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17. August 2014 10:46 Uhr

Ärztemangel

Hausarzt findet keinen Nachfolger und schließt Praxis

In Grenzach-Whylen schließt die älteste Arztpraxis der Gemeinde-ersatzlos. Denn es gibt keinen Nachfolger. Die ärztliche im ländlichen Raum ist nicht nur hier problematisch.

  1. Der am längsten in der Gemeinde niedergelassene Allgemeinmediziner Roland Paetz genannt Schieck findet keinen Nachfolger. Foto: Peter Gerigk

Der Letzte macht das Licht aus: Der am längsten in der Gemeinde niedergelassene Hausarzt Roland Paetz genannt Schieck hat am Freitag seinen letzten Patienten in seiner Praxis im Wyhlener Ortszentrum behandelt. Er schließt sie. Danach kamen schon die ersten Möbelpacker. Der Arzt zieht sich aus Altersgründen zurück und mit seiner Frau Mechtild Schieck, die früher bei der Gemeindeverwaltung arbeitete, ins Saarland. Einen Nachfolger gibt es nicht. Deshalb sorgt Roland Paetz genannt Schieck sich um die Ärzteversorgung vor Ort.

Etwa 800 Patienten waren der Praxis verbunden und müssen sich einen neuen Hausarzt suchen. Seiner Frau und der Arzthelferin Angela Hurst verdanke er es, dass alle benachrichtigt und ihnen die Unterlagen ausgehändigt wurden. Roland Paetz genannt Schieck ist zufrieden mit der Abwicklung seiner Praxis, bis eben auf die Tatsache, dass er keinen Nachfolger fand. Doch das nicht ganz einfache Unterfangen, seinen kassenärztlichen Sitz abzugeben, gelingt ihm so, wie er es sich gewünscht hatte: Am 15. August war Schluss, bis zum Quartalsende macht er sozusagen Urlaub. Im April hatte er das bereits bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) beantragt. Er freut sich auch, dass Angela Hurst eine neue Arbeitsstelle als Arzthelferin in Rheinfelden fand.

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Kein Nachbesetzungsverfahren
Paetz gen. Schieck, wie auf dem Praxisschild steht, verzichtete bewusst darauf, von der KV ein Nachbesetzungsverfahren einleiten zu lassen. "Ich wollte zum 30. September zumachen und im November in Rente gehen", sagt er. "Deshalb umging ich dieses Verfahren, sonst zieht und zieht sich das hin und man kann dann nicht planen."

Arzt muss sich keinen Sitz kaufen
Die Entschlossenheit, die Paetz genannt Schieck schon hatte, als er sich am 1. Juli 1983 an der Solvaystraße niederließ, scheint heute vielen seiner jungen Kollegen zu fehlen. Er zahlte seinem Vorgänger eine Ablöse für die Übernahme der Praxis, was seit einigen Jahren nicht mehr notwendig ist. "Jeder Arzt kann sich hier eine Wohnung mieten und Patienten empfangen", sagt Paetz genannt Schieck und zeigt aus dem Fenster des Hauses In den Abtsmatten 10 auf die Wohnhäuser gegenüber. Es sieht jedoch nicht so aus, als habe einer diese Absicht. Das finanzielle Risiko und die viele Arbeit würden sie davon abhalten, sagt er.

Seit fast einem Jahr ist aus gesundheitlichen Gründen auch die Praxis der Allgemeinmedizinerin Bozana Trefonski in Wyhlen geschlossen. Vor ein paar Jahren zog die einzige Orthopädin nach Lörrach.

Die frühere Praxis Dr. med. F. W. Saeger war die Erste und Einzige im Ortsteil. Heute gibt es mehr Hausärzte in der Gemeinde, dennoch würden sich auch seine Kollegen sorgen, wie es weitergehe. "Es ist höchste Eisenbahn, dass was passiert. Aber was?", fragt er. Eine Methode wie in Nordrhein-Westfalen, wo junge Ärzte, die sich niederlassen, eine hohe Geldprämie zum Start bekommen, könne nicht als Vorbild dienen.

Andererseits sei es nicht gut, bis ins hohe Alter zu praktizieren. Wer heute keinen Nachfolger finde, dem würde das wohl auch nächstes Jahr oder in vier Jahren nicht gelingen, vermutet Paetz genannt Schieck. Zwar sei die Situation in manchen Gegenden in Deutschland noch schlimmer, doch das kann sich in den nächsten zwei, drei Jahren ändern: "Alle Kollegen vor Ort kommen ins Alter", gibt er zu bedenken.

Seine Patienten werden den klassischen Hausarzt vermissen, sagten sie ihm, und wären traurig, wenn stattdessen ein medizinisches Versorgungszentrum entstehen würde. Dies sei eine Überlegung der Kollegen, um der Entwicklung entgegenzusteuern.

So sieht’s die KV
Bei der KV schrillen keine Alarmglocken. Sie betrachtet die Gemeinde hinsichtlich ihrer formellen Kriterien als mit Hausärzten gut versorgt. 106 Prozent beträgt der Versorgungsgrad. Damit könnten sich noch ein oder zwei Hausärzte mehr niederlassen, aber "da bricht nicht die Krise aus", sagt Pressesprecher Kai Sonntag. Allerdings kenne er die Zahl der Patienten vor Ort nicht. Er betont, es sei immer bedauerlich, wenn eine Praxis schließt und Patienten sich einen neuen Hausarzt suchen müssen. Trotzdem gebe es genug Hausärzte im Mittelbereich, in dem Grenzach-Wyhlen Rheinfelden zugeordnet ist.

Autor: Peter Gerik