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06. Juni 2008

Erinnerung an die Juden im Dorf

Ein Projekt in Friesenheim sieht vor, Gedenksteine vor den Wohnhäusern zu verlegen / Gemeinderat stimmt Antrag zu

  1. Die Stolpersteine für Alexander und Isidor Spitzer kurz bevor sie vor dem Haus Stegermattstraße 10 einzementiert werden. Foto: Ralf Burgmaier

  2. Gunter Demnig freut sich über die guten Fortschritte seiner Aktion. Foto: Thomas Kunz

FRIESENHEIM. Mit Gedenksteinen des Künstlers Günter Demnig soll auch in Friesenheim an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus gedacht werden. Einstimmig hat sich der Gemeinderat für diesen Antrag der Grünen Liste Umweltschutz (GLU) ausgesprochen. Der Vorschlag der Verwaltung, das Projekt vorerst zurückstellen, ist damit vom Tisch.

Warum man im Rathaus lieber etwas abgewartet hätte, erläuterte in der Gemeinderatssitzung Hauptamtsleiter Ekkehard Klem. Demnach befasst sich der Historische Verein Mittelbaden mit dem Thema. In einem Gemeinschaftsprojekt mit der Haupt- und Realschule Friesenheim werden die Spuren jüdischen Lebens in der Gemeinde dokumentiert. Die Ergebnisse sollen in einer Broschüre präsentiert werden. Dann wisse man genau, so Klem, wo Juden in Friesenheim gelebt hätten − nicht nur in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Bis dahin sollte die Anbringung der Gedenksteine zurückgestellt werden.

Einen Konflikt zwischen beiden Projekten sah indes kein Gemeinderat. Das soll keine Konkurrenz zum Historischen Verein werden", sagte Dietmar Kairies von der GLU. Kairies äußerte seine Verwunderung darüber, dass die Sache nun hinausgezögert werden sollte. Der GLU sei eine grundsätzliche Zustimmung der Gemeinde wichtig, dass sie den Platz für jene Stolpersteine zur Verfügung stellt (es handelt sich um sehr kleine Flächen in Gehwegen). Um den 23. Juni herum sei der Künstler Demnig in der Gegend und könne dann die Steine setzen, danach müsse man bis zu einem Jahr warten. Die Kosten je Stein bezifferte Kairies auf 95 Euro je Stück, dazu kämen eventuell Übernachtungskosten für Demnig. "Wir wollen nichts gegen den Willen von Hauseigentümern erzwingen", sagte Kairies. Sein Fraktionskollege Josef Hugelmann warnte davor, mit der Verlegung der Stolpersteine abzuwarten "aus Angst Hausbesitzer zu kränken". Elf Adressen sind in Friesenheim bekannt.

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Franz Lögler (CDU) sah keinen Konflikt zwischen dem Projekt des Historischen Vereins und der Schule und den Stolpersteinen: "Das eine ergänzt das andere". Franz Mussler (Freie Wähler) erinnerte daran, dass die Gemeinde schon einiges getan habe, um an die jüdischen Opfer zu erinnern. Mussler hält Stolpersteine nur an stark frequentieren Wegen und Plätzen für sinnvoll. Gedenkfeiern zu geeigneten Anlässen hält er für geeigneter. Er plädierte für den 22. Oktober 2010, wenn sich die Deportation von Juden aus Friesenheim (und anderen Gemeinden) nach Gurs zum 60. Mal jährt.

Hans Lögler (SPD) bezeichnete den GLU-Antrag als eine sehr gute Idee. Lögler, der als Lehrer an der Haupt- und Realschule Friesenheim arbeitet, schlug vor, dass Schüler selbst solche Stolpersteine schaffen könnten. Dass würde die Identifikation mit dem Projekt erhöhen.

Bürgermeister Roesnser ("Das eine tun, das andere nicht lassen") fand eine Formel, die sowohl dem Vorschlag der Verwaltung als auch dem GLU-Antrag gerecht wurde. Demnach soll die Installation der Stolpersteine "zeitnah" umgesetzt werden. In den kommenden Wochen sollen Gespräche mit den Grundstückseigentümern geführt werden, ob das Projekt realisierbar ist. Der 22. Oktober 2010 soll als Gedenktag vorgemerkt werden. Der Gemeinderat segnete dieses Vorgehen einstimmig ab.

Autor: Peter Bomans