Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

20. Mai 2011 22:06 Uhr

Güterzugunfall

Glück im Unglück für Müllheim – Aufräumarbeiten laufen

Müllheim hat Glück gehabt. Das Entgleisen eines Güterzugs, der giftige Chemikalien geladen hatte, hätte gravierende Folgen haben können. So aber blieb es bei einem spektakulären Unfall, der die Hilfskräfte aber weiter fordert.



Acht Waggons eines Güterzugs mit giftigen, teils leicht entzündlichen Chemikalien waren am Bahnhof aus den Gleisen gesprungen. Drei stürzten nach Polizeiangaben um. Dabei traten nach Angaben der Feuerwehr Talkum und Monoethylenglykol aus. Diese Flüssigkeit ist entzündlich und beim Verschlucken gesundheitsgefährdend. Der dritte Waggon enthielt eine Epoxitharzlösung, die sehr feuergefährlich ist, schlug aber nicht leck.

Feuerwehr und Polizei hatten einen Großalarm ausgerufen. Erst nach Stunden verkündete Feuerwehr-Einsatzleiter Michael Stöcklin: "Wir können von einem großen Glück sprechen." Die Einsatzkräfte hatten zunächst befürchtet, dass die entgleisten Waggons leicht entzündliche andere Giftstoffe transportierten. Diese gefährlichen Chemikalien waren aber in anderen Waggons des Zuges geladen. Das ausgetretene Monoethylenglykol entzündet sich zwar erst bei hohen Temperaturen, die heruntergerissene Oberleitung der Bahnstrecke barg zunächst aber akute Gefahr.

Werbung


Waggons werden leer gepumpt

Bis zum Samstagmorgen sind die Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle vorangekommen. Der Inhalt der acht Waggons sollte in andere Behälter umgepumpt werden. Diese Aufgabe übernehmen Gefahrgutspezialisten, die nach Müllheim abgeordnet wurden. Nach Angaben des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald sind die Abpumparbeiten in der Nacht erfolgreich angelaufen, so dass nach Einschätzung der derzeitigen Lage voraussichtlich gegen Samstagmittag mit der Bergung der umgestürzten Waggons begonnen werden kann. Dazu sollen vor Ort ein oder zwei Spezialkräne zum Einsatz kommen, mit denen die Waggons von der Strecke entfernt werden. Diese Arbeiten werden voraussichtlich den Samstag über andauern.

Das Landeskriminalamt war am Freitag vor Ort, um die Lage zu dokumentieren. LKA, Bundespolizei und Fachleute der Bahn versuchen, der Ursache des Unfalls auf den Grund zu gehen. Zu diesem Zweck wurden die Waggons auch beschlagnahmt.

Waggons kamen nur Meter vor dem Bahnhof zum Stehen

Die Ursache für das Unglück in dem etwas außerhalb gelegenen Bahnhof des Ortes ist bisher noch unklar. Fest steht nur, dass sich die hinteren acht Waggons von dem Rest des Zuges lösten und aus den Gleisen sprangen. Die Waggons kamen nur wenige Meter vor dem Bahnhof von Müllheim zum Stehen und Liegen, sagte ein Polizeisprecher. Die Lok kam 800 Meter hinter der Unglücksstelle zum Stehen. Der aus 25 Waggons bestehende Güterzug war komplett mit Chemie beladen. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand. Der Lokführer erlitt einen Schock.

Mehr zum Thema:

Autor: Jürgen Ruf (dpa), Volker Münch, Peter Disch, Bernd Landwehr, Matthias Konzok (Stand: 09:50 Uhr)