Thema Sicherheit und Datenschutz steht immer an oberster Stelle", versichert Lorenz.

In drei Jahren soll der

Neubau bezugsfertig sein

Um dies zu gewährleisten, arbeiteten die verschiedenen Abteilungen Hand in Hand. Vor allem die IT und das Gebäudemanagement seien dabei federführend. Wie der Umzug der EC-Automaten, der Schließfachanlage und anderer Wertobjekte im Detail abläuft, gibt die Bank aus Sicherheitsgründen nicht preis.

Abgeschlossen sein soll der Umzug bis zur Kalenderwoche 38, die am 18. September beginnt. Zu diesem Termin soll dann auch die temporäre Hauptfiliale am Übergangsstandort in der Bismarckallee 18-20 zu finden sein. Hierzu will die Volksbank in Kürze weitere Einzelheiten mitteilen.

Immerhin können die ausgelagerten Volksbank-Beschäftigten am Ausweichstandort in vertrauter Atmosphäre arbeiten. "Fast das gesamte Mobiliar der Zentrale, aber auch die IT wurden in die neuen Räumlichkeiten übernommen", sagt Martin Lorenz. Ob das Inventar dann nochmals mit umzieht, nämlich in den Neubau, das sei noch offen. "Für den erneuten Umzug in rund drei Jahren ist die Planung noch nicht abgeschlossen", so der Sprecher der Bank.

Die künftige Volksbankzentrale, deren Entwurf im Sommer 2016 vorgestellt wurde, wird aus verschieden hohen Teilen bestehen, am höchsten Punkt aber bis zu 64 Meter in den Freiburger Himmel ragen. Der verantwortliche Architekt ist Hadi Teherani, der unter anderem auch der Schöpfer der Kölner Kranhäuser ist sowie der Tanzenden Türme in Hamburg.