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08. Oktober 2010

Die Digitalkamera ersetzt den Pinsel

Furiose Farbwelten der Fotografin Margit Emmrich sind derzeit im Gundelfinger Rathaus auf Einladung des Kunstvereins zu sehen.

  1. Margit Emmrich Foto: Andrea Steinhart

GUNDELFINGEN. Margit Emmrich "malt" Bilder, die sich einprägen, die Gesprächsstoff liefern und zur Auseinandersetzung anregen. Davon können sich Kunstinteressierte selbst bei einem Besuch im Gundelfinger Rathaus-Foyer bis zum 3. November überzeugen. Denn dort ist eine Ausstellung mit 30 Werken der Künstlerin auf Einladung des Gundelfinger Kunstvereins zu sehen.

"Wenn ich durch meinen Garten gehe, ist das für mich wie eine Therapie", erzählt die in Leipzig lebende Fotografin Margit Emmrich." Sie lässt die Pflanzen auf sich wirken – und fotografiert sie. Aber nicht das Abbilden eines Moments, sondern Impressionen kreiert sie dadurch. Es erwarten den Betrachter keine naturgetreuen Abgüsse der Wirklichkeit, sondern leuchtende Blumen, die nur schemenhaft erkennbar sind. "Die Aufnahmen entstehen meist spät abends bei wenig Licht", erzählt Emmrich am Rande der Vernissage. Zum "Malen" verwendet sie lange Belichtungszeiten und bewegt die Kamera – mal ruckartig, mal sanft. "Sie ist wie ein Pinsel in meiner Hand." Für Ulrike Bach, die Vorsitzende des Kunstvereins, muten die Fotografien wie Traumbilder an, die teilweise so abstrahiert sind, dass man nicht einmal mehr die Art der Blume erkennen kann. "Aus den Pflanzen lassen sich federhafte Figuren oder geheimnisvolle märchenhafte Wesen herauslesen", erläutert sie in ihrer Einführung.

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Eine ganz andere Art von Fotografie zeigen weitere Bilder der Künstlerin: Mit der Kamera wandert sie über die Böden von Industriehallen und hält Schutz, Löcher, Formen und Strukturen im Bild fest. Auf Büttenpapier druckt sie Ausschnitte dieser Fotos und ergänzt sie mit Farbe und Pinsel. So entstehen mit viel Fantasie Tiere, Gesichter und andere Geschöpfe. "Ich habe ganz klar eine Eule erkannt", versichert Ulrike Bach. Das Bild trägt jedoch den Titel "Mann". Alle Bilder tragen Namen, so dass die Blumen dennoch erahnbar sind. Bei den anderen Bildern, verrät die Künstlerin, was sie darin sieht.

Margit Emmrich arbeitete zunächst als Fotohilfskraft an der Universität Leipzig. Danach studierte die 1949 in Chemnitz Geborene an der Hochschule das Fach Fotografie. Ab 1974 arbeitet sie als freischaffende Fotografin in Leipzig. 1980 gelingt die Ausreise in die BRD, wo sie von 1981 bis 1987 als Fotografin in Freiburg arbeitete und in Gundelfingen wohnte. Schon in dieser Zeit stellte die Künstlerin im alten Gundelfinger Rathaus ihre Fotografien aus. Einige davon hängen heute in den Fluren des neuen Rathauses, wie Bürgermeister Reinhard Bentler bei der Vernissage bestätigt.

Nach der Wende kehrte Margit Emmrich mit ihrer Familie nach Leipzig zurück. Ihre Bilder wurden in Berlin und Leipzig ausgestellt; ihre Projekte waren Fotografie-Bücher über Kleingärten in Großstädten, Frauen in Festkleidern oder Jugendliche. Nach jahrelanger dokumentarischer Arbeit mit diesen Themen widmet sie sich nun seit nun mehr fünf Jahren dem künstlerischen Fotografieren. – Musikalisch begleitet wurde die Vernissage von Michael Bach (Gitarre).

Hinweis: Die Ausstellung im Rathaus kann von montags bis donnerstags von 8 Uhr bis 12 Uhr, montagmittags von 14 Uhr bis 17 Uhr, mittwochmittags von 14 Uhr bis 18 Uhr und freitags von 8 Uhr bis 12.30 Uhr besichtigt werden.




Autor: Andrea Steinhart