Es gibt noch viel zu tun

Elena Borchers

Von Elena Borchers

Sa, 23. Juni 2018

Grenzach-Wyhlen

Seniorenbeauftragte sieht vor allem Bedarf bei Pflege und Helfern / Seniorenrat in Planung.

GRENZACH-WYHLEN. Seit ziemlich genau einem halben Jahr hat die Gemeinde mit Ilona Fritz-Schild eine hauptamtliche Seniorenbeauftragte. Im Hauptausschuss am Donnerstag hat sie ihre bisherige Arbeit vorgestellt und dabei folgendes Fazit gezogen: Zwar könne sie in der Gemeinde auf eine gute Basis bauen, dennoch bestehe in einigen Punkten wie der Pflege, der Alltagsunterstützung und auch dem Nachwuchs großer Handlungsbedarf. Fritz-Schild hat schon Ideen, wie diese Probleme angegangen werden könnten. Dabei könnte auch ein Seniorenrat helfen.

Ersten Schritte
"Ich fühle mich nach rund sechs Monaten angekommen als Seniorenbeauftragte und ich fühle mich auch angenommen von meiner Zielgruppe", sagte Fritz-Schild, die zuvor das Familienzentrum in Rheinfelden geleitet hat. Ihre Hauptaufgabe als Seniorenbeauftragte sieht sie in der Bündelung der Themen für Menschen ab 60. Zwar sei ein "Senior" per Definition ein Mensch im Rentenalter, Fritz-Schild möchte aber auch diejenigen erreichen, die kurz vor der Rente stehen. Dafür hat sie ein Büro in der Sozialabteilung, Rheinfelderstraße 19, eingerichtet, in dem sie zu festen Zeiten anzutreffen und telefonisch zu erreichen ist. Gerne macht sie aber auch Hausbesuche. Auch für Angehörige, Ehrenamtliche, Vereine und die Gemeinde steht sie zur Verfügung. Zudem legt sie Wert auf ein gutes Netzwerk und pflegt Kontakte zu kreisweiten Verbänden und Beauftragten.



Altersstruktur in Grenzach-Wyhlen
Nach Angaben von Fritz-Schild sind etwa 21 Prozent der rund 15 000 Einwohner Grenzach-Wyhlens über 65 Jahre alt. Rund 20 Prozent sind unter 20. Derzeit kommen auf eine Person über 65 Jahre noch 2,8 Personen über 20. Dieses Verhältnis wird sich bis 2030 ändern. Nach einer Prognose des Landkreises kommen dann nur noch 2,1 Personen über 20 Jahre auf eine Person über 65 Jahre. Der Anteil der Bevölkerung im Rentenalter werde von derzeit einem Fünftel auf rund ein Viertel steigen, so Fritz-Schild. Um diesem demografischen Wandel zu begegnen, müsse in der Gemeinde noch einiges getan werden.

Gute Basis mit Mängeln
Zwar stehe diese mit zwei Seniorennachmittagen im Monat, Angeboten etwa von VHS, DRK, Vereinen und Ehrenamtlichen bereits gut da; dennoch gebe es auch Mängel. Wie überall sei die Situation in der Pflege schwierig, ebenso die auf dem Wohnungsmarkt. "Ich bin daher bei den Planungen zu den Baugebieten Neue Mitte und Kapellenbach-Ost eingebunden, um die Bedürfnisse von Senioren zu vertreten", so Fritz-Schild. Dabei geht es auch um die Barrierefreiheit: "Was nützt ein Warmbadetag im Hallenbad, wenn ich mit meinem Rollator nicht die Treppen runter komme?", nennt die Seniorenbeauftragte ein Beispiel. Auch im Bereich der Alltagsunterstützung sei noch Luft nach oben. Zudem müsste dringen Nachwuchs in der Arbeit mit Senioren gefunden werden. "Die Helfer bei den Altennachmittagen sind teilweise fast so alt wie ihre Gäste." Ein weiteres Problem seien fehlende Räume für entsprechende Angebote.

Pläne und Ideen
Mit dem Einkaufsmobil in Kooperation mit der AWO sei schon ein tolles Angebot entstanden, das "einfach nur Spaß" mache, so Fritz-Schild. Zudem plant sie eine Art Selbstbehauptungskurs, in dem Senioren lernen, wie sie sich etwa gegen Trickbetrüger und Türgeschäfte wehren und auch mit dem Rollator selbstbewusst auftreten können. Auch ein Rollator-Training könnte sich Fritz-Schild vorstellen. In Bezug auf die Räume wünscht sie sich ein Angebot, bei dem junge und alte Menschen aufeinandertreffen, um so Begegnungen zu schaffen und Nachwuchs für die Arbeit mit alten Menschen zu finden. Zudem hätten viele Senioren in der Gemeinde den Wunsch nach einem Mittagstisch geäußert, bei dem gerade Alleinstehende nicht nur etwas zu Essen bekommen, sondern auch Gesellschaft. Um all die Angebote in gebündelter und übersichtlicher Form anbieten zu können, plant Fritz-Schild eine Art "Seniorenwegweiser" in Heftform.

Seniorenrat
Als weiteren nächsten Schritt möchte Fritz-Schild einen Seniorenrat initiieren. Dieser soll aus Menschen unterschiedlichen Alters, verschiedener Herkunft und sozialem Hintergrund zusammengesetzt sein, "ein großes Sammelsurium von Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Anliegen". Im Gegensatz zu einem Seniorenbeirat, der mit Mitgliedern aller Fraktionen besetzt wäre und als Gremium mit beratener Funktion politisch mitwirken könne, solle der Seniorenrat ein parteipolitischer neutraler, aktiver Verein sein, der selbst Angebote auf die Beine stellt und zu einer attraktiven Gemeinde beiträgt. Da Fritz-Schild mit diesen Plänen im Hauptausschuss auf offene Ohren stieß, kündigte sie an, ein entsprechendes Konzept für eine Beschlussvorlage zu erarbeiten, über die der Gemeinderat dann entscheiden muss.

Kontakt: Seniorenbeauftragte Ilona Fritz-Schild, Montag, Mittwoch und Donnerstag, 8 bis 12.30 Uhr, Rheinfelderstraße 19, und nach Absprache, Tel. 07624/32168, fritz-schild@grenzach-wyhlen.de