Bürger kommen ins Zukunftslabor

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Mi, 17. Oktober 2012

Grenzach-Wyhlen

Am 26. Oktober will die Verwaltung mit der Öffentlichkeit besprechen, ob Grenzach-Wyhlen Industriestandort bleiben soll.

GRENZACH-WYHLEN. Selten passt der Ausspruch "Quo vadis?" so gut zu einer Veranstaltung. Übersetzt heißt die lateinische Frage "Wohin gehst Du?" Etwas anders formuliert könnte man fragen: "Wo wirst Du in Zukunft sein?" Exakt diese Frage beschäftigt derzeit die Verwaltung und viele Bürger Grenzach-Wyhlens. Ansätze zu einer Antwort soll das Zukunftslabor geben, das am Freitag, 26. Oktober, von 17.30 bis 21.30 Uhr, im Haus der Begegnung stattfinden und vornehmlich zwei Fragen behandeln wird.

DER ABLAUF
Die Zukunft der Industrie und die der Wohnbebauung in Grenzach Wyhlen stehen auf dem Plan. Zwei zunächst für sich stehende Themen, die aber auch Verbindungen zueinander aufweisen, etwa aktuell durch die schärfere Beachtung des Störfallradius um Industriegebiete, die auch die Änderung von Bebauungsplänen beeinflussen könnten. Zunächst sollen aber beide Themen einzeln betrachtet werden. In einem ersten Impulsreferat wird der von Verwaltung und Stadtplanern erstellte Rahmenplan für die Industriebereiche in Grenzach vorgestellt.

Laut Bürgermeister Jörg Lutz ist dieser erst angedacht und soll auch mit Anregungen aus der Bürgerschaft weiterentwickelt werden. Ob Industrie in der Region noch eine Zukunft hat, wird eine Referentin der Wirtschaftsregion Südwest in einem Referat kurz beleuchten. Anschließend ist Zeit für Diskussion, die unter der Moderation von Christine Grüger vom Freiburger Moderationsbüro Südlicht und Joachim Fahrwald von Memo Consulting (Frankfurt) steht.

Im zweiten Teil wird Manuel Herz vom ETH-Studio Zürich die laut Lutz "nagelneu eingetroffene ETH-Studie" zum Wohnen am Rhein in ihren zentralen Aussagen kurz vorstellen. Auch hierzu ist Diskussion erwünscht. Bürgermeister Jörg Lutz hofft dabei auf rege Beteiligung der Bürger.

QUO VADIS, INDUSTRIE?
Unbestreitbar ist Grenzach-Wyhlen ein Industriestandort. Allerdings gibt es Veränderungen: Die BASF etwa hat den Betrieb des ehemaligen Ciba-Werks deutlich verkleinert. Bald sollen nur noch knapp 200 BASF-Mitarbeiter in Grenzach produzieren – auf einem Gelände direkt am Rhein, das dem Unternehmen längst viel zu groß geworden ist. Mit der geplanten Ansiedlung der Firma Zimmermann aus Gütersloh, einem Chemie-Recycler, hat sich im Gemeinderat die Frage ergeben, ob man sich auf lange Sicht weiter als Industriestandort definieren möchte. Die zweite Frage ging in die Richtung, ob man es kann. Die Zimmermann-Gruppe hat das Gelände, auf dem sie ihr Recyclingwerk errichten möchte, für 35 Jahre gepachtet. 35 Jahre sind im kommunalen Kontext nicht allzu viel. Wird es dann aber noch die Industrie als Großarbeitgeber am Hochrhein geben? Oder wird bis dahin mehr und mehr die Produktion verlagert, was der Gemeinde Industriebrachen zurücklassen könnte?

Eine Rahmenplanung soll erstellt werden und diese steht nun beim Zukunftslabor zur Diskussion. Wichtig ist Bürgermeister Lutz, dass nicht nur Verwaltung und Bürger, sondern auch die Industrie selbst an diesem Prozess teilhaben.

QUO VADIS, BEBAUUNG?
Das Wohnen am Rhein wird zweiter Hauptpunkt des Abends. Grenzach-Wyhlen ist eine direkt am Rhein gelegene Gemeinde, allerdings gibt es nur wenige Zugänge zum Fluss. Angefangen hat die Diskussion mit der geplanten Lagune im Gebiet am Schacht in Wyhlen. Es wurde auch darüber nachgedacht, ob in Grenzach auf dem BASF-Areal vielleicht Wohnungen entstehen könnten. Gemeinsam soll nun erarbeitet werden, wo sonst noch eine Annäherung Grenzach-Wyhlens an den Rhein stattfinden könnte. "Der Drang zu Rhein ist in der ganzen Region spürbar", so Lutz. Bei der Erarbeitung eines kommunalen Leitbildes spielte der Rhein noch keine Rolle. Darum sei nun eine Bestandsaufnahme und Neuorientierung nötig, an der die Bürger teilhaben können.

Das Zukunftslabor findet am Freitag, 26. Oktober, von 17.30 bis 21.30 Uhr im Haus der Begegnung statt. Bürger sind eingeladen, sich daran aktiv zu beteiligen.