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19. April 2011
Ein Kanal wird stückweise lebendig
Gottenheim verschafft dem Riedkanal eine naturnähere Gestaltung und stockt damit sein Ökokonto auf.
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Unter und über dem Wasserspiegel des Riedkanals, auch Murre genannt, ist wieder mehr Leben, freuen sich (von links) Gottenheims Bürgermeister Volker Kieber, Planer Fabian Mayer und Jürgen Steiner vom Angelsportverein. Von den Ufern her brechen Baumstämme als Strömungsumlenker das bisher eintönige Abflussverhalten des kanalisierten Grundwasserbaches auf. Foto: Paul Munzinger, Manfred frietsch
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Foto: Manfred Frietsch
GOTTENHEIM/WASENWEILER. Mit Pflegearbeiten zur ökologischen Aufwertung des Riedkanals hat die Gemeinde Gottenheim ihr Ökokonto aufgestockt. Angeleitet von dem Forstingenieur Fabian Mayer und mit tatkräftigem Einsatz des Angelsportvereins wurden auf einer Strecke von gut 200 Metern sowohl der Gewässerrandstreifen als auch das Bachbett so gestaltet, dass sich die Lebensbedingungen für die Tierwelt deutlich verbessern.
Auch für Jürgen Steiner ist es überraschend, wie schnell sich schon Erfolge der Arbeiten zeigen. Der Vorsitzende der Gottenheimer Angler hat im Bachbett bereits junge Forellen, Stichlinge und andere Kleinfische festgestellt. Gezielt suchen die einzelnen Arten diejenigen Stellen im Gewässer auf, die für ihre Bedürfnisse wie Nahrungssuche, Ausruhen und Verstecken vor Feinden die besten Bedingungen bieten. So gibt es etwa kleine Kiesbänke als ideale Laichplätze für Forellen.Im Wechsel wurden von beiden Ufern schräg in die Strömung hinein jeweils bis zur Bachmitte Baumstämme oder längere Äste in den Kanalgrund gelegt und dort und am Ufer verankert. Sie sorgen für eine leicht mäandrierende Strömung und bremsen einerseits den Abfluss an den Ufern, während in der Kanalmitte die Strömung deutlich schneller fließt. Im Querschnitt des Bachbetts wechseln damit Abschnitte mit Kies, Sand und tonig-schlammigem Untergrund. So bilden sich verschiedene Lebensräume nicht nur für die Tierwelt, sondern auch für die Wasserpflanzen. Da an einigen Stellen das Bachbett mit Rinnen und Gruben eingetieft wurde, an anderen Stellen das dabei ausgehobene Material zum Ufer hin aufgeschüttet wurde, verstärkt dies die Vielgestaltigkeit des Gewässers. Die bisher steil abgestochenen Uferränder sind stellenweise mit Wurzelknoten und Anschüttungen umgestaltet worden, um so auch Amphibien bessere Ein- und Ausstiege in den kanalisierten Bach zu bieten.
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Im von Grundwasser und einigen Quellen gespeisten, nur langsam fließenden Riedkanal, gab es vor diesen Pflegearbeiten nur ein gerades, fast ebenes Bett, dessen Grund stark verschlammt war. Ein großes Problem war der starke Eintrag von Laub, vor allem von Hybridpappeln, deren Blätter sich kaum zersetzen. Darum hatte die Gemeinde – ihr gehört der Wald auf der Südseite des Kanals – in einer Breite von gut 15 Metern fast alle Bäume schon im vorletzten Winter 2009/2010 entfernt. "Die Bäume hatten alle schon Kernfäule" erklärt Kieber. Er und Mayer führen dies auch darauf zurück, dass der Grundwasserstand und damit auch das Bodenniveau des Waldes seit Jahrzehnten abgesunken ist. Damit wurden die ursprünglichen Wurzeln der Bäume nach und nach freigelegt.
Die Anlage des Kanals um 1867, der Bau weiterer Kanäle und Gräben in den 20er Jahren und der intensive, mit Entwässerung arbeitende Ackerbau der Nachkriegszeit haben die verbreiteten Moorböden des Wasenweiler Rieds stark entwässert. Der Bürgermeister, selbst Forstingenieur, will die Arbeiten fortsetzen, um hier einen gut gestuften Waldrand auszubilden. Der Randstreifen des Kanals soll weitgehend von größeren Bäumen frei bleiben, um das Gewässer nicht zu beschatten und mit Laubfall zu belasten.
Auf der anderen Seite des Riedkanals stehen die Bäume noch, hier handelt es sich vor allem um Privatbesitz auf Wasenweiler Gemarkung. Da dort ein Weg entlang des Kanals führt, müssten aber einige bruchgefährdete Bäume schon aus Gründen der Verkehrssicherheit entfernt werden, rät Mayer. Die Hoffnung bestehe, mit der Gemeinde Ihringen für die Fortsetzung der Aufwertung des Riedkanals zusammenarbeiten zu können. Schon bei den jetzigen Arbeiten, so betont Jürgen Steiner, beteiligten sich Anglerkollegen aus Wasenweiler, da man sich mit ihnen die Fischereirechte im Riedkanal teilt.
Gottenheim jedenfalls, so erklärt Kieber, wolle die Pflege des Kanals bis zur Grenze nach Bötzingen fortsetzen. Hier wird der Kanal breiter, weshalb Mayer andere Eingriffe wie den Wechsel von kleinen Ausbuchtungen und Uferaufschüttungen als Methode ansieht, um auch dort eine lebendigere Gewässerstruktur zu erzeugen. Der Bötzinger Anglerverein hat auf dem folgenden Abschnitt des Kanals schon vor einigen Jahren Strukturverbesserungen vorgenommen.
Für die jetzigen Arbeiten – am Kanal erfolgten sie im Februar – hat Gottenheim rund 4500 Euro eingesetzt. Da es sich nicht um einen Gewässerausbau handelte, musste dafür keine teure Planung gemacht werden. Es genügte die Absprache mit der Wasserbehörde des Landkreises. Das Ökokonto brauche man, um bei einer Ausweitung des Gewerbegebiets in Richtung B 31 ökologischen Ausgleich nachweisen zu können, erklärte Kieber.
Autor: Manfred Frietsch


