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05. November 2010
"Warum sind wir Glottertäler so?"
Zwei Lehrer haben ein Buch über Bräuche im Glottertal und, wie die Menschen dort früher lebten, geschrieben.
GLOTTERTAL "Warum sind wir Glottertäler so, wie wir sind?", Antworten auf diese Frage gibt es im neuen Buch "Bräuche im Glottertal". Gemeinsam haben die beiden Lehrer der Schurhammerschule, Hubert Strecker und Bernhard Hoch, örtliche Bräuche aufgelistet und in ihrem neuen Buch beschrieben.
"Bräuche, so würde mancher meinen, passen nicht mehr in diese hektische Zeit. Sie gelten als etwas Altmodisches. Der moderne Mensch tut nicht einfach etwas, weil es Brauch ist. Er entscheidet selbst, was er für richtig hält und wie er sein Leben zu leben hat", sagt Bernhard Hoch bei der Vorstellung des Buches im Winzersaal. Dies könne durchaus zu Konflikten zwischen älteren Menschen und jungen Leuten führen. Auch im Glottertal haben sich die Zeiten geändert. Ob dadurch – gerade für die junge Generation – alles auch leichter geworden ist? Früher seien viele Dinge eben selbstverständlich gewesen.Bräuche seien eine Richtschnur. Sie hätten früher das Leben geprägt, ja teils eingeengt, aber sie hätten auch vielen Menschen Halt gegeben. Als Hauptschullehrer haben die beiden Autoren oft Diskussionen ihrer älteren Schüler mitbekommen, was sie in ihrer Freizeit machen würden. Zu ihrer Jugend vor 40, 50 Jahren, war die "Freizeit" klar gegliedert: Daheim auf dem Hof, in den Reben, im Geschäft des Vaters oder im Haushalt mitarbeiten. Am Sonntag wäre den Jugendlichen nichts anderes in den Sinn gekommen, als in die Kirche zu gehen – der Kirchgang war ein "absolutes Muss". Überhaupt sei das Leben im Tal von der Landwirtschaft und der Religion geprägt gewesen.
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In ihrem Buch haben die beiden Autoren die überlieferten Bräuche aufgeschrieben. Sie haben sie entlang der kirchlichen Festtage dokumentiert. Ganz am Anfang ist das Gedicht von Hedwig Heilmann: "Glottertäler Heimatbräuche" abgedruckt. Die Trachtenmädel Hannah Lindinger und Katharina Strecker trugen es vor. Die Zeit "zwischen den Jahren" von Weihnachten bis Dreikönig war eine besondere Zeit, erinnert sich Hubert Strecker. Nie sonst im Jahr habe der Vater Zeit gehabt oder sie sich genommen, um mit den Kindern ausgiebig zu spielen. "Christkindle schaue" war angesagt, Nachbarn und Verwandte wurden besucht, es gab Süßes, "überall bekam man Brädli". In dieser Zeit durfte keine Wäsche gemacht werden und den Mägden und Knechten auf den Höfen stand es frei, den Arbeitgeber – sprich den Hof – zu wechseln: "Bindelistag".
Ein Höhepunkt war das Patrozinium, das Blasiusfest am 3. Februar. Früher kamen zu diesem Tag zahlreiche Pilger ins Glottertal. Auch wurde an diesem Tag der Brauch des "Pfadens" geübt, des Auftragsbetens: Bauernfamilien schickten arme Verwandte oder ärmere Frauen mit dem Auftrag, für ihre Anliegen zu beten, in die Kirche.
Auch Hochzeiten verliefen nach ganz festen Regeln. Standesgemäß musste geheiratet werden und so ging es bei Hochzeiten beziehungsweise bei der Auswahl der Auserwählten in erster Linie um wirtschaftliche Fragen. Tat sich ein junger Bauer bei der Brautsuche schwer, schalteten sich die Eltern als Vermittler ein. Wurde ein Mädchen vor der Ehe schwanger, galt dies als "große Schande" und es wurde versucht, die Angelegenheit so gut wie möglich zu kaschieren. Wurde aber gar ein Taglöhnermaidli von einem Bauern schwanger, dann kam keine Hochzeit zu- stande. Vom Bauern gab es eine Abfindung, vom Mädchen ein Versprechen, nicht zu verraten, wer der Vater sei. So gab es im Tal viele Kinder, die nie erfuhren, wer ihr Vater ist.
Auf 152 Seiten haben die zwei Pädagogen und Heimatforscher viel Interessantes zusammen getragen. Spannend und interessant, aber auf keinen Fall verklärend ist das Büchlein. Es dokumentiere Wesentliches der Dorfgeschichte und gebe den heutigen Glottertälern auch die Möglichkeit zur Erklärung, wieso sie so sind, wie sie sind, meinte Bernhard Hoch.
Autor: Christian Ringwald
