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11. Februar 2011

Alles eine Nummer größer

Sonderausstellung "Entstehung von erzgebirgischen Großfiguren" im Heimatmuseum in Dörnthal.

  1. Hobbykünstler Dietmar Glöckner in Aktion. Foto: Privat

  2. Im Heimatmuseum Dörnthal kann die Sonderausstellung von Gemeinderat Bernd Kind und Dietmar Glöckner unter dem Thema „Entstehung von erzgebirgischen Großfiguren“ betrachten werden. Foto: Privat

  3. Bernd Kind arbeitet in seiner Freizeit gerne an der Drechselbank. Foto: Privat

GRAFENHAUSEN/DÖRNTHAL. Ein museales Kleinod in Grafenhausens Partnergemeinde Dörnthal im Erzgebirge ist das Heimatmuseum an der Ankerkreuzung. Beim Rundgang durch das Haus wird der Besucher zurückversetzt in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Viele Bürgerinnen und Bürger aus Grafenhausen konnten sich von dieser Tatsache bereits überzeugen. Derzeit kann die Sonderausstellung "Entstehung von erzgebirgischen Großfiguren" von Gemeinderat Bernd Kind und Dietmar Glöckner betrachtet werden.

In der Tat: Das Heimatmuseum in Dörnthal kann ohne Wenn und Aber als Kleinod bezeichnet werden. 1831 als Auszugshaus für das naheliegende Bauerngut erbaut, erlebte das Gebäude mehrere Besitzerwechsel. Von 1955 bis 1994 lebte und wirkte hier der Heimatforscher und ehemalige Ortschronist Walter Herrmann. Nach seinem Auszug wurde das Fachwerkhaus originalgetreu restauriert und zu Ostern 2000 feierlich als Heimatmuseum eingeweiht. Engagierte Einwohner und Heimatfreunde haben eine Vielfalt wertvoller Gegenstände aus dem alltäglichen Leben der Dorfbewohner aus Urgroßmutters Zeiten zusammengetragen und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So werden unter anderem Einblicke in die Wohnküche, die "gute" Stube und das Schlafzimmer unserer Vorfahren ermöglicht. Weiterhin werden in regelmäßigen Abständen Sonderausstellungen zu verschiedenen Themen präsentiert.

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Derzeit zeigen Bernd Kind und Dietmar Glöckner im Heimatmuseum erzgebirgische Großfiguren und den Werdegang vom Entwurf auf Papier bis zum verleimten Rohmaterial bis hin zum gedrechselten Korpus auf. Ein pensionierter Kunsterzieher und ein Tischler, beide aus Grafenhausens Partnergemeinde Dörnthal, haben sich dem Herstellen von Großfiguren aus Holz verschrieben. Mit diesen Kunstwerken bestücken sie Pyramiden, Schwibbögen und Engelskapellen. In der mittleren Erzgebirgsregion, von der Gesamtgemeinde Pfaffroda bis hin zu Olbernhau, Seiffen oder Pirna, sind zahlreiche Werke der beiden Hobbyholzkünstler zu betrachten. Insgesamt hat Bernd Kind bereits rund 200 verschiedene Großfiguren entworfen und dann gemeinsam mit Dietmar Glöckner umgesetzt. "Uns bereitet es Freude, in der Freizeit die handwerklichen Fähigkeiten im Sinne der traditionellen erzgebirgischen Volkskunst einzusetzen", so der pensionierte Lehrer und heutige Gemeinderat der Gesamtgemeinde Pfaffroda, Bernd Kind, im Gespräch mit der Badischen Zeitung. Es sind aber nicht die hinreichend bekannten Holzfiguren, die in die heimische Schrankwand oder auf das Regal passen, bei den Beiden muss alles eine oder mehrere Nummern größer sein. So sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten zahlreiche überdimensionale Figuren oder Pyramiden bis zu einer Höhe von 6,5 Meter entstanden. Der größte Nussknacker weist eine Höhe von 1,6 Meter auf. Übrigens hat der Kommunalpolitiker Bernd Kind auch den bei der Verabschiedung von Bürgermeister Erich Kiefer von der Delegation aus Dörnthal überreichten Nussknacker gefertigt.

In den vergangenen 20 Jahren haben die beiden Hobbykünstler bei der Präsentation ihrer Arbeiten immer wieder festgestellt, dass selbst "Urerzgebirgler" falsche oder unklare Vorstellungen von den "Manneln" haben: "Es mussten immer wieder viele Fragen zum Herstellungsprozess, zur Farbe oder dem verwendeten Leim beantwortet werden", so Bernd Kind und Dietmar Glöckner unisono. Dies war schlussendlich auch der Anstoß zur Ausstellung im Heimatmuseum. "Wir wollten keine Gesamtschau der Werke präsentieren, sondern den Betrachtern die Arbeitsschritte näher bringen", betonte Kind. So werden für einen Weihnachtsmann etwa 100 Kanthölzer zu einem Block verleimt und auf der Drechselmaschine in Form gebracht. Verwendet wird übrigens nur Fichte, die Einzelteile der Figuren sind bis zu 50 Kilogramm schwer. Die Ausstellung zeigt auch Entwurfszeichnungen sowie die weiteren Verarbeitungsschritte bis hin zum farbigen Gestalten der Holzkunstprodukte. "Unsere Holzkunst ist im Regelfall nur eine Nummer größer", so die beiden Hobbykünstler.

Heimatmuseum Dörnthal, Freiberger Straße 16 in 09526 Pfaffroda-Dörnthal 037360/60239

Öffnungszeiten: Donnerstag, Sonnabend, Sonntag und Feiertage jeweils 14 bis 17 Uhr sowie nach vorheriger Vereinbarung.

Autor: Wilfried Dieckmann