Weniger Ablenkung, mehr Miteinander

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Do, 12. April 2012

Gottenheim

In Gottenheim tagen wieder Wissenschaftler aus aller Welt / Die Gemeinde profitiert von dem internationalen Besuch.

GOTTENHEIM. Dozenten, Doktoranden und Professoren aus über 40 Ländern rund um den Globus tagen bis kommenden Freitag in der Gemeinde. Seit 2008 ist Gottenheim neben Metropolen wie Paris, Wien oder Toronto einer der Tagungsorte einer multidisziplinären Konferenz, die mehrmals im Jahr vom US-amerikanischen Wissenschaftsmagazin "International Journal of Arts an Sciences" (IJAS) ausgerichtet wird. Neben Fachvorträgen stehen Ausflüge in den Schwarzwald und in die Nachbarländer im Vordergrund.

Den Rang als internationaler Kongressort hat Gottenheim einem glücklichen Zufall zu verdanken. Joseph Bonnici, Wirtschaftswissenschaftler an der Central Conneticut State University, USA, hatte schon über viele Jahre mit seinen Studenten Urlaub im beschaulichen Gottenheim gemacht. Zum einen stammen die Vorfahren seiner Frau aus dem benachbarten Breisach und zum anderen ist die Gemeinde mit der zentralen Lage im Dreiländereck und der guten Bahnanbindung nach Freiburg ein idealer Ausgangspunkt, um einen kleinen aber feinen Teil Europas kennenzulernen.

2005 hatte Bürgermeister Volker Kieber die kleine Delegation, die stets im Gasthaus Krone logierte, erstmals offiziell begrüßt, woraus schließlich die Idee eines "ganz anderen Kongresskonzeptes" entstanden ist. Statt in einer großen Metropole wird nun also auch auf dem Dorf vorgetragen, gelauscht und ausgetauscht. Die Vorteile der Provinz liegen für Organisator Joseph Bonnici auf der Hand: Weniger Ablenkung und mehr persönliches Miteinander.

Inzwischen tagt der Kongress der IJAS zweimal jährlich in der Gemeinde. Und die Gottenheimer profitieren in jeder Hinsicht vom internationalen Menschenauflauf. Alle Gasthäuser sind ausgebucht, die einheimische Gastronomie fährt Sonderschichten und die Gottenheimer selbst erklären mehrfach täglich ebenso freundlich wie englisch den Weg zu den Tagungsorten oder dem Bahnhof. "Auf beiden Seiten wurden so in den vergangenen Jahren schon viele Vorurteile und Berührungsängste abgebaut", freut sich Gastgeber und Schirmherr Volker Kieber. Neben der wissenschaftlichen Seite – der Kongress tagt nicht zu einem bestimmten Thema, sondern soll Wissenschaftlern aller Disziplinen Anregungen für ihre Forschungsarbeit geben - kommt auch die wirtschaftliche Seite nicht zu kurz. 120 oder mehr Gäste wollen untergebracht, verpflegt und unterhalten werden. Durchschnittlich 100 Euro bringt so ein Übernachtungsgast pro Tag – je nach Unterkunft und Verzehr. Da der diesjährige "Spring- Kongress" mitten auf die Osterfeiertage gefallen ist, fand die offizielle Eröffnung im Feuerwehrhaus am Ostermontagmorgen statt.

Und während Joseph Bonnici zur Begrüßung alle Kongressteilnehmer vor allem auf die deutsche Pünktlichkeit einschwor, stellte Gastgeber Volker Kieber Gottenheim vor und wünschte allen Teilnehmern einen erfolgreichen Kongress und schöne Eindrücke in seiner Gemeinde und im Dreiländereck. Höhepunkt der Eröffnungsveranstaltung war zweifellos der Besuch von Vater Stefan und Tochter Janina Hess samt Töchterchen, die als Abordnung des Gottenheimer Heimat- und Trachtenvereins in original katholischer Breisgauer Tracht zum Fototermin erschienen waren. Dank der Geduld der drei war auch die gelinde Enttäuschung einiger Wissenschaftler darüber, dass der ältere Herr in Tracht wirklich nicht der Bürgermeister ist, rasch vergessen.