Gymnasium

Benjamin Schütze von der Universität Freiburg spricht vor Gundelfinger Schülern über die Politik des Nahen und Mittleren Ostens

Katrin Dorfs

Von Katrin Dorfs

Do, 01. März 2018

Gundelfingen

Benjamin Schütze von der Universität Freiburg spricht vor Gundelfinger Schülern über die Politik des Nahen und Mittleren Ostens.

GUNDELFINGEN. Über die Politik des Nahen und Mittleren Ostens sprach Benjamin Schütze, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Freiburg, vor Oberstufenschülern des Gundelfinger Albert-Schweitzer-Gymnasiums am Dienstag. Dabei ging er vor allem auf den "arabischen Frühling", den Syrienkonflikt und die US-Militärhilfe ein – ganz passend also zu dem Abi-Schwerpunkt in Gemeinschaftskunde "Internationale Politik".

Vorweg wollte Schütze eine Sache klarstellen: Obwohl die erste Assoziation mit der arabischen Welt "Krieg" sei, gebe es auch viele Gemeinsamkeiten zwischen der arabischen und der westlichen Welt. Neben seiner Arbeit an der Freiburger Uni ist Schütze auch am Arnold-Bergstraesser-Institut für kulturwissenschaftliche Forschung beschäftigt.

Benjamin Schütze hat sich auf den arabischen Raum spezialisiert. Schütze lebte eineinhalb Jahre im Libanon, bereiste Jordanien, Syrien und andere Länder des Nahen und Mittleren Ostens. Seine Doktorarbeit verfasste er zum Thema "Amerikanische und Europäische Demokratieförderung in Jordanien", in der er besonders auf ein Antiterror-Trainingslager in Jordanien eingeht. Das sei ein Trainingslager einer privaten US-Firma. Dort trainierten zum einen internationale Sonderkräfte und jordanische Grenzbewacher. Zum anderen würden aber auch militärische Abenteuerurlaube angeboten: Menschen kommen also, um Krieg zu spielen. Schütze sieht das kritisch. Die Privatisierung solcher Lager schaffe eher Probleme, als dass sie welche löse.

Um sich ein Bild von dem Lager zu verschaffen, hat Schütze selbst einige Zeit dort verbracht. "Meine Kamera hatte ich erst gar nicht dabei, ich bin natürlich davon ausgegangen, dass die mich vor dem Einlass durchsuchen." Nichts dergleichen sei passiert, die Leute wollten sogar, dass er Fotos mache. "Es geht da auch viel um Publicity."

Gut vorbereitet und interessiert traten die Gundelfinger Schüler des Gemeinschaftskundekurses im Anschluss an den Vortrag bei der Fragerunde auf und reagierten prompt auf die Antworten des Referenten. Wie man mit einer Gruppe wie dem Islamischen Staat umgehen solle, wollte eine Schülerin wissen. Ohne militärische Mittel könne man nicht gegen eine solche Terrororganisation agieren, so Schütze. Das sei jedoch keinesfalls die einzige Lösung. Die scheinbare Legitimität des IS müsse hinterfragt und der Radikalisierung im Westen müsse vorgebeugt werden.

Auch von den anderen Schülern im Publikum kamen Fragen. Was denke der Referent, wie die nächsten zehn Jahre in Syrien aussehen werden? "Natürlich ist eine Vorhersage nicht wissenschaftlich. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass der Höhepunkt des Konflikts noch nicht stattgefunden hat", erklärte Schütze.

Solch ein Expertengespräch bringe neue Ideen in den Unterricht, erklärte Lehrer Benjamin Tritschler. Und auch die Schüler des Gemeinschaftskundekurses fanden den Vortrag spannend, denn er habe thematisch super zu ihrem Abi-Thema gepasst. Im Unterricht gehe der Kurs auf viele Konflikte, zum Beispiel den Ukraine- oder eben den Syrienkonflikt ein. Und die Schüler sind mit viel Interesse dabei. Denn: "Die Dinge, die man im Gemeinschaftskundeunterricht lernt, kann man auch in vielen anderen Fächern gebrauchen", erklärte eine Schülerin.