Rechnungen

Wie klimaneutral wird Dietenbach?

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Fr, 05. Oktober 2018 um 19:45 Uhr

Freiburg

Gegner und Stadt uneins, wie klimafreundlich Freiburgs neuer Stadtteil wird. Als "Märchen" haben die Gegner des geplanten Stadtteils Dietenbach das Ziel der Klimaneutralität bezeichnet.

Weil das 130 Hektar große Gelände bis zu drei Meter mit Erdaushub aufgeschüttet werden müsse, sei aufgrund der Lkw-Fahrten mit einem Ausstoß von 26 000 Tonnen Kohlendioxid zu rechnen, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung des "Regiobündnisses Pro Landwirtschaft" und der "Aktion Bürgerbegehren Rettet Dietenbach". Die Stadtverwaltung weist die Behauptungen zurück. Tatsächlich werde CO2 eingespart.

Haag argumentiert mit Erdaushubdeponien

In einem gibt Baubürgermeister Martin Haag den Dietenbach-Gegnern recht: Die Herstellung des geplanten Stadtteils – die sogenannte graue Energie – werde bei den Rechenmodellen für die Klimaneutralität nicht berücksichtigt. Das sei üblich und gelte zum Beispiel auch für neue Gebäude. Dass das Quartier, ähnlich wie Rieselfeld, aufgeschüttet werden müsse, sei ein Vorteil: In der gesamten Region fehle es an Erdaushubdeponien. Der Dreck müsse bis zu 150 Kilometer weit weggekarrt werden. Dietenbach könne dieses Material aufnehmen und sogar Geld einnehmen. Haag erwartet "mindestens eine Schwarze Null". Möglicherweise seien einige Millionen Euro einzusparen.

Das Bündnis und die Aktion Bürgerbegehren machen eine andere Rechnung auf: Um Dietenbach aufzuschütten, würden bis zu 2,5 Millionen Kubikmeter benötigt, wofür 720 000 Hin- und Rückfahrten von Zwölftonnern nötig seien. Bei einer angenommenen Entfernung von 30 Kilometern addiere sich das auf 21,6 Millionen Kilometern. Inklusive des Verbrauchs von Baggern und Planierraupen vor Ort taxieren die Gegner den Dieselverbrauch auf 6,5 Millionen Liter. Unter solchen Voraussetzungen dürfte heutzutage kein Stadtteil mehr auf die grüne Wiese gebaut werden.

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