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08. August 2017

Die Hilfsmittel damals und heute

Winzergenossenschaft feiert ihr 50-Jähriges mit Weinwanderung.

  1. Was die Arbeit in den Reben früher schwerer machte und welche Gerätschaften sie heute für den Winzer leichter machen, erklärte Frank Erb (links) den Weinwanderern am Sonntag. Foto: Heidi Fössel

  2. Schlepperei mit Kiepen Foto: Heidi Foessel

FRIESENHEIM-OBERSCHOPFHEIM. Zahlreich sind am Sonntag Interessierte auf dem Weinwanderweg in den Oberschopfheimer Reben gewandelt. Die Winzergenossenschaft wurde 50 Jahre alt und hatte die Weinbrunnen-Stationen mit einer Ausstellung bestückt.

Über den Tag wurden drei Führungen angeboten. Der Weinwanderweg mit seinen sonst zehn Infotafeln war für diesen Tag auf 1,5 Kilometer mit vier Stationen verkürzt worden, zu denen die Besucher hin flanieren konnte. Wer mehr erfahren wollte, den führte der WG-Vorsitzende Frank Erb, stilecht gekleidet in Winzerhemd und Strohhut, in seinen drei Führungen über die Strecke.

Anlässlich des WG-Jubiläums waren an den Stationen Maschinen und Geräte aus dem Weinbau aus Großvaters und aus heutiger Zeit aufgestellt. Darüber hinaus gab es immer wieder Sitzgelegenheiten und Pavillons, in denen die Winzer Weine zum Probieren ausschenkten.

Bei der Begehung stieß der Besucher zunächst auf Gerätschaften, mit denen das Gras zwischen den Weinstockreihen gemäht wird. War dies vor einigen Jahren noch ein Einachser mit Mähwerk, erledigt das heute ein Schlepper mit Mulchwerk, das die Rebstockstämme ertasten und sich der Breite der Reihen anpassen kann. So kann auch direkt unter den Rebstöcken gemäht werden, ohne sie zu verletzen. Früher ließ man den Boden zwischen den Rebreihen ohne Bewuchs, was eine stärkere Bodenerosion zur Folge hatte. Nach Regen standen die Winzer knöcheltief im Matsch.

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Als nächstes gelangte die Gruppe zum Thema Pflanzenschutz, ohne den es laut Frank Erb "einfach nicht geht". In der "guten" alten Zeit ging der Winzer mit einer Insektizid- und Pestizidflasche auf dem Rücken durch die Reihen, die Spritze in der Hand – und stand selbst in der Giftwolke. Heute gibt es sogar Recycling-Spritzen, die, von einem Schlepper gezogen, das überschüssige Spritzmittel wieder aus der Luft absaugen und dem Tank zuführen. Dies spart Pflanzenschutzmittel und schone sowohl den Geldbeutel als auch die Umwelt. Frank Erb betonte, dass jeder Vorgang dokumentiert und die verwendeten Mittel und deren Menge angegeben werden müssen.

Was früher noch langwierige Handarbeit war, erledigen heute zumeist Maschinen – auch beim Entlauben. So sahen die Weinwanderer ein Gerät, das – vom Schlepper durch die Reihen gezogen – die Blätter abzupft. Ein Laubheber kann gar herabhängende Triebe anheben und mit der mitgeführten Schnur automatisch nach oben führen und festbinden. Und was für die Handarbeit übrig geblieben ist, wurde verbessert: Manuelle Scheren wurden leichter und ergonomischer, zudem gibt es Scheren mit Akku und einstellbarer Scherweite und -kraft.

Bei der Ernte selbst trugt man früher die Trauben in Eimern oder Kiepen zum Pferde- oder Ochsenwagen, später zum Traktor mit den Weinfässern. Später waren es statt der Kiepen aus Holz Kunststoffkiepen, die durch das geringere Eigengewicht die Schlepperei mit etwa 80 Kilogramm Inhalt erleichterten. In Lagen, in denen es möglich ist, kommt heute oft ein Vollernter zum Einsatz. Dieser nimmt Dank seines großen Radabstands und seiner beachtlichen Arbeitshöhe die Rebenreihe unter das Führerhaus, entlaubt und erntet in einem Rutsch. Die Blätter werden mit Druckluft wieder ins Gelände geblasen. Die Trauben, die durch Rütteln geerntet werden, landen per Förderband in einem Behälter.

Auch die ausgeschenkten Weine erläuterte Erb. So gab es an der zweiten Station drei Weine aus der Oberschopfheimer Selektion 2015, die Spätlesequalität aufweisen: Gewürztraminer, einen grauen Burgunder und einen Spätburgunder Rotwein. Zudem einen Müller-Thurgau aus 2016, "Edition Hohberg", und einen Riesling Kabinett trocken. An der letzten Station wurden "Grenzgänger" ausgeschenkt: ein 2015er Chardonnay/grauer Burgunder und ein 2014er Spätburgunder/Regent; sehr hochwertige Weine, die fünf bis sechs Jahre alt werden dürfen, wie Frank Erb erklärte.

Auch die Themen Flurbereinigung und Landschaftspflege im Rebgelände wurden angesprochen. An der letzten Station, etwas oberhalb des großen Steinkreuzes, wo der Beginn der Tour war, konnte man den Rundgang bei einem weiteren Gläschen Wein oder Apfelschorle, Gegrilltem und belegten Brötchen ausklingen lassen.

Weitere Informationen unter http://www.wg-oberschopfheim.de

Autor: Christine Ehlenbröker