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08. September 2012

Früher wurde viel Hanf angebaut

Im 19. Jahrhundert wurde die Nutzpflanze großflächig in Rust angebaut, woran noch viele Namen und Bezeichnungen erinnern.

  1. Hanf als Nutzpflanze wurde früher in Rust angebaut. Foto: Archivfoto: Langelott

RUST. Karl-Heinz Debacher vom Ruster Kulturkreis hat kürzlich im Rheinauenzentrum einige Zuhörer in die Geschichte des Hanfes und seiner Bedeutung für die Gemeinde Rust eingeführt. Wo viel Wasser war, wurde Hanf angebaut, so auch in der Gemeinde. Die Spuren des Hanfes seien im Dorf noch sichtbar, erklärte Debacher. Anbau und Verarbeitung geschahen nach einem ausgeklügelten, arbeitsteiligen System.

Seit mehr als 10 000 Jahren sei Hanf als Nutzpflanze bekannt, betonte Debacher. Die Inhaltsstoffe der Pflanze haben bekanntlich berauschende Wirkung. Daher rühre auch der Ausspruch "der hed ä Fimmel", so Debacher. Das eigentlich Wertvolle am Hanf seien die Bastfaserringe, die sich in der Rinde bilden.

Die fruchtbare Rheinebene war eine ideale Voraussetzung für den Hanfanbau. Die Verarbeitung in mehreren Arbeitsgängen sei jedoch sehr aufwändig gewesen. Die Arbeit verteilte sich über das ganze Jahr, auch Frauen und Kinder seien eingespannt gewesen.

In Rust wurde, nachweislich an Hand eines "Zinsbuches der Ruster Bürger" (1434 bis 1456), bereits vor 600 Jahren Hanf angepflanzt. Man unterschied in zwei Hanfsorten, den Schleißhanf mit bis zu 4,5 Metern Länge und Daumen- bis Mannshandstärke. Mit ihm wurden starke Schiffstaue und Segeltücher hergestellt. Mit dem dünneren Spinn-/Brechhanf wurden dünne Seile, Tücher und feine Leinwand hergestellt.

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Der Zeitpunkt der Ernte war meistens nach Laurenti am 10. August. Die Hanfstengel wurden herausgezogen (liechen) und zu Schauben zusammengebunden. Daher rühre auch der Familienname Schauber, fügte Debacher hinzu. In der "Röze" – Hanfrötze ist heute noch ein gängiger Begriff – seien die Schauben in gestauten Wasserläufen gelagert worden, bis sich die Fasern vom Holz und der Rinde lösten. Danach wurde der Hanf auf dem Feld zum trocknen ausgelegt. An Hand einer Flurkarte von 1874 zeigte Debacher auf, dass es im Gewann Schießrain 70 Hanfrötzen und im Gewann Stockfeld und Latsch 50 Hanfrötzen gab. Mittels Luftaufnahmen erläuterte er, dass man die kleinparzelligen Grundstücke der Rötzen heute noch ausmachen könne.

Rust war immer auch ein Fischerdorf, das auf seine Rechte pochte. Mit den Hanfrötzern sei es offensichtlich immer wieder zum Streit gekommen, berichtete Debacher. Durch die ätzenden Flüssigkeiten, die in die Elz und die Nebengewässer eingeleitet wurden, verendeten auch Fische.

Zur manuellen Bearbeitung des Hanfes wurden Brechen/Knätsch oder Plauel und Stampfe genutzt. Die Gewannbezeichnung Blaumatte weist auf den Hanfanbau hin, sagte Debacher. Das Rözi-Hansele der Ruster Narrenzunft Hanfrözi ist eine Sagenfigur, die aus dem Hanfabbau abgeleitet ist.

Der Hanfanbau war aus verschiedenen Gründen lukrativ, erzählte Karl-Heinz Debacher weiter. Er brachte schnelles Bargeld, Missernten waren selten und die Arbeit konnte über das ganze Jahr verteilt werden. Im Jahre 1832 seien aus Baden 1830 Tonnen Hanfprodukte insbesondere nach Holland, Frankreich und in die Schweiz exportiert worden. Um 1870 habe es in Rust rund 120 Hanfrötzen gegeben.

Nahezu jeder zweite Haushalt hatte mit der Hanfbearbeitung zu tun, stellte Karl-Heinz Debacher fest, und Hanf war ein Universalrohstoff, keine andere Pflanze konnte so umfassend genutzt werden. Das Ende des Hanfanbaues sei mit dem Baumwollimport, den Spinnmaschinen und mit der Dampfkraft der Schiffe gekommen.

Autor: Adelbert Mutz