Zunächst wird nur gebohrt

Ralf H. Dorweiler

Von Ralf H. Dorweiler

Mi, 10. Oktober 2012

Grenzach-Wyhlen

Altlastenprüfungen in der Kesslergrube laufen noch / Landratsamt überdenkt Sanierungsvarianten.

GRENZACH-WYHLEN. Altlasten gibt es in der Region einige. Einer der Orte, der sowohl zum Deponieren von Hausmüll aber auch Abfällen der chemischen Industrie genutzt wurde, ist die Kesslergrube in Grenzach. Bald schon soll der Startschuss zur Sanierung fallen. Die Gemeinde, das Landratsamt Lörrach, das Regierungspräsidium und die Firmen Roche und BASF spannen zusammen, um mögliche Gefahren in der Zukunft jetzt schon zu bannen.

Der Ursprung
Die auf dem heutigen Werksgelände der BASF liegende Kesslergrube war ursprünglich eine Kiesgrube, die in den 1950er bis Mitte der 1970er Jahre durch die ortsansässige Industrie, Müllfuhrunternehmen und die Gemeinde mit Erdaushub, Bauschutt, Haus- und Gewerbemüll sowie Abfällen aus der chemisch-pharmazeutischen Industrie verfüllt wurde. Der gesamte Deponiebereich ist rund 52 000 Quadratmeter groß. Etwa 75 Prozent der Fläche sind unbebaut, dort fühlen sich Füchse und sogar Biber ziemlich wohl. Auf dem restlichen Viertel finden sich Industriegebäude und die von BASF und Gemeinde genutzte Kläranlage.

Die Belastung
Seit 1991 wird die Grube durch verschiedene Ingenieurbüros detailliert untersucht und erkundet. Ein umfangreiches Expertengutachten ergab, dass das Grundwasser unterhalb der Grube durch Stoffe wie Chlorbenzole, aromatische Amine und Ammonium belastet ist, die aus industriellen Prozessen stammen. Die Zentren der Schadstoffbelastungen, sogenannte Hot-Spots, konzentrieren sich dabei vornehmlich auf zwei ehemalige Ablagerungsbereiche im westlichen und östlichen Teil der Kesslergrube. Durch den Abstrom der Gesamtgrube werden keine Trinkwasserbrunnen beeinflusst. Auch sonst gingen von der Grube keine Gefährdungen aus. "Um zukünftige Umweltgefährdungen nachhaltig auszuschließen, ist eine Sanierung notwendig", sagt das Landratsamt in einer Mitteilung. Die Ergebnisse der aktuellen Probebohrungen liegen dem Landratsamt noch nicht vor. Es werden aktuell flächendeckend Bohrungen vorgenommen und das Material analysiert, um später planen zu können, wohin das belastete Material entsorgt werden kann.

Die Sanierung
Die Firmen Roche und BASF Grenzach haben Ingenieurbüros beauftragt, mögliche Sanierungsvarianten auszuarbeiten. Erste Ergebnisse wurden der Altlastenbewertungskommission des Landes-Baden-Württemberg vorgestellt. Am Tisch saßen dabei Vertreter des Landratsamts, des Regierungspräsidiums und der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW), der betroffenen Firmen, der Gemeinde Grenzach-Wyhlen, sowie der beauftragten Ingenieurbüros. Nach dem derzeitigen Stand könnten in der Kesslergrube parallel zwei verschiedene Sanierungsmethoden zum Zuge kommen. Die Belastungen im Bereich des westlichen Hot-Spots könnten weitgehend ausgehoben und entsorgt werden. Einfach zu graben ist wegen der Bebauung mit Industrieanlagen und einer Kläranlage im Bereich des östlichen Hot-Spots allerdings nicht möglich. Es wird darum geprüft, ob es möglich ist, hier den belasteten Boden mit einer unterirdischen Dichtwand und einer Oberflächenabdeckung vollständig einzukapseln. Dabei würde der belastete Boden zwar an Ort und Stelle belassen, aber so eingeschlossen werden, dass keine Schadstoffe ins Grundwasser gelangen können. Katinka Braun, im Landratsamt zuständig im Bereich Altlasten und Bodenschutz, sagte, dass diese beiden Varianten momentan bevorzugt diskutiert würden. Eine Entscheidung stehe aber noch aus.

Die Zeitplanung
Aktuell werden beide Sanierungsmethoden auf ihre konkrete Eignung vor Ort geprüft. Bohrungen und andere Erkundungsmaßnahmen laufen immer wieder auf dem Gelände. Auch der Rheinuferwanderweg ist darum noch bis November geschlossen. Die Ergebnisse der Bohrungen sollen bis Ende des Jahres in Form eines ausführlichen Berichtes im Landratsamt vorliegen. Im Frühjahr des kommenden Jahres wird dann die Altlastenkommission zu dem Thema erneut zusammenkommen. Katinka Braun geht davon aus, dass die Detailplanung im Anschluss etwa ein Jahr benötigen werde, so dass ab Frühjahr 2014 die Bagger anrollen könnten. Innerhalb dieses Verfahrens wird die Öffentlichkeit im Zuge eines Anhörungsverfahrens beteiligt. Darüber hinaus sind Informationsveranstaltungen in Grenzach-Wyhlen geplant. Einen Termin dafür gibt es noch nicht.

Die Umgehungsstraße
Der nördliche Randbereich der Kesslergrube liegt im Streckenverlauf der geplanten Umgehungsstraße. Die bisherigen Erkundungen haben gezeigt, dass hier vorwiegend Erdaushub, Bauschutt und mineralisierter Hausmüll im Untergrund zu erwarten ist, so dass in diesem Bereich der Altablagerung wohl keine Sanierungsmaßnahmen notwendig sind. Einer Straßenführung in diesem Randbereich stehe somit grundsätzlich nichts entgegen, heißt es aus dem Landratsamt, ohne jedoch eine abschließende Aussage zu treffen.

Die Kosten
"Jeder der Verursacher wird den eigenen Part zu 100 Prozent übernehmen", sagt Georg Lutz, Fachbereichsleiter Umwelt im Landratsamt. Der westliche Teil wird von Roche saniert, der östliche mit der Kläranlage von BASF. Anders als bei der Sanierung der Hirschackergrube bleiben Land und Gemeinde dieses Mal finanziell außen vor. Ebenfalls anders sein wird, dass man sich nicht nur die Hot-Spots, also besonders stark belastete Punkte, vornimmt, sondern beide Bereiche komplett.