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18. Januar 2012
Das Rätsel um die legendäre "Futura"
In Hamburg wurde einzigartige Fotosammlung gefunden und nach Gundelfingen übergeben.
GUNDELFINGEN. Ein unbekannter Fotograf dokumentierte 1951 einzelne Arbeiten und Tätigkeiten in der Gundelfinger Produktionswerkstätte "Futura-Optik". Hobby-Historiker Werner Klipfel will nun heute, Mittwoch, mit Hilfe Gundelfinger Bürger Licht in Geschichte der einst weltberühmten Firma bringen.
Immer wieder schaut Werner Klipfel freudig auf die Fotografien, die vor ihm liegen. "Es ist wie ein kleines Wunder, dass dieses Album nun in meinen Händen ist." Seit vielen Jahren sammelt der pensionierte Lehrer historische Fotoapparate und seit über 20 Jahren beschäftigt er sich mit der Firma Futura-Optik. "Über viele, viele Ecken hörte der Enkel des Hamburger Reeders Komrowski von meiner Leidenschaft." In einem Landhaus der Familie wusste er noch einige Bilder und entdeckte gut verpackt auf dem Speicher ein ganzes Album. "Diese 101 Fotos sind ein kleiner Schatz", freut sich Klipfel. Die Schwarzweiß-Bilder haben bis zu 50 Jahre und mehr auf dem Buckel und dokumentieren das Zusammensetzen der damaligen Spitzenkameras und das eifrige Arbeiten in der Gundelfinger Firma.
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Man schrieb das Jahr 1951, als in Gundelfingen die Firma "Fritz Kuhnert Optik" in die Hände der Hamburger Reeder Ernst und Eduard Komrowski überging. "Warum Fritz Kuhnert sein Unternehmen damals verkaufte, ist nicht bekannt. Eigentlich weiß man heute sehr wenig über die damals doch sehr bekannte Firma." Der 35-jährige Optik-Ingenieur Fritz Kuhnert machte sich 1930 selbstständig. Lange Jahre stellte die Firma in ihrer Produktionswerkstatt in Gundelfingen optisch-feinmechanische Präzisionserzeugnisse her.
Während des Kriegs arbeitete die Firma an Rüstungsaufträgen. Schon damals träumte Kuhnert vom Bau einer Kamera. 1947 war es so weit: Ein kleiner Apparat für das Negativformat 24 x 24 ging in Produktion. "Alle Teile wurden selbst gefertigt." Sogar den Zentralverschluss und die Objektive. Die Standardobjektive, für die damalige Zeit mit einer hohen Lichtstärke, benannte Kuhnert nach seiner Ehefrau Eleonore, nach seiner Tochter Eva und nach seinem Sohn Peter. Weltweit wurden die Objektive berühmt unter den Namen "Elor", "Evar" und "Petar". "Es waren teure Spitzenkameras, die hier in Gundelfingen in reiner Handarbeit produziert wurden", so Klipfel
Auf den Bildern sind die Werkräume, Werkbänke und die Mitarbeiter zu sehen, zum Beispiel an den Fräsmaschinen, an der Revolverdrehbank, im Konstruktions- und Rechenbüro, in der Eloxiererei, beim Linsen schleifen oder in der Fertigmontage. In den besten Zeiten arbeiteten 80 bis 120 Mitarbeiter in der Firma. "Auf dem letzten Bild, das die Weihnachtsfeier 1951 zeigt, konnte ich 90 Leute zählen", erklärt Klipfel. Zeitweilig gingen 50 bis 75 Prozent der Produktion in die USA. Die "Futura" entwickelte sich durch ihr reichhaltiges Zubehör schnell zu einer Universalkamera. 1954/55 wurde noch an neuen Modellen für den amerikanischen Markt gearbeitet. Doch schon zum Jahresende 1956 musste die Belegschaft wegen Absatzmangels und schweren Managementfehlern halbiert werden. 1957 wurde der Betrieb stillgelegt; 1958 aufgelöst.
Die Mitarbeiter und viele Maschinen wurden damals von der Firma Sick, Waldkirch, aufgenommen. Die wenigen noch auf dem Sammlermarkt angebotenen Futura kosten heute ein kleines Vermögen.
Nun will Werner Klipfel mit Hilfe Gundelfinger Bürger die Namen der Mitarbeiter auf den Bildern herausfinden. "Einige ehemalige Angestellte konnte ich ausfindig machen und schon einladen. Doch es gibt sicherlich noch mehr Gundelfinger Bürger und Bürgerinnen, die Unterlagen über die Firma Futura besitzen oder jemand kennen, der dort gearbeitet hat. Es wäre schön, wenn die sich melden würden."
Autor: Andrea Steinhart





