Bundestagswahlkampf

Wie war’s bei … Martin Schulz auf dem Platz der Alten Synagoge in Freiburg?

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Sa, 16. September 2017 um 16:50 Uhr

Freiburg

Es war die erste richtige Großveranstaltung auf dem neuen Platz der Alten Synagoge. 4500 Zuhörer wollten am Samstagnachmittag den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz hören. Eine Kurzkritik.

Publikum: Im abgesperrten Bereich vor der Bühne sitzen Journalisten, VIPS und die SPD-Granden aus der Region wie Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach oder sein Vorgänger Hansjörg Seeh, der die Szenerie mit dem Smartphone festhält. Auf dem proppenvollen Platz der Alten Synagoge finden sich auffallend viele junge Menschen ein, auch Eltern mit Kinderwagen, und genießen die Sonne – manche in kurzer Hose und barfuß.

Vorprogramm: Die deutsch-französische Hip-Hop-Truppe Zweierpasch sorgt für musikalische Auflockerung zwischen den beiden moderierten Talkrunden. Dabei kommen die Bundestagskandidaten der verschiedenen Wahlkreise zu Wort. Als Freiburgs Lokalmatador Julien Bender auf die Bühne gerufen wird, fällt der Beifall besonders herzlich aus. Das Frage- und Antwortspiel sitzt perfekt. Keine Hänger, keine Ähs, aber klare politische Ansagen und Aufmunterung. Die Kandidaten berichten von tollen Erlebnissen bei ihrem Häuserwahlkampf: Einladungen zum Essen und Wiedererkennungseffekt: "Sie sind doch der, der am Masten hängt." (Jens Löw, Schwarzwald-Baar-Kreis)

Bühnengebaren: Als Ordner ein rotes Band von der Bühne im Süden des Platzes zur Bertoldstraße spannen, ist klar: Gleich kommt Schulz. Alle Blicke und Handys richten sich gen Norden. Als der Moderator den künftigen Bundeskanzler Deutschlands ankündigt, müssen auch Genossen lachen. Eskortiert von Personenschützern schüttelt Martin Schulz Hände, erlaubt Selfies und unterschreibt das Plakat eines Teenagers. Das Kamerateam liefert die Livebilder auf die Riesenleinwand neben der Bühne. Gleich mit dem ersten Satz gewinnt er die Massen: Ihm sei bewusst, dass dies die erste Großveranstaltung auf dem neuen Platz der Alten Synagoge sei. "Das Andenken an das unsägliche Leid muss lebendig gehalten werden." Er trägt, wie er selber entsprechende Zeitungsanalysen bestätigt, einen Anzug von der Stange und als Brille ein Kassengestell. Er habe gelesen, dass er wirke wie ein Sparkassenangestellter oder Bahnschaffner. "Mir geht das am, also mir ist das gleichgültig", sagt Schulz und geißelt dann die Arroganz der selbsternannten Eliten": Was denn schlecht sei an Sparkassenangestellten und Schaffner, ruft er in die Menge und erntet Begeisterung. Überhaupt feuert er überraschend viele Sprüche ab, die geradezu zitiert werden wollen: "Ich gönne den Peruanern ja ihr gutes Mobilfunknetz, aber ich hätte für Deutschland auch gern so eines." Oder: "Das sogenannte TV-Duell war eine Begegnung mit Merkel in Anwesenheit von Journalisten." Als er nach seinem Auftritt ein langes Bad in der Menge nimmt, läuft vom Band "Du bist vom selben Stern ..."

Seine Botschaft: den wirtschaftlichen Fortschritt umzuwandeln in soziale Gerechtigkeit. Passend zum Thema ziehen dunkle Wolken auf. "Deutschland geht es gut, das heißt nicht, dass es allen in Deutschland gut geht." Seine nicht verhandelbaren Forderungen: Mietwucher stoppen, Bürgerversicherung statt Zweiklassenmedizin, auskömmliche Rente, kostenlose Bildung.

Fanartikel: natürlich Kugelschreiber und Luftballons, Feuerzeuge, aber auch rote Bächleenten mit dem Aufdruck SPD – allerdings aus Plastik.

Zuhörer-Schnellkritik: Ina Xu, 26, Ärztin, meint: "Ich hatte mir nicht viel versprochen, ich wähle eher grün. Martin Schulz war besser als erwartet und ist auf Themen eingegangen, die die jüngere Generation interessieren. Er war überzeugender als beim TV-Duell." Und Norbert Hofmann, 76, Rentner, sagt: "Ich war schon vorher bekehrt und wollte ihn mal selber sehen. Er hat das gut gemacht, wie er die Unterschiede zu Merkel herausstellte."