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16. April 2010

Teebeutelentsorgung auf andere Art

Künstlerin Anita Frei-Krämer stellt derzeit auf Einladung des Kunstvereins ihre Werke im Gundelfinger Rathaus aus.

  1. Ausstellung Rathausfoyer Foto: Andrea Steinhart

GUNDELFINGEN. Eine gelungene Veranstaltung: Die Vernissage im Gundelfinger Rathausfoyer am Mittwochabend war eine runde Sache. Hier traf Kunst auf Kleinkunst und verband sich zu einem interessanten Ganzen. Zentrum der Ausstellung, die auf Einladung des Gundelfinger Kunstvereins zu sehen ist, sind Assemblagen der Künstlerin Anita Frei-Krämer.

Anita Frei-Krämer kann gebrauchte Teebeutel, alte Telefonbücher oder verschrammtes Verpackungsmaterial nicht einfach liegen lassen. Was sie findet, nimmt sie mit in ihr Atelier. Die Künstlerin, die in Kehl lebt, spielt gerne mit gebrauchten Dingen und lässt entstehen, was entstehen will. Manchmal, so sagt sie, hat sie ein fertiges Bild im Kopf und muss es nur noch zusammensetzen. Ein anderes Mal fordert sie ein Fundstück regelrecht auf, etwas aus ihm zu machen. Was dabei erblüht, sind überwiegend Assemblagen, deren Hauptgegenstand alte, gebrauchte Teebeutel sind. Teebeutelentsorgung auf andere Art: Bei der Künstlerin landen sie nicht im Müll, sondern dienen ihr als Kunstobjekt.

Malerei im herkömmlichen Sinn oder Bilder mit schönen Motiven und Farben scheinen die Künstlerin nicht zu reizen. Vielmehr will Frei-Krämer etwas mitteilen: "Es sind Kommunikationsbilder, die allesamt menschliche Daseinszustände und Urmuster von Kommunikationsverhalten zeigen und auf vorhandene oder mögliche Mitteilungsarten verweisen", sagt die 59-Jährige am Rande der Ausstellung. Zum Beispiel dadurch, dass Seiten aus Telefonbücher, die die Angaben von realen Zeitgenossen enthalten, den Hintergrund der Kunstwerke bilden. Bestückt mit aus aller Welt stammenden Teebeuteln sollen ihre Werke auf Kommunikation hindeuten, die zum Beispiel beim Teetrinken entsteht. "Es sind jedenfalls Bilder, die eine intensive Beschäftigung verlangen", sagte Thomas Danner, stellvertretender Bürgermeister bei der Eröffnung.

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Die Bilder der Künstlerin sind größtenteils Assemblagen, also Collagen mit plastischen Objekten, die auf einer Grundplatte montiert sind. Sie arrangiert auf einer Holzrahmenplatte die über viele Jahre gesammelten und getrockneten Teebeutel. Als Farbe wählt sie erdige Töne, nuanciert einige mit grüner Couleur und lässt so zum Beispiel den Schwarzwald entstehen, durch den zwei Fußgänger marschieren – wobei Teebeutel für die Menschen stehen.

Nachdem die Motive herausgearbeitet wurden, die Teebeutel ihren Platz gefunden haben, überzieht sie die Werke mit Schellack. Ihre Bilder haben so einen ganz eigenen Stil und sind weit entfernt von den üblichen Collagen.

Der berufliche Werdegang der Künstlerin war recht gewunden. Die Badenerin absolvierte erst eine Ausbildung als Schaufenstergestalterin, schulte um zur Heilerziehungspflegehelferin und studierte dann doch visuelle Kommunikation und Design. Seit 1977 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin. Daneben leitet sie Malreisen, veranstaltet Workshops und Seminare im Bereich Konfliktmanagement und trainiert Führungskräfte.

Welche Abenteuer sie beim Sammeln ihrer Materialien schon erlebte, erzählte ihr Mann Günter Frei, verkleidet als Gaukler, auf humorige Art. So wurde das Ehepaar einmal fast in den USA verhaftet, nur weil dem Flughafenmitarbeiter die sechs dicken, amerikanische Telefonbücher, die die Künstlerin im Koffer mit sich schleppte, sehr merkwürdig fand. Neben diesen recht lustigen Erlebnissen demonstrierte der Gaukler mit Hilfe eines Flugstocks die Anfänge der bildenden Kunst, erklärte anhand fliegender Jonglierbällen die Farbenlehre und ließ das Diabolo fachmännisch tanzen, während er die Bilder erläuterte.

"So etwas hatten wir hier noch nie", sagte Ulrike Bach, die Vorsitzende des Kunstvereins, am Ende der heiteren und außergewöhnlichen Vernissage am Mittwoch.

Hinweis: Die Ausstellung im Rathaus-Foyer ist montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr (bis zum 11. Mai) zu sehen.

Autor: Andrea Steinhart