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06. Februar 2012

Stadtgeschichte

Wo fuhr einst Freiburgs erster Omnibus?

WIEDERSEHEN! Die Rössli-Tram vor der Kaserne - Freiburgs erster Omnibus fuhr da lang, wo sich heute die Straßenbahnhaltestelle "Siegesdenkmal" befindet.

  1. Einen Pferdeomnibus am Siegesdenkmal (mit der Karlskaserne im Hintergrund) zeigt die nach 1897 entstandene Aufnahme. Foto: Augustinermuseum

  2. Heute ist der Platz ein Verkehrsknotenpunkt am Rand der Fußgängerzone mit der Straßenbahnhaltestelle „Siegesdenkmal“ (rechts), während des Denkmal selbst jetzt weiter westlich steht. Die ehemalige Karlskaserne ist Sitz einer Reihe städtischer Abteilungen. Foto: Thomas Kunz

INNENSTADT. Die historische Aufnahme, die heute im Mittelpunkt unseres "Wiedersehens" steht, ist zwischen 1897 und 1901 entstanden, zu jener Zeit also, in der mit einer Pferdetram der öffentliche Personennahverkehr in Freiburg begonnen hatte.

Den Hintergrund der Szene bildet die Karlskaserne. Das stattliche Bauwerk, heute eine Rathaus-Außenstelle, ist zwischen 1773 und 1776 errichtet worden. Auftraggeber waren die Vorderösterreichisch-Breisgauischen Landstände, deren Wappen noch heute das Hauptportal schmückt. Dieses Gremium setzte sich aus der hohen Geistlichkeit, dem Adel und den wichtigsten Städten der Region zusammen und hatte seinen Sitz in Freiburg, das seit dem Ende des 30-jährigen Krieges vorderösterreichische Hauptstadt war. Nach 1651 war eine ständige Garnison in Freiburg errichtet worden, die zunächst auf 150 bis 200 Mann beschränkt war, aber angesichts der von Frankreich her drohenden Kriegsgefahr schon 1672 auf fast 1500 Soldaten aufgestockt wurde. Als Quartiere wurden die Zunftstuben und leerstehende Häuser beschlagnahmt, erst nach der Einnahme der Stadt durch Frankreich und dem Ausbau Freiburgs zur Festung wurden auch Kasernen gebaut, die allerdings nur einen Bruchteil der Garnison fassen konnten. Vor allem wenn sich die Festung verteidigungsbereit machen musste, kamen auf die etwa 3000 Bürger Einquartierungslasten zu, verschärft durch den Umstand, dass die zahlreich in Freiburg ansässigen Kirchenleute und der Adel von der Einquartierung befreit waren.

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Der Bau der Landständischen Kaserne anstelle der kleineren, nach 1677 erbauten und 1711 erneuerten Kaserne beim Christophstor sollte in der Zeit Maria Theresias diese Belastungen mindern. Architekt des Neubaus war der Steinhauermeister Leonhard Wippert. Er war wie viele seiner Zunft aus dem Allgäu nach Freiburg zugewandert und hatte hier das Bürgerrecht erworben. Von 1781 bis zu seinem Tod 1810 bekleidete er das Amt des Stadtbaumeisters.

Den Dreiecksgiebel erhielt die 1792 nach dem Feldherrn Erzherzog Karl von Österreich benannte Kaserne erst nach dem Abbruch des barocken Christophstores im Jahr 1826, um dessen Uhr aufzunehmen. Zur Zeit der Großherzöge war die 1867 erweiterte Kaserne Sitz des badischen Infanterieregiments 113, das als Teil des 14. Armeecorps im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 eingesetzt war. Dies war einer der Gründe für die Errichtung des Siegesdenkmals auf dem Platz vor der Kaserne, wo es von 1878 bis 1963 stand und dann ein Stück weit nach Westen verschoben wurde. Die angedachte Rückkehr auf den alten Platz wäre aus historischen und städtebaulichen Gründen durchaus wünschenswert. Zum Denkmal gehörten eiserne Gedenktafeln für die Gefallenen, die am barocken Lanzengitter, das die Kaserne umfriedete, angebracht waren. Beim Wiederaufbau der 1944 zerstörten Kaserne wurde das Gitter abgeräumt und eingelagert. Die Tafeln kamen auf den Alten Friedhof.

Der Personenverkehr mit Pferdeomnibussen (lateinisch "omnibus" = "für alle") wurde 1891 aufgenommen, als der Stadtrat unter Oberbürgermeister Otto Winterer die erste Konzession an den Fuhrunternehmer Josef Amann vergab. Noch im selben Jahr wurde ein Netz mit drei Linien aufgebaut. Nach ersten Erfolgen stagnierte das Geschäft und Amann musste 1894 aufgeben, auch weil die Stadt jeden Zuschuss kategorisch verweigert hatte. 1896 gab es einen neuen Anlauf, diesmal mit finanzieller Unterstützung der öffentlichen Hand. Der Freiburger Reitbahnbesitzer Adolf Jenne konnte von der "Basler-Droschken-Anstalt" sieben ausgemusterte Pferdeomnibusse kaufen, mit denen er drei Linien bediente. Einer dieser Wagen ist auf der historischen Aufnahme vor dem Siegesdenkmal zu sehen. Die einstige Basler "Rössli-Tram" gehörte bis zur Eröffnung der elektrischen Straßenbahn im Oktober 1901 zum Freiburger Straßenbild.

Autor: Peter Kalchthaler