Bei Könsler sehen manche einen Heiligenschein

Sarah Nöltner

Von Sarah Nöltner

Sa, 07. März 2015

Grenzach-Wyhlen

Hört ein Bürgermeister auf, ist es Tradition, dass ein Porträtbild von ihm gemalt wird / Zum Teil hängen die Gemälde namhafter Künstler im Rathaus in Grenzach.

GRENZACH-WYHLEN. Die Bilder fallen auf. Fünf Porträts hängen im Sitzungssaal des Grenzacher Rathauses, die frühere Bürgermeister zeigen. Seit Jörg Lutz gewechselt ist, gibt es einen weiteren Ex-Bürgermeister, aber noch kein Gemälde. Das ist in der Verwaltung ein Thema, wenn auch kein drängendes. Bislang weiß man aber noch nicht, wer das Porträt von Lutz malen soll. Dabei stecken auch in den alten Bildern eine ganze Menge von Geschichte und Geschichten.

Sämtliche Bürgermeister der Gemeinden Grenzach und Wyhlen sowie Grenzach-Wyhlen seit Wilhelm Deschler (Wyhlen, 1898 bis 1908 im Amt) und August Oertlin (Grenzach, 1872 bis 1905) wurden nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt porträtiert. Die Gemälde wurden im Sitzungsraum des Grenzacher Rathauses aufgehängt. Im Zuge der Umgestaltung des Sitzungszimmers vor ein paar Jahren wurde entschieden, die Bilder der Bürgermeister aus der Zeit vor 1945 abzuhängen, da die 18 Bilder doch etwas erdrückend im nicht übermäßig großen Sitzungsraum wirkten. Aktuell zu sehen sind daher nur noch die Portraits der fünf ehrenwerten Herren nach 1945: aus Grenzach Jakob Ewelshäuser und Walter Bertsch, aus Wyhlen Johann Boll und Bernhard Schott sowie der erste gemeinsame Bürgermeister von Grenzach-Wyhlen Hans-Joachim Könsler. Er ist der Erste, der tatsächlich Modell saß, die vorigen Alt-Bürgermeister wurden nach Fotografien gemalt.

Auf der Internetseite von Kurt Paulus, http://www.zeitzeugengw.de sind auch die Bürgermeister zu sehen, deren Gemälde inzwischen im Archiv der Gemeinde liegen. Auffallend ist, dass von den 18 Bürgermeisterporträts seit 1945 neun von Gerhard Bassler und vier von Paul Maier-Pfau gemalt wurden. Ein weiteres Portrait schuf Romano Cosci, eines Adolf Glattacker, in dessen Signatur die Buchstaben "AG" klar zu erkennen sind. Drei weitere Bilder haben eine unleserliche oder gleich gar keine Signatur, darunter das Gemälde von Fridolin Philipp, der von 1938 bis 1945 in Grenzach Bürgermeister war.

Die Bilder von Gerhard Bassler
Der Maler Gerhard Bassler wurde 1917 in Grötzingen geboren, lebte seit Mitte der 1940er Jahre bis 1999 in Schönau und starb 2000 in Karlsruhe. Er malte mindestens neun ehemalige Bürgermeister, von den drei Bildern mit unleserlicher Signatur könnte er auch der Urheber sein. Bei der Betrachtung der Bilder fällt ihre Ähnlichkeit hinsichtlich Stil und Technik auf. Im Sitzungssaal hängen von ihm zwei Gemälde. Er porträtierte den Bürgermeister von Wyhlen, Johann Boll (1946 bis 1968 im Amt), und den Amtsverweser von Wyhlen, Bernhard Schott (1968 bis 1971).

Das Gemälde von Romano Cosci
Hans-Joachim Könsler war von 1971 bis 1975 Bürgermeister von Wyhlen und von 1975 an erster Bürgermeister der im Rahmen der Verwaltungsreform zusammengelegten Gemeinde Grenzach-Wyhlen. Bis im Jahr 1999 war er im Amt. Er wurde 2003 in Italien von Romano Cosci, einem Maler aus der Partnergemeinde Pietrasanta, gemalt. Schmunzelnd verrät Hauptamtsleiter Carsten Edinger beim BZ-Gespräch, dass das Portrait von Könsler gelegentlich Anlass zu Spekulationen gebe. Wenn man genau hinschaut, oder gerade nicht genau, durch halbgeschlossene Augen, sodass die Konturen sich in Unschärfe auflösen und die Farben stärker wirken, fällt auf, dass der Bildhintergrund um Könslers Kopf herum recht hell erscheint. In den äußerst seltenen Momenten, in denen die Besprechungsthemen nicht so ganz spannend gewesen seien, habe wohl so mancher Sitzungsteilnehmer insgeheim darüber spekuliert, ob Cosci Könsler klammheimlich einen Heiligenschein verpasst habe, deutet Edinger an. Der Verdacht liegt nahe, wenn man weiß, dass Cosci ein der Kirche sehr nahestehender Künstler ist. Skulpturen von ihm schmücken unter anderem den Petersdom im Vatikan.

Das Bild von Adolf Glattacker
Jakob Ewelshäuser, Bürgermeister von Grenzach von 1945 bis 1957, wurde 1960 mit 72 Jahren von Adolf Glattacker porträtiert. Glattacker wurde 1878 in Wehr geboren und starb 1971 in Lörrach-Tüllingen. Verglichen mit den anderen Portraits ist von Ewelshäuser am meisten zu sehen: In der linken Hand hält er eine Zigarette, die Rechte ruht auf einer blauen Mappe, im Hintergrund gibt es ein gut gefülltes Bücherregal. Die anderen Porträts transportieren nicht so viele Informationen über die Personen, sie zeigen Gesichter, Schultern, Anzugjacken, Hemd und Krawatte, reduzieren die Bürgermeister quasi auf Gesicht und (Berufs-) Kleidung, ohne Persönliches zu verraten.

Bilder von Paul Maier-Pfau
Maler des Grenzacher Bürgermeisters Walter Bertsch (1957 bis 1974) war Paul Maier-Pfau. Er wurde 1899 in Nollingen geboren und starb 1979 in Grenzach-Wyhlen. Stilistisch hebt sich das Bertsch-Portrait deutlich von den anderen ab, es wirkt flüchtiger und frischer, als das deutlich später gemalte Bild von Könsler. Im Porträt wirkt Bertsch ein klein wenig avantgardistischer als die anderen Herren. Auch die drei weiteren Portraits von Maier-Pfau sind etwas farbenfreudiger als die von Bassler. Maier-Pfau könnte, ebenso wie Bassler, Maler der Bilder ohne klare Signatur sein.

Der noch unbekannte Künstler
Wer den im vergangenen Jahr verabschiedeten ehemaligen Bürgermeister Jörg Lutz (Amtszeit 1999 bis 2014) porträtieren werde, sei noch offen, so Edinger. Grundsätzlich habe sich Jörg Lutz bereit erklärt, Modell zu sitzen und sich zeichnen zu lassen. Wenn es dann einmal so weit sei, werden Künstler aus der Region nach Angeboten gefragt, Überlegungen zum Stil getroffen und schließlich gemeinsam mit Lutz entschieden.

Sollte der zukünftige Maler des Lutz-Porträts Wert darauf legen, auch später noch identifiziert werden zu können, so kann ihm geraten werden, kein Kürzel, sondern einen klar lesbaren Namensschriftzug als Signatur zu verwenden. Die Recherche zur Rückübersetzung der Initialen in ganze Namen war schwierig.