Kabarett ohne Kinderkrankheiten

Horatio Gollin

Von Horatio Gollin

Mi, 16. November 2016

Grenzach-Wyhlen

Ingo Börchers trat im Tiz auf / Veranstalter und Künstler zufrieden mit der Bühne.

GRENZACH-WYHLEN. Die meisten Leute lesen beim Warten auf den Zug Zeitung. Ingo Börchers aber tastet seine Lymphknoten ab. "So bekommt der Tag auch Struktur", weiß der Kabarettist, der im ausverkauften Zehnthaus mit seinem gelungenen Programm das Publikum zum Lachen brachte.

"Die meisten Künstler, die zu uns kommen, treten in ganz Deutschland auf. Das sind keine lokalen Helden, sondern Leute, die durchaus auch im Fernsehen zu sehen sind", erklärte Henning Kurz, der zweite Vorsitzende der Freunde des TiZ und Leiter der Volkshochschule Grenzach-Wyhlen. Diese Doppelfunktion ist auch beim Buchen der Kabarettisten wichtig, denn das Vertragliche erfolgt über die VHS, während die Freunde des TiZ die Infrastruktur stellen. Den Besuchern soll keine Comedy, sondern Kabarett mit politischem Anspruch geboten werden.

Dass Gesellschaftskritik auch witzig sein kann, zeigte Kabarettist Börchers mit seinem Programm Ferien auf Sagrotan. "Die Hölle für mich, das ist das WC im ICE, die Tastatur im Internetcafé, Händeschütteln bei einem Empfang mit Finger-Food", schilderte Börchers, der erstmalig auf der winzigen Bühne des Zehnthauses statnd. "Das ist als ob mich jemand ungeschützt ins Bällebad bei Ikea wirft. Ingo will nicht aus dem Småland abgeholt werden. Ingo will da gar nicht hin." Im hypochondrischem Wahn sah der Kabarettistin Viren, Pilze und Sporen überall und landete beim Publikum einen Lacher nach dem anderen.

"Ärzte geben Medikamente, von denen sie kaum etwas wissen, in Patientenkörper, über die sie noch weniger wissen, gegen Krankheiten, von denen sie gar nichts wissen. Das war von Voltaire. Der ist der Erfinder von Voltaren," witzelte der aus Niedersachsen stammende Börchers, der seit 1997 auf Bühnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz steht und auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Hörfunk auftritt. Börchers lebt in Bielefeld mit Frau und Kindern, die er aus seinem Programm nicht aussparte: Er klagte ausführlich sein Leid über von ihm gefürchtete Campingausflüge.

Henning Kurz berichtete am Rande der Veranstaltung, dass der Verein von den Künstlern immer ein positives Feedback über die kleine Bühne im Zehnthaus bekäme. "Wegen der geringen Distanz zum Publikum sagen wir auch: Theater im Wohnzimmer." Und dass das Format am Sonntag um 17 Uhr auch beim Publikum gut ankommt, zeigt sich daran, dass alle Veranstaltungen dieses Jahr ausverkauft waren, teilweise schon im Vorverkauf. Für den nächsten Event mit Thomas C. Breuer sind aber noch Karten verfügbar.

Kabarett im Zehnthaus: Thomas C. Breuer tritt am 22. Januar mit seinem Programm "Letzter Aufruf – Abschiedtour Vol. 1" um 17 Uhr auf. Eintritt 15 Euro, für Vereinsmitglieder 13 Euro. Kartenvorverkauf in der VHS und im Spielzüglädeli.