Reportage

Eine Nachtschicht mit der Polizei

Martin Eckert

Von Martin Eckert

Sa, 12. August 2017 um 00:05 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Auf Streife mit der Polizei in Rheinfelden und Grenzach-Wyhlen: BZ-Mitarbeiter Martin Eckert hat zwei Polizisten eine Nacht lang begleitet – und ist auf der Suche nach einem Horrorclown einem Liebespaar begegnet.

Ferienzeit ist Reisezeit. Und trotzdem sind viele Menschen zuhause geblieben und sorgen dafür, dass die Welt sich weiterdreht – und das rund um die Uhr, Tag und Nacht. In einer Sommerserie begleiten wir Menschen, die zu unterschiedlichen Zeiten aktiv sind.

Kommissar Kevin Vogt und Polizeihauptmeister Melanie Witte wissen nicht, was sie heute Nacht erwarten wird, als sie gegen 19.30 Uhr das Polizeirevier in Rheinfelden betreten. Zuerst ist Umziehen angesagt: Uniform anlegen, Dienstwaffe aus dem Tresor holen, und die Schutzweste anlegen. Die Stimmung ist gut.

Zur Schichtübergabe treffen sich alle in der kleinen Einsatzzentrale. Für Melanie Witte ist es nach 20 Jahren ihre letzte Nachtschicht auf dem Revier, bevor sie nach Waldshut wechselt. Der Abschied fällt ihr nach all den Jahren schwer, auch wenn sie sich auf die neuen Aufgaben freut.

Die Dauerbaustelle in Warmbach stellt auch für die Polizei ein Hindernis dar. "Selbst im Einsatzfall müssen wir einen weiten Umweg fahren, der uns mehrere wertvolle Minuten kostet", beklagt sich Vogt. Hin und wieder nutzen sie die Abkürzung über Herten und kontrollieren, ob sich andere Verkehrsteilnehmer an die Sperrung halten.

In Wyhlen angekommen, haben Witte und Vogt permanent ihre Umgebung im Blick. Sie achten auf verdächtige Personen, auch wenn der Ort wie ausgestorben wirkt. Die beiden sind ein eingespieltes Team und fahren schon über ein Jahr gemeinsam Streife. Im Biergarten des Bahnhöfle ist ein Livekonzert mit lauter Musik. "Da wird es heute Nacht sicher noch den einen oder anderen Anruf geben", prophezeit Witte.

In Grenzach sitzen einige Jugendliche hinter dem Haus der Begegnung. Bevor der Streifenwagen um das Gebäude gefahren ist, sind sie schon in der Nacht verschwunden. Weniger Glück hat ein Kneipenbesucher, der kurz darauf ein Lokal verlässt und in sein Auto steigt. Witte und Vogt entscheiden sich zu einer Kontrolle, viele Worte braucht es da nicht. "Wer um die Zeit eine Wirtschaft verlässt, ist für uns natürlich ein typischer Kandidat", erklärt Vogt. Der Fahrer hat aber nur ein Bier getrunken und darf mit 0,2 Promille weiterfahren. Er nimmt es mit Humor: "Ich bin erst vor ein paar Tagen kontrolliert worden." Später im Streifenwagen muss Witte lachen: "Ich glaube, die Kontrolle vor einigen Tagen könnte ich auch schon gemacht haben."

Statt Spaghetti: Ruhestörung beim Salmegg

Für 22.30 Uhr haben die Kollegen das Abendessen auf dem Revier angekündigt. Es soll Spaghetti geben. Also geht es bald wieder zurück nach Rheinfelden. Doch dort schlägt das Gesetz zu, das jede Blaulichtorganisation nur zu gut kennt: Knapp vor dem Revier blinkt der Hörer des Funkgeräts rot auf. Ein Einsatz. "Ruhestörung bei der Tiefgarage beim Haus Salmegg". Immerhin nur eine kleine Fahrt, auf der Vogt und Witte aber auch noch einen Radfahrer ohne Licht ermahnen. Die Jugendlichen am Haus Salmegg sind einsichtig und freundlich. "Leider sind nicht alle so, die Respektlosigkeit und Gewaltbereitschaft hat auch bei uns zugenommen", sagen die beiden Polizisten. Mit knapp 20 Minuten Verspätung gibt es Abendessen.

Gegen 3 Uhr rückt langsam das Schichtende in Sicht

Nach der kurzen Pause geht es gleich weiter. Wie von Witte prophezeit, gab es eine Beschwerde wegen der lauten Musik beim Bahnhöfli. Dort angekommen herrscht aber schon Ruhe. Kurz darauf wird eine Massenschlägerei in Lörrach gemeldet. Mit Blaulicht und Vollgas geht es über den Rührberg, die Stimmung im Wagen ist etwas angespannter. "Je nach Meldung kann es auf der Anfahrt auch mal ein mulmiges Gefühl sein", sagt Vogt, während das Blaulicht durch die Nacht zuckt und Witte die E-Klasse souverän nach Lörrach steuert und dabei mehrere Nachtschwärmer überholt. Der Blitzer in der Wallbrunnstraße interessiert in dem Moment nicht. Am Einsatzort eingetroffen entpuppt sich der Vorfall als kleinere Schlägerei mit zwei Beteiligten.

Auf dem Rückweg folgt in Wyhlen gleich der nächste Einsatz: Zwei Autofahrer haben sich gegenseitig genötigt und ausgebremst. Vogt und Witte nehmen die Personalien und ersten Aussagen auf. In einigen Tagen werden die Beteiligten eine Vorladung für eine Aussage auf dem Revier erhalten. Es folgen mehrere Verkehrskontrollen (niemand hatte zu viel getrunken), zwei herrenlose Fahrräder sowie Kontrollen im Freibad und am Schiffsanleger. Dort wird eine Gruppe Jugendlicher ermahnt, ihren Müll mitzunehmen.

Taxifahrgast zahlt nicht und schläft ein

Viel Geduld erfordert ein Einsatz in Grenzach: Der Fahrgast eines Taxis wollte Geld aus seiner Wohnung holen, kam aber nicht zurück. Die Beamten finden den jungen Mann schlafend auf einer Wiese und wecken ihn. Er murmelt, warum er nicht zahlen kann oder will, was auch an den 2,4 Promille liegen könnte. Vogt handelt geduldig einen Kompromiss aus: Der junge Mann begleicht mit seinem Restgeld einen Teil der Summe, das Taxiunternehmen schickt für den verbliebenen Betrag eine Rechnung und erstattet keine Anzeige. "Manche Leute muss man einfach zu ihrem Glück zwingen", kommentiert Vogt den Einsatz.

Horrorclown und Liebespaar in Rheinfelden

Für die beiden ist es ein langer Tag nachdem sie bereits die Frühschicht von 6 bis 13 Uhr hatten, aber danach gibt es zwei freie Tage – quasi Wochenende. In Rheinfelden sorgt nochmal ein Horrorclown für Ärger. Der hat eine junge Frau erschreckt, kann aber trotz längerer Suche nicht gefunden werden. Dafür wird ein junges Liebespaar in seinem Auto aufgeschreckt. Gegen 3 Uhr rückt langsam das Schichtende in Sicht. Es geht zurück aufs Revier, um den Schreibkram zu erledigen. "Für uns war das eine ruhige Schicht, wenn jetzt nichts mehr kommt", sagt Kevin Vogt.