Das Wilde der Landschaft bezaubert

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mi, 23. Oktober 2013

Grenzach-Wyhlen

Bilder der aus Grenzach stammenden Malerin Heidi Nübling sind in der Römervilla zu sehen.

GRENZACH-WYHLEN. Sie kam gerade aus ihrem dänischen Sommeratelier, voller frischer Eindrücke der nordischen Landschaft. Als Landschaftsmalerin von ganz eigener, kraftvoll-expressiver Sprache präsentiert sich die aus Grenzach-Wyhlen stammende Malerin Heidi Nübling auch in ihrer Ausstellung "Sommer und Winter" in der Grenzacher Römervilla – ganz nah an ihrem Elternhaus in der Steingasse. Bei der Vernissage des Vereins für Heimatgeschichte freute sich die in Bad Hersfeld lebende Künstlerin über das Wiedersehen mit vielen früheren Bekannten und Freunden.

So übernahm es Heidi Nübling in ihrer charmanten, offen Art selbst, über ihre Bilder zu sprechen und die Vernissagegäste auf die Reise durch Landschaften verschiedener Länder mitzunehmen. Es beginnt mit Schwarzwaldlandschaften. Ein Thema, das, wie Heidi Nübling weiß, mit romantischen Klischees behaftet ist. Davon befreit sie sich in ihren mit vehementem, gestischem Pinselstrich und energischem, expressivem Stil gemalten Bildern. Man sieht in den Schwarzwaldbildern flirrendes Licht, das durch zerzauste Tannen fällt, wilden üppigen Farn, der etwas Urwaldartiges hat, atmosphärisch flimmernde Lichtungen, Lichtstrahlen, die die markanten Konturen der Bäume auflösen.

Etwas Lichtes haben auch die Buchenwälder aus Waldhessen, das man auch "Buchonia" nennt. Die blaugrauen Stämme der Buchen, das satte frühlingsfrische Grün, die Wege, die durch die Buchenwälder führen, hat die Malerin sehr schön eingefangen. Fasziniert ist die leidenschaftliche Landschaftsmalerin auch von den Birken auf der schwedischen Halbinsel Kullen. Die schlanken hellen Stämme der Birken, der sich öffnende Blick auf das Meer, auf Bergkuppen, kommen in Nüblings offener, freier Malweise trefflich zur Geltung. Sie malt ihre Ölgemälde nicht en pleinair, nicht draußen vor Ort, sondern im Atelier, aus dem Kopf, aus der Erinnerung, aus dem gespeicherten Naturerleben heraus.

Ein spezielles Kapitel in ihrer Schau sind die grandiosen Winterbilder, die Schneebilder aus Schweden und dem Schwarzwald. Wie malt man Schnee, was für Farben hat Schnee? Solche Fragen beantwortet die Malerin mit ihren überwältigenden Winterpanoramen. Ihr Schnee hat unendlich viele Schattierungen von Weiß, von Graublau, ja sogar eine leise Spur von Rose und Ocker. Ihre nordischen Winterlandschaften aus Jämtland atmen endlose Weite, Stille und Ruhe, und doch spürt man die gewaltige Natur unter der alles verhüllenden Schneeschicht.

Eine ganz andere, aber nicht minder beeindruckende Winterstimmung ist in den Schwarzwald-Winterbildern spürbar. Mächtige Naturkräfte führt Heidi Nübling in Bildern der Felsenküste auf Kullen vor Augen: wild wogendes Wasser, aufgewühltes Meer, heftige Unterströmungen, herbe, wuchtige Felsen, rosa Granit, gemalt in kraftvoller Expressivität.

Sehenswert sind neben den großartigen Ölgemälden auch die "Life-Pictures" im Miniaturformat, in denen Nübling Polaroids mit spontanen malerischen Momentaufnahmen übermalt. Bei der Vernissage, bei der Helmut Bauckner begrüßte und der Cellist Cyprian Kohut spielte, bekam die Künstlerin viele Komplimente für ihre ausdrucksstarke Malerei. Am letzten Ausstellungswochenende wird Heidi Nübling wieder in Grenzach sein.

Die Ausstellung dauert bis 10. November und öffnet samstags, 16 bis 18 Uhr, und sonntags, 11 bis 12.30 und 15 bis 18 Uhr.