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10. Januar 2017 21:05 Uhr

Trend

Gewalt in Freiburgs Notaufnahmen nimmt zu

Pöbeleien und auch mal Handgreiflichkeiten: Die Aggression gegenüber Ärzten und Pflegepersonal in den Notaufnahmen steigt, berichten auch Freiburgs Kliniken. Die setzen vor allem auf Deeskalationsschulungen, aber manchmal hilft auch das nichts mehr.

  1. Wie reagieren Krankenhäuser auf aggressive Patienten? Foto: dpa

Etwa zehn Übergriffe pro Monat zählt das Universitäts-Notfallzentrum (UNZ) laut Hans-Jörg Busch. "Das Anspruchsverhalten der Patienten und auch der Angehörigen hat sich geändert", sagt der Ärztliche Leiter des UNZ. Dort werden täglich 150 bis 200 Menschen behandelt – und das nach Dringlichkeit. "Manche Patienten verstehen es nicht, wenn sie länger warten müssen." Da sei es wichtig, aufzuklären und um Verständnis zu bitten. "Meistens klappt das auch", sagt Busch, der eine "Graduierung von Gewalt" wahrnimmt.

Körperliche Gewalt gehe meist mit Drogen- oder Alkoholkonsum einher. Busch berichtet von einem Fall, bei dem ein junger Mann von der Polizei gebracht wurde, das Personal bespuckte und einen Monitor kaputtschlug. Ein anderer hatte ein Messer dabei, mit dem er aber nicht gedroht hatte.

Polizei muss nur selten kommen

Etwa fünfmal pro Monat werde der "Chaos-Knopf" gedrückt, das Sicherheitspersonal also zur Hilfe geholt. Dass die Polizei gerufen wird, komme nur selten vor. Häufiger sei verbale Aggressivität, so Busch. Das Verhalten ziehe sich durch alle Schichten und Altersklassen.

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Um dem Aggressionspotenzial entgegenzuwirken, setze die Uniklinik vor allem auf Schulungen ihrer Mitarbeiter. Einige Pflegekräfte haben laut Busch eine Deeskalations-Ausbildung gemacht und geben ihr Wissen an Kollegen weiter. "Das wird sehr gut angenommen, auch von Ärzten."

Während in der Uniklinik schon seit Längerem Kameras in den Gängen sind – laut Busch nicht nur wegen aggressiver Patienten – hat das St. Josefskrankenhaus erst vor Kurzem eine im Eingangsbereich installiert, eben wegen der zunehmenden Gewalt, wie Pressesprecher Thilo Jakob sagt. Zudem würden seit Neuestem Schichten doppelt besetzt, im Ambulanzbereich gebe es ein neues Schließkonzept, Mitarbeiter machten Schulungen.

Nicht immer ist Alkohol im Spiel

Alkohol sei bei Aggressivität oft im Spiel, doch nicht nur. "Die Menschen, die in eine Notaufnahme gehen, sind in einer besonderen Situation und vielleicht emotional aufgewühlt", sagt Jakob. Wie das Josefskrankenhaus führen die meisten Einrichtungen keine Statistik.

Vor allem gegenüber den Pflegekräften steige die Aggressivität, sagt René Ewert, Leiter der Notaufnahme im Diakonie-Krankenhaus. Dies äußere sich meist verbal, tätliche Angriffe gebe es nur wenige, was Ewert auf die "Besonnenheit des Personals" zurückführt. Auch das Diakonie-Krankenhaus biete Schulungen an. Als Ursache nennt der Oberarzt die Überlastung durch die steigende Anzahl von Bagatellen.

Unzufriedenheit durch Wartezeiten

Die längere Wartezeit führe zu Unzufriedenheit, manche Patienten beleidigten das Personal. Auch die Ansprüche einer Verfügbarkeit medizinischer Leistungen rund um die Uhr berge Konfliktpotenzial, vor allem wenn nachts oder an Wochenenden deutlich weniger Personal eingesetzt sei.

Trotz der Zunahme der Konflikte besteht im Diakonie-Krankenhaus laut Ewert noch kein Bedarf an Überwachungskameras oder der ständigen Präsenz von Wachpersonal. Bisher musste ihm zufolge nur selten auf den Einsatz der Polizei zurückgegriffen werden. Und auch Busch von der Uniklinik sagt: "In unserer Notaufnahme muss keiner Angst haben, es ist sicher."

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Autor: Sina Gesell