"Alte Liebe – einfach und auf Zucker"

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Mi, 16. Februar 2011

Gundelfingen

Lyrisch-theatralische Auseinandersetzung mit der unendlichen Thematik der Liebe im Kultur- und Vereinshaus Gundelfingen.

GUNDELFINGEN. Um die Liebe, dieses unendliche Thema, ging es am Sonntagabend. Mit Romantik, Witz und Geist unterhielt das gut aufeinander einstudierte Duo Lisbeth Felder und ihr Schauspielkollege Karl-Heinz Maurer auf Einladung des Gundelfinger Kunstvereins das Publikum im ausverkauften Saal des Kultur- und Vereinshauses.

Nein, zwar plagten manche Zipperlein die Körper der Schauspieler, doch zuckerkrank sind sie nicht, auch wenn der Titel der lyrisch-theatralischen Auseinandersetzung "Alte Liebe – einfach und auf Zucker" darauf Rückschlüsse zuließe. Es ist die Liebe mit all ihren Facetten, zu dem die Dichter von Goethe bis Grass, von Hesse bis Morgenstern einiges zu sagen haben.

Dabei lief es auf der Bühne wie im wirklichen Leben ab: Man(n) lässt Frau warten. Und so musste Lisbeth Felder alleine die Gäste begrüßen und mit dem Programm beginnen. Schmachtend spielt sie auf ihrem Akkordeon. Dann, endlich, findet sich auch Karl-Heinz Maurer auf der Bühne ein. Gemeinsam präsentierten die Profischauspieler ein amouröses Potpourri über die reife, späte Liebe. Die Interpreten pickten sich dafür aus einem Riesenschatz die schönsten Rosinen an Liebeslyrik heraus.

Die Literaturrezensenten, die auch schon lange privat ein Paar sind und in Gundelfingen leben, verrieten so einiges Privates: ihre Kosename, ihre Gebrechlichkeit und die Seiten ihrer nun gebändigten Liebe: wären da nicht diese Karten fürs Staatsballett / Er hat es eilig, sie lässt sich Zeit / Die Flucht aus dem Alltag beginnt im Streit" (Wolf Wondratschek). War man am Anfang der Liebe nicht total berauscht, so etwa, wie es die Worte von Mascha Kaleko sagen: "Die andern … das ist Wellenspiel / du aber bist der Hafen" Oder wie es Christian Morgenstern ausdrückt: "Du bist mein Land, ich deine Flut, die sehnend dich ummeeret".

Dann beginnt die Zeit der Fragen – sind sie eigentlich glücklich? "Was Männer an Frauen finden – unerfindlich / Warum sich Männer an Frauen binden – unergründlich / Wieso Männer nach Frauen greifen – unbegreiflich." (Robert Gernhardt). Die Zeit der Einsamkeit wurde mit Hermann Hesse erklärt: "Leben ist Einsamsein / Kein Mensch kennt den andern / Jeder ist allein." Entgegengesetzt ging es weiter - und immer, wie ein roter Faden, zieht sich das Thema Liebe mit Rainer Maria Rilke, Joseph von Eichendorff und immer wieder Wolf Wondratschek durch den Abend. Humorvoll und anspielungsreich gelingt es dabei den Künstlern unterhaltsam, die Liebe auch mal von ihrer desillusionierenden Seite zu zeigen: Sie wünscht sich tiefgründige Liebe, er dagegen antwortet bissig: "Willst du, dass die Liebe glückt / dann nimm ein Mädchen, das sich bückt." Am Ende standen dann wieder zärtliche Worte: "Am 5000sten Tag unserer Liebe" (Ivan Goll.)

Lisbeth Felder und Karl-Heinz Maurer haben seit Jahrzehnten an staatlichen Bühnen, im TV und auf Kleinkunstbühnen in Rumänien, Schweiz und Deutschland gespielt. Lisbeth Felder ist auch bekannt als Kräuterhexe Lioba aus der Serie "Die Fallers" und von im Laufe der letzten Jahre entstandenen Soloprogrammen.