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08. Dezember 2017

Wie steht es um die Grenzacher Nahversorgung?

Mit der Neukauf-Schließung wächst bei Senioren die Sorge, keine Lebensmittel des täglichen Bedarfs mehr zu bekommen / Es gibt einige Alternativen.

  1. Rita Surdmann Foto: Rolf Reißmann

  2. Mit dem Bus kann man zum Einkaufen fahren. Foto: Dorweiler

  3. Auf dem Wochenmarkt gibt es frische Waren. Foto: Weber-Kroker

GRENZACH-WYHLEN. "Senioren aus Grenzach rufen um Hilfe!", sagte Ulrike Ebi-Kuhn in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses. Der Edeka-Neukauf-Markt in Grenzach hat im Juli geschlossen. Ein DM-Drogeriemarkt wird an gleicher Stelle eröffnen. Zwar soll in die neue Mitte ein Lebensmittelladen eingeplant werden, doch das dauert noch. Besonders Senioren vermissen die Möglichkeit, sich unkompliziert mit Einkäufen versorgen zu können. Dabei gibt es einige Möglichkeiten.

Fahrtservice

Die Gemeinde solle nachdenken, ob man nicht eine Art Bürgerbus einrichten könne, der Senioren zum Einkaufen fährt, schlug Ebi-Kuhn (CDU) vor. Es könnten sich ehrenamtliche Fahrer zur Verfügung stellen. Bürgermeister Tobias Benz betonte, dass vor allem seit der Ausweitung des 7311er-Busses ein sehr dichtes öffentliches Nahverkehrsnetz vorhanden ist, das die Senioren zum Einkaufen nutzen könnten. Ein Bürgerbus-Angebot – ob mit Ehrenamtlichen oder Verwaltungsmitarbeitern als Fahrer – würde dem Bus Konkurrenz machen. Ralf Blubacher (FDP) meinte, dass sich nicht jeder Senior die Fahrt mit dem Bus leisten könne. "Das Cityticket ist bereits subventioniert", antwortete Bürgermeister Benz. Den Preis von zwei auf ein Euro zu reduzieren, würde aber auch Leuten nutzen, die es nicht nötig haben. Letztlich kämen größere Zuzahlungssummen für die Gemeinde und damit die Allgemeinheit zusammen. Ingrid Fränkle (Grüne) sah für Grenzach gar eine Luxussituation im öffentlichen Nahverkehr. Sie war überzeugt, dass vielen Senioren vielleicht gar nicht bewusst ist, dass sie bei der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel auch eine im Vergleich günstigere Monatskarte wählen könnten. Gehbehinderte würden die Busse je nach Grad der Behinderung ohnehin mit Begleitung gratis nutzen können. Auch das sei vielleicht nicht allen bewusst.

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Bestehende Geschäfte

Mit dem Alnatura-Supermarkt befindet sich in Grenzach noch ein Markt, der als Vollsortimenter bezeichnet wird und sich relativ zentral zum Zentrum befindet. Zwar gibt es dort nicht immer die Produkte, die Senioren vielleicht gewohnt sind, oft muss man hier auch für andere Qualitäten tiefer in die Tasche greifen, aber ein fußläufiger Einkauf ist doch möglich, wie in der Sitzung auch Bürgermeister Tobias Benz anmerkte. Jutta van Dick (Freie Wähler) warf ein, dass zu viele Menschen außerhalb des eigenen Ortes einkaufen würden. Dadurch würden die Geschäfte vor Ort kaputt gehen, weil Umsatz fehle. "Wir hatten früher in beiden Ortsteilen Bäcker und Metzger und andere Geschäfte. Jetzt ist nichts mehr da." Tilo Levante (FDP) widersprach dem: "Wir haben Bäcker." Levante regte an, dass die drei Bäckereigeschäfte in der Ortsmitte vielleicht zum Teil die Versorgungslücke schließen könnten, indem sie neben den Backwaren auch ein paar weitere Lebensmittel ins Sortiment aufnehmen würden. Bei der Bäckerei Surdmann gibt es bereits Milch, Nudeln oder Müsli. Milch werde auch stark nachgefragt, so Rita Surdmann, aber für weitere Waren habe man gar nicht den Platz. Ralf Blubacher (FDP) hingegen bietet in seinem Blumenladen neben Obst und Gemüse auch schon weitere Nahrungsmittel an.

Lieferservice

Dass Einkäufe geliefert werden, wäre für Senioren natürlich auch praktisch. Mit diesem Gedanken beschäftigt sich auch Dieter Hieber – aber eher für die weitere Zukunft. "Bisher ist es noch keinem Einzelhändler gelungen, das kostendeckend hinzubekommen", so Hieber auf BZ-Nachfrage. In großen Städten sei das eher denkbar. "Aber wegen eines Einkaufs von 20 oder 30 Euro einen Mitarbeiter losschicken, ist nicht wirtschaftlich." Gleichwohl sei die Nahversorgung ein wichtiges Thema. "Ich würde mir auch wünschen, dass sich die Gemeinden Gedanken machen, etwa über einen Fahrdienst." Einen Schritt in Richtung Onlinehandel geht Hieber in seinem Markt in Bad Krozingen. Dort soll der Kunde im Internet den Einkauf zusammenstellen, bezahlen und beim Markt abholen können. "Gerade arbeiten wir mit Edeka Südwest an der Logistik", so Hieber. Laufe das, könne man sich weiteren Ideen zuwenden, auch für Grenzach-Wyhlen. "Das dauert aber noch zwei oder drei Jahre."

Allerdings sehen die Ausschussmitglieder kritisch, dass gerade die Senioren, um die es geht, oft nicht Internet-affin sind. Und abholen müsste man die Ware auch.

Marktgeschehen

Heinz Intveen (SPD) sprach eine weitere Möglichkeit an, sich im zentralen Gebiet Grenzachs mit Lebensmitteln zu versorgen: den Wochenmarkt, auf dem das ganze Jahr über frische Waren angeboten werden. Zudem sprach er den Verkaufswagen an, der schon ein- bis zweimal pro Woche als fahrbarer Supermarkt beim Seniorenzentrum Emilienpark den Anwohnern der Seniorenwohnungen fast bis vor die Tür gefahren ist. Intveen regte auch an, dass man über eine Form der Nachbarschaftshilfe nachdenken könne. Wer einkaufen fährt oder geht, könne auch Nachbarn eine Kleinigkeit mitbringen.

Die Senioren

Pflegedienstleiterin Tatjana Kahrsch vom Seniorenzentrum Emilienpark weiß, dass viele der Bewohner verzweifelt sind wegen der Einkaufssituation. Der Verkaufswagen komme leider schon länger nicht mehr. Und der Weg zum Einkauf im Hieber sei vielen Bewohnern zu Fuß zu weit. Der Bus bringe auch viele Hürden mit sich. Die von Bürgermeister Benz angedachte Lösung, in der neuen Mitte einen Lebensmittelhändler zu installieren, findet sie gut. "Das wäre ja sogar näher, als der Neukauf war." Aber bis es so weit ist, müsste eine Lösung gefunden werden.

Wie kaufen Sie ein?

Wie sehen Sie die Problematik des Einkaufens in Grenzach? Wir freuen uns über Ihre Reaktionen. Senden Sie gerne einen Leserbrief an: Badische Zeitung, Redaktion Rheinfelden; Karl-Fürstenberg-Straße 17, 79618 Rheinfelden oder per Mail an redaktion.rheinfelden@badische-zeitung.de  

Autor: dor

Autor: Ralf H. Dorweiler und Verena Pichler