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24. August 2009

Ein Fest für bewährten Winzerfleiß

Gottenheim feierte mit großem Winzerumzug und Festbankett den 50. Geburtstag seiner Winzergenossenschaft

  1. Foto: Mario Schöneberg

  2. Selbst Bacchus gab sich beim großen Winzerumzug zum Gottenheimer WG-Jubiläum die Ehre. Die Trachtengruppe rollte mit einer alten Trotte durch die Tuniberggemeinde. Foto: Mario Schöneberg

  3. Beim Festbankett in der Winzerhalle wurden fünf Jahrzehnte genossenschaftlicher Tradition in Gottenheim gewürdigt. Foto: Mario Schöneberg

  4. Bis in die frühen 70er Jahre noch ein gewohntes Bild: Ein Ochsengespann zieht einen Herbstwagen. Foto: Mario Schöneberg

GOTTENHEIM. Tausende Zuschauer säumten gestern beim historischen Winzerumzug die Gottenheimer Hauptstraße. Angeführt von der Badischen Weinprinzessin Michaela Baldinger zogen rund 40 Fußgruppen und Motivwagen bei schönstem Sommerwetter durch das Tunibergdorf. Bereits am Freitagabend war mit einem Festbankett der 50. Geburtstag der Winzergenossenschaft gefeiert worden.

Viel zu sehen gab es für die Zuschauer entlang der sonnigen Umzugsstrecke, die quer durchs Dorf bis zur Winzerhalle führte. Die meisten Gäste suchten sich daher ein Plätzchen auf der Schattenseite der Hauptstraße, viele hatten sogar eigene Bänke mitgebracht. Erfrischungen gab es an mehreren Ständen, an denen örtliche Vereine bewirteten. Doch auch die Umzugsteilnehmer hielten flüssige Kostproben für die Besucher bereit.

Zu sehen gab es reichlich, angefangen von historischen Schleppern und Zugmaschinen über Vorführungen der Arbeiten im Rebberg, Trachtengruppen und alten Gerätschaften bis hin zu einem hochmodernen Vollernter heutiger Tage. Für musikalische Untermalung sorgten zwei Musikkapellen. Vorneweg fuhr Gottenheims badische Weinprinzessin Michaela Baldinger in einer Kutsche, es folgten Bürgermeister und Verwaltung beim Rebenschneiden. Auch andere Arbeiten wie Mulchen, Boden lockern, Düngen, Rätschen, Trotten, Laubarbeiten oder Entblättern wurden auf Umzugswägen nachgestellt. Ein Bammert vertrieb mit lautem Knall unliebsame Vögel und ein Ochsengespann musste hart arbeiten.

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Mehr als 300 geladene Gäste und Mitglieder der Winzergenossenschaft waren am Freitag zum Festbankett in die feierlich geschmückte Winzerhalle gekommen. Der Vorstandsvorsitzende Werner Baldinger freute sich, neben Vertretern aus Politik, Weinwirtschaft und örtlichen Vereinen auch die Ehrenvorstände Richard Hunn und Edwin Schill begrüßen zu können. Für die musikalische Umrahmung sorgten der Männergesangverein und die "Old Stars" des Musikvereins, die jüngeren Musiker bewirteten die Gäste.

"Eine Genossenschaft, das ist Selbsthilfe und Selbstvermarktung für die Winzer", betonte der Geschäftsführer der Gottenheimer WG, Michael Schmidle, während er einen kurzen Rückblick auf die vergangenen 50 Jahre gab. "Unsere WG mit seinen 190 Mitgliedern bildet ein solides Fundament für den Weinbau in Gottenheim". Weine vom Gottenheimer Kirchberg seien zu einer Qualitätsmarke geworden, befand Schmidle. Der Grundsatz der Nachhaltigkeit sei für die Winzer von wesentlicher Bedeutung.

Den Stolz der Gottenheimer auf ihre erste Weinhoheit, die Badische Weinprinzessin Michaela Baldinger, hob Bürgermeister Volker Kieber hervor. Als kleines Präsent der Gemeinde zum Jubiläum überreichte der Bürgermeister dann einen Scheck im Wert von 300 Euro. "Es ist wichtig, die Vergangenheit zu kennen um die Zukunft zu gestalten", betonte Gerhard Hurst, Präsident des Badischen Weinbauverbandes. Er erinnerte an die drei Gründungswellen von Winzergenossenschaften in den zurückliegenden 150 Jahren – immer mit der Idee dahinter, gemeinsam mehr erreichen zu können. Und es sei ganz wichtig, dass die Gemeinde – so wie in Gottenheim – hinter der WG stehe. In Sachen Vermarktung sah Hurst noch Potenzial, schließlich stamme nur die Hälfte der 20 Millionen Hektoliter Wein, die in Deutschland getrunken werden, von heimischen Reben.

Die Glückwünsche des Badischen Winzerkellers, dem die WG Gottenheim neben 67 weiteren Genossenschaften und einem Weingut angehört, überbrachte deren Vorstand Günter Hilmert. Er lobte die Wiederaufbauarbeit der Winzergenossenschaften nach dem Krieg und betonte, dass man nach Fehlern in der Vergangenheit heute sehr stark auf die Qualität der Weine achte. Die Verbraucher verlangten günstige Weine von guter Qualität. Weitere Glückwünsche kamen vom Genossenschaftsverband Baden-Württemberg, vertreten durch Dietrich Herold, vom Vorsitzenden der Vereinsgemeinschaft, Walter Hess, der eine Uhr für die neuen Verkaufsräume in der kürzlich erworbenen Tankstelle überreichte und von Max Dersch, dem Aufsichtsratsvorsitzenden.

"Genossenschaften sind noch immer zeitgemäß und die WG Gottenheim ist gut aufgestellt", war sich Karl-Heinrich Meier, Vorsitzender vom Tuniberg Wein e.V. sicher. Dass die Qualität stimmt, davon überzeugte dann eine von Weinprinzessin Michaela Baldinger geleitete Weinprobe.

Autor: Mario Schöneberg