Mit Witz und Hintersinn

Martin Herceg

Von Martin Herceg

Do, 11. Dezember 2014

Theater (TICKET)

Die Theatergruppe der Pädagogischen Hochschule spielt "Tom Sawyer" auf Englisch.

Tom Sawyer ist der klassische Lausbub: Mit Streichen bringt er seine Tante Polly zu Weißglut, er hasst die Schule, mit der Kirche kann er auch nicht viel anfangen. Hinzu kommen schlechte Manieren und ein fragwürdiger Umgang. Getrieben vom permanenten Drang, allem Autoritären auszuweichen, beschließt der Weise eines Tages mit seinen nicht weniger ungezogenen Kumpels Huckleberry Finn und Ben ein neues Leben als Pirat anzufangen. Die Jungs verlassen von der Abenteuerlust angetrieben ihr langweiliges Heimatdorf und fahren mit einem Floß hinaus auf den Mississippi.

Die Inszenierung des 1876 erschienen Romanklassikers von Mark Twain durch die Theatergruppe der Pädagogischen Hochschule Freiburg kommt mit viel Dynamik, präzise und liebevoll gezimmert auf die Bühne der PH-Aula. Den Hauptfiguren des Stücks gelingt es mit Witz und Hintersinn, die 140 Jahre alte Geschichte von Freundschaft, Streichen, Liebe und Tod in die heutige Zeit zu übertragen. Hilfreich erweist sich dabei die pragmatische Entscheidung der Freiburger Regisseurin Susanne Franz, die Handlung gestückelt, anhand ausgewählter Szenen auf die Bühne zu bringen: So ufert die Geschichte nicht aus und kann stringent in rund 80 Minuten in gut verständlichem Englisch erzählt werden.

Für Susanne Franz und Mechthild Hesse, die für das Projekt "Playmates" 2009 den Landeslehrpreis erhalten hat und als Produzentin fungiert, ist "Tom Sawyer" bereits die elfte Zusammenarbeit. Wie schon bei den vergangenen Stücken, können die beiden Macherinnen sich auch in der aktuellen Produktion auf ein engagiertes und spielfreudiges Laien-Schauspielteam aus angehenden Englischlehrerinnen und -lehrern verlassen.

Atmosphärisch bereichert wird das Stück von der dreiköpfigen Liveband mit Antonia Efinger, Simon Goldschagg und Philipp Schienle, die mit Gospel und Dixieland-Swing für ausgelassene Stimmung auf der Bühne und im Publikum sorgen. Auch die raffiniert einfachen Bühnenelemente, die in Form von Europaletten immer wieder neu kombiniert werden, tragen zum Gelingen bei. Egal ob Gartenzaun, Floß oder Altar – mit wenigen Handgriffen passt sich die Szenerie an das Geschehen an. Lange Umbaupausen gibt es nicht.

Aus dem spielfreudigen 17-köpfigen Ensemble, teils in Mehrfachrollen besetzt, ragt Tabea Schweiker heraus. Sie verkörpert den aufmüpfigen Anführer Tom und strotz nur so vor Spiellust. Mit viel Temperament stürmt sie ein ums andere Mal durch den Saal. Ausladende Gesten, weit aufgerissene Augen und eine beeindruckende Textsicherheit zeichnen sie dabei aus. Ebenfalls überzeugen kann Larissa Steiner, die in ihrer Rolle als Becky mit dem Stereotypen des unschuldigen Mädchens kokettiert und den wilden Tom in ihren Bann zieht.

Zum Publikumsliebling des Premierenabends avanciert Felizitas Dierling die in einer Doppelrolle fungiert: Einmal gibt sie den etwas zurückgebliebenen Dorfjungen Ben, der mit den Armen rudernd über die Bühne watscht und seinem Vorbild Tom nacheifert, zum anderen spielt die den Säufer und Gauner Muff Potter, der verdächtigt wird, den zwielichtigen Doktor Robinson (Timo Lekic) ermordet zu haben.
– Weitere Aufführungen: Die Vormittagstermine für Schüler am Donnerstag, Dienstag (11 Uhr) sind weitgehend ausverkauft; Karten gibt es noch für die Abendvorstellungen am Freitag, 12. Dezember, und Dienstag, 16. Dezember, um 20 Uhr.