Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

16. Juli 2012

Gang vors Schiedsgericht steht unmittelbar bevor

US-Anti-Doping-Behörde macht im Fall Armstrong ernst.

  1. Unheilvolle Liaison in der Vergangenheit: Lance Armstrong (links) und Johan Bruyneel müssen jetzt vor einen Richter treten. Foto: dapd

CAP D’AGDE/LIMOUX (dpa). Lance Armstrong schreibt mal wieder von einer "Hexenjagd". Bei Twitter verbreitete der taumelnde Ex-Radstar eine Karikatur, die ihn als Justiz-Opfer stilisieren soll. Am Wochenende hatte der Texaner im laufenden Dopingverfahren einen weiteren Rückschlag erlitten. Nach den heftigen Anschuldigungen durch die amerikanische Anti-Doping-Agentur (Usada) wird es zur Anhörung vor einem Schiedsgericht kommen – bei dem voraussichtlich auch erstmals Beweise offengelegt und Belastungszeugen gehört werden.

Diesen Schritt erzwang ausgerechnet Armstrongs ehemaliger Teamchef Johan Bruyneel, der in der Causa ebenfalls angeklagt ist und gegen die Dopingvorwürfe nun Protest eingelegt hat. Über das weitere Vorgehen und eine mögliche lebenslange Sperre entscheidet ein Sportgericht. Armstrongs Hoffnungen auf ein schnelles Ende des Verfahrens haben sich damit vorerst nicht erfüllt.

"Ich kann bestätigen, ein Schiedsgerichtsverfahren verlangt zu haben und die Anschuldigungen der Usada anzufechten", teilte der Belgier am Samstag auf seiner Homepage mit. Die Usada hatte kurz zuvor ihrerseits über den Schritt informiert. Bruyneel, der als sportlicher Chef der Equipe Radioshack auf seine Teilnahme bei der diesjährigen Tour de France verzichtete, hofft bei der Anhörung auf die Bestätigung, "dass es bei dem Fall nie so weit hätte kommen dürfen", wie er weiter schrieb.

Werbung


Armstrong, Bruyneel sowie vier weitere Ärzte und Betreuer der früheren Teams US Postal und Discovery Channel waren im Juni von der Usada angeklagt worden. Drei von ihnen – darunter der als "Dottore EPO" bekannte italienische Mediziner Michele Ferrari – ließen nach jüngsten Angaben der Agentur eine Einspruchsfrist ablaufen. Von dem ganzen Verfahren will Ferrari nun aber nichts wissen: Er sei weder offiziell über die Anschuldigungen informiert worden, noch sei er überhaupt in irgendwelche Dopingpraktiken involviert gewesen, verkündete der frühere Armstrong-Arzt auf seiner Homepage.

Für Ex-Radstar Armstrong, der sieben Mal die Tour de France gewann, könnte ein Prozess fatale Folgen haben – neben einer lebenslangen Sperre und der Aberkennung seiner Siege bei der Tour droht ihm auch die endgültige Brandmarkung als Doper. Der Rekordsieger bei der Frankreich-Rundfahrt hat jegliche Manipulation stets bestritten. Einige seiner Ex-Teamkollegen, die die Usada wohl vor Gericht zitieren wird, behaupten indes das Gegenteil.

Derzeit ist bei einem Amtsgericht in seiner Heimatstadt Austin eine Klage Armstrongs auf Einstweilige Verfügung anhängig. Der Texaner will die Usada zwingen, das Verfahren gegen ihn abzubrechen. Der momentan gesperrte Sportler – der nach seiner Rad-Karriere bei Triathlon-Wettkämpfen starten wollte – argumentiert, die Agentur habe nicht die Kompetenz, ihn zu sanktionieren.

Zuletzt hatte die Causa Armstrong auch US-Politiker auf den Plan gerufen. Der Kongressabgeordnete Jim Sensenbrenner, ein Republikaner aus Illinois, stellte das Vorgehen der Usada und die Folgen für Steuerzahler infrage. Sein Parteikollege, der ehemalige Präsidentschaftskandidat John McCain aus Arizona, versprach der Agentur im Verfahren dagegen "volle Unterstützung".

Autor: dpa