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21. September 2016

Die Farbintensität berauscht die Betrachter

Freiburgs früherer Grünflächenplaner Bernhard Utz zeigt in Gundelfingen gegenständliche und abstrakte Malerei.

  1. Bernhard Utz stellt im Rathaus aus. Foto: Steinhart

GUNDELFINGEN. Der frühere Freiburger Stadtplaner Bernhard Utz zeigt derzeit im Gundelfinger Rathaus seine künstlerischen Werke. Der Kunstverein Gundelfingen hat die Schau vor kurzem eröffnet. Nun sind die Bilder bis zum 12. Oktober zu sehen.

Utz ist 1941 in Freiburg geboren, studierte Garten- und Landschaftsarchitektur in München und leitete 30 Jahren das Grünflächenamt des Stadtplanungsamts in Freiburg. Seit mehr als zehn Jahren ist er Mitglied der Scheunenmaler, wo er sich rundum wohl fühlt, wie er den Vernissage-Besuchern erläuterte. 35 Jahre war Bernhard Utz Bürger der Gemeinde Gundelfingen und lebte in Wildtal. Jetzt allerdings haben er und seine Frau ein ganz besonderes Domizil: das Gärtnerhaus neben der Michaeliskapelle auf dem Alten Friedhof in Freiburg. "Wir haben dort alles, was wir wollen: Ruhe, Natur und Stadtnähe."

Bei der Ausstellungseröffnung musizierten Klemens Karle an der Tuba und Hermann Haege am Klavier. Bürgermeister Raphael Walz begrüßte den Künstler. "Das sind Bilder von jemandem, der viel Zeit in der Natur verbringt", fasste er seine Eindrücke zusammen.

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Es stimmt: Utz’ Motive kreisen um Gärten, Bäume und Landschaften. Aber auch abstrakte Arbeiten und Gegenständliches sind dabei. Seine ersten Bilder zeigen Leuchttürme und Dünenlandschaften – gemalt mit Acryl auf Leinwand. Für Gärten modelliert er Gartenwächter aus Ton oder Häuser und Türme. "Wenn ich im Gelände sitze und male, bin ich glücklich." Nur Landschaften zu malen war ihm aber zu wenig. Daher zog es ihn immer mehr hin zu Abstraktem: Zuerst sucht er nach Ideen, die er mit viel Konzentration auf der Leinwand festhält. Kommt jedoch Unkonzentriertheit auf, entstehen seine Lieblingsbilder. "An der abstrakten Malerei habe ich immer mehr Vergnügen", gesteht er. Für den Betrachter sind sie zwar schwieriger zu verstehen – aber ihn befreie diese Art von Malerei.

Eine Besonderheit sind die Strukturen, die Utz in seine Gemälde einarbeitet – Spuren, die aus den Gemälden Reliefs werden lassen. Steht man direkt davor, sieht man die Formen, Linien und Kerben. Tritt man ein paar Meter zurück, ist vor allem die Farbenwucht der Bilder berauschend. Wilde, expressionistisch gesteigerte Farbmischungen und die wellenartig geführte Bewegung sind Markenzeichen der 60 mal 60 Zentimeter großen Bilder. Weiterhin stellt der Künstler Klebebilder her. Dazu bestreicht er riesige Blätter mit Farbe und klebt Stücke davon zusammen zu großen – wie er sie nennt – Dschungelbildern. Sein Vorbild ist der deutsche Maler Gerhard Richter.

Das künstlerische Interesse hat Utz geerbt: Seine Mutter war eine begnadete Gärtnerin, der Vater Kunsterzieher. "So wurde aus mir der kreative Gartenarchitekt." Während seines Studiums hat er sich mit Zeichnungen, Schriften und Modellbau beschäftigt, beruflich gestaltete er die Grünflächen Freiburgs. "Jetzt mache ich etwas anderes"– das hatte er sich beim Eintritt in die Rente vorgenommen. Er besuchte Intensivkurse, um seine Inspirationen aus der Natur in Bildsprache umzusetzen. Dabei entwickelte er seine Bilder immer weiter, bis sich ein Gefühl von Harmonie einstellte.

Die Ausstellung im Rathaus-Foyer ist bis 12. Oktober zu sehen.

Autor: Andrea Steinhart