Schüler sorgen für ein florierendes Stuttingen

Horatio Gollin

Von Horatio Gollin

Do, 12. Oktober 2017

Grenzach-Wyhlen

In einem Planspiel im Schulzentrum geht es um Lokalpolitik.

GRENZACH-WYHLEN. Beim kommunalpolitischen Planspiel Stuttingen schlüpfen Schüler in dieser Woche in die Rollen von Bürgermeister, Kämmerer oder Gemeinderäten der fiktiven Stadt. Dabei erfahren sie, wie Kommunalpolitik funktioniert. Bei einem Planspiel soll es aber nicht bleiben, sondern langfristig ein Achterrat als Jugendvertretung eingerichtet werden.

Bürgermeisterin Fatme von der christlich-konservativen Volkspartei wirbt in der konstituierenden Sitzung für ein weltoffenes und tolerantes Stuttingen. Die CKV stellt zwar die größte Fraktion, aber ohne wenigstens eine der drei anderen Fraktionen kann kein Beschluss gefasst werden. Fatme ist Schülerin der Klasse 8b am Lise-Meitner-Gymnasium und in die fiktive Rolle der Bürgermeisterin geschlüpft. Zusammen mit ihrer Kämmerin Clara, der Kultur- und Sportamtsleiterin Christine und Jugendamtsleiter Alexander haben sie ein Konzept mit den wichtigsten Aufgabenfeldern erarbeitet. In Stuttingen sind das Infrastruktur, demographischer Wandel und die Integration von Migranten.

Beim Planspiel Stuttingen setzen sich die Schüler mit kommunalpolitischen Themen auseinander und zwar aus der Rolle von Akteuren in der Gemeinde wie Bürgermeister, Gemeinderat oder Journalist. Dabei müssen sie Anträge ausarbeiten und einbringen, Lösungen erarbeiten und darüber abstimmen. Fraktions-, Gemeinderatssitzungen und Pressekonferenzen werden vorbereitet und durchgespielt. Die Schüler müssen in ihren Rollen für ihre Anliegen werben und für Mehrheiten die nötigen Koalitionen bilden.

"Ziel ist es, die Jugendbeteiligung zu fördern", erklärt Deutschlehrer Michael Nopper. Mit dem Planspiel sollen in einem ersten Schritt die Jugendlichen der fünf 8. Klassen von Lise-Meitner-Gymnasium (LMG) und Realschule an die politische Praxis herangeführt werden. Als zweiter Schritt soll in der Realität ein Achterrat institutionalisiert werden, der sich konkret zu politischen Themen in Grenzach-Wyhlen äußern kann. "Es gibt einen Beschluss des Gemeinderats, dass ein Achterrat gebildet werden soll", sagt Nopper.

"Das Planspiel stammt von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB). Es ermöglicht den Jugendlichen, einen Einblick in die Kommunalpolitik zu erhalten", erklärt Jugendreferentin Mareike Löwner. Die Vorbereitung des Planspiels lief in Zusammenarbeit des Jugendreferats mit dem Schulzentrum und der LpB, die auch Referenten zur Einführung und Begleitung des Planspiels schickte.

Zum Abschluss kommen echte Gemeinderäte

"Ich finde es gut, dass wir das Planspiel machen, weil man das sonst nicht lernt. Und es ist eine Abwechslung", meint die Schülerin Julia, die dem fiktiven Jugendbeirat in Stuttingen angehört. Fatme erklärt: "Mich hat das Planspiel positiv überrascht. Ich hatte so was Typisches erwartet, mit Sachen, die eh schon klar sind. Ich finde es gut, dass wir in Rollen schlüpfen und Meinungen vertreten müssen, die gar nicht unsere sind." Und auch Kämmerin Christine ist begeistert: "Wir haben erst seit einem Jahr Gemeinschaftskunde und wussten noch gar nicht so viel. Das ist sehr interessant."

Das Planspiel findet parallel auch in der Klasse 8a des LMG statt. Die 8. Klassen der Realschule sind Donnerstag und Freitag dran. "Für uns ist das Planspiel interessant, weil wir so aus dem Unterrichtsalltag rauskommen und realitätsnah solche Themen mit den Schülern erfahren können", sagt LMG-Schulleiter Frank Schührer. Zum Abschluss des zweitägigen Planspiels kommen dann auch echte Gemeinderäte in das Schulzentrum und stellen sich den Fragen der Schüler.