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27. Oktober 2009 15:08 Uhr

Kirchenkonzert

"Mit den Ohren Martin Luthers"

Als Geburtsstunde der Reformation gelten die 95 Thesen - daran erinnert der Reformationstag, den die evangelische Kirche jährlich am 31. Oktober feiert. Unter dem Titel "Mit den Ohren Martin Luthers" soll in der Auferstehungskirche mit Melodien und Texte an den Reformator erinnert werden.

  1. Martin Luther Foto: museum

GRAFENHAUSEN. Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther gemäß der Überlieferung 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg an. Diese Aktion gilt als die Geburtsstunde der Reformation - daran erinnert der Reformationstag, den die evangelische Kirche jährlich am 31. Oktober feiert. Unter dem Titel "Mit den Ohren Martin Luthers" soll in der Auferstehungskirche mit Melodien und Texte an den Reformator erinnert werden.

Der evangelische Kirchenbezirk Hochrhein präsentiert vom 30. Oktober bis zum 1. November unter dem Titel "Mit den Ohren Martin Luthers" in Grafenhausen, Wutöschingen und Jestetten eine Blockflöten-Konzertreihe mit dem Blockflötenquartett "Metamorphosia" (Susanne Kintzi, Tanja Saedler, Ingeborg Scheiner und Marcell Corell). Auf Gemshörnern, Renaissance Blockflöten und modernen Flöten von Sopran bis Subbass spielt die Gruppe Musik, wie sie schon Martin Luther gehört haben könnte. Außerdem sind Melodien und Texte aus Luthers Feder sowie drei Luther-Lieder von Klaus Miehling zu hören.

Am 31. Oktober wird im Gedenken an die Reformation von evangelischen Christen der Reformationstag gefeiert. In einigen Bundesländern in Deutschland ist der Reformationstag gesetzlicher Feiertag. Der Überlieferung nach soll der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther am Tag vor Allerheiligen 1517 seine 95 Thesen zu Ablass und Buße an die Tür der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen haben. Er lud, wie zu dieser Zeit üblich, zu einer akademischen Disputation. Zudem hatte er seine Thesen an geistliche und weltliche Würdenträger in Briefform geschickt. Diese Einladung zum wissenschaftlichen Streitgespräch war gleichzeitig der Beginn der Reformation. Luther kritisierte die damalige Auffassung, dass der Mensch nur durch gute Werke und die Zahlung von Ablass von der Sünde erlöst werden könne.

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Der Reformator, der die Bibel übersetzte, war ein Freund der klaren Sprache, der nicht Wasser predigte und selbst Wein trank. Die "Luther-Bibel" hat in einer verständlichen Sprache das Deutungsmonopol des Klerus durchbrochen und ermöglichte somit jedem, der lesen konnte, eine eigene Interpretation der Heiligen Schrift. Luthers Übersetzung der Bibel in eine Sprache, die "die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gasse, der gemeine Mann auf dem Markt" verstehen können, kam einer Revolution gleich und hat heute noch Bestand. Im Gegensatz zu Luthers damaligem Wegbegleiter Philipp Melanchthon, dessen Texte heute, wie beispielsweise das "Augsburger Bekenntnis" im evangelischen Gesangbuch der Landeskirche Baden, nur in "geglätteter Form" gedruckt werden, benötigen die Schriften des Reformators keinerlei Korrektur. Es kann beim Betrachten der geschichtlichen Entwicklung heute davon ausgegangen werden, dass der Mönch Luther, geboren am 10. November 1483 in Eisleben, weder eine neue Kirche gründen noch eine Revolution auslösen wollte. Im Gegenteil, er stellte damals im Grunde genommen nur die bescheidene Frage, wie sich die Sündenvergebung gegen Geld mit der Bibel vereinbaren lasse. Es waren vielmehr der "Hochmut der kirchlichen Hirachie und das Ränkespiel der Politik", die aus Luther den großen Kämpfer und Reformator machten.

Im Übrigen war Luther ein Freund der Musik. Dies zeigt insbesondere die Tatsache, dass er zentrale biblische Botschaften, die Psalmen, die zehn Gebote oder das Glaubensbekenntnis in einfache Lieder fasste, die in damaliger Zeit von Bänkelsängern auf der Straße verbreitet wurden. Luther hat 1523 nicht nur dazu aufgerufen, "fromme geistliche Gesänge zu schaffen", als sachverständiger Musiker, Sänger und Lautenspieler schaffte er im evangelischen Kirchenlied nach Auffassung von vielen Musikexperten einen neuen, "prägenden Typus religiöser und zugleich pastoraler Lyrik". Bislang konnte Luther als Verfasser von 31 Choraltexten und Komponist von 17 Melodien sicher nachgewiesen werden. Zum Reformationstag wird beim Konzert "Mit den Ohren Martin Luthers" in der evangelischen Kirche in Grafenhausen am Freitag, 30. Oktober, um 20 Uhr, nicht nur an den Kirchenmusiker, sondern auch an den Lautenspieler Martin Luther erinnert.

Autor: Wilfried Dieckmann