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16. Mai 2013

Die Greisin auf dem Dach blickt auf ihr Leben zurück

Lisbeth Felder gastierte mit einem Ein-Personen-Stück im Gundelfinger Rathausfoyer auf Einladung des Kunstvereins.

  1. Lisbeth Felder ist die „Greisin auf dem Dach“ Foto: Andrea Steinhart

GUNDELFINGEN. Bevor sich Agatha Ott vom Dach ihres Haus in Luzern in die Tiefe stürzt, gibt es noch einiges zu berichten: Und das macht sie mit einer vitalen, erinnerungsfreudigen, ungehaltenen Rede. Eingeladen wurde sie dazu vom Kunstverein Gundelfingen.

"Wozu braucht eine Greisin ein Haus?" Diese Frage hört Agatha Ott (Lisbeth Felder) allzu oft von ihrem Sohn Konrad. Denn der Wert des Bodens ist groß. Der Sohn spricht schon lange nicht mehr mit ihr, der Mutter Agatha, weil sie sich weigert, dem eigenen Sohn das Haus zu überschreiben.

"Warum muss Konrad alles im Doppel besitzen? Mütter, Pudel, Frauen?" Seine zweite Mutter ist Agathas Schwägerin, Marie, die nach dem Tod des Vaters die Rolle übernahm. Mit ihr, der inzwischen verstorbenen Schwägerin Marie, die als Rauchrichterin auf dem Dach kauert, spricht Agatha in ihrem Monolog.

Mit zahlreichen Ereignissen – vom Vorabend des Zweiten Weltkriegs bis in die Gegenwart – zeichnet sie das Leben der Familie nach. Zwischen der Bank auf der Dachterrasse und den Hutschachteln aus dem Salon ihrer Schwiegertochter lässt Agathe ihren Erinnerungen freien Lauf. Das braun-hässliche Plüschkissen muss dabei ab und an für Sohn Konrad herhalten und eine Standpredigt über sich ergehen lassen. Dennoch sind sie, Mutter Agatha und Tante Marie, dem bockigen Buben all die Jahre ergeben. Und so wird Konrad im Laufe der Zeit ein habgieriger Nichtsnutz, ein Tyrann und ein Aufschneider, der sich neben dem ersten amerikanischen Auto in der Stadt auch noch eine Luxusjacht und eine Geliebte hält, während seine Frau im Atelier schicke Hüte für die Damenwelt anfertigt und das Elternhaus, das so dringend saniert werden müsste, langsam zerfällt.

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Vorlage war der Roman "Rauchrichter"

Das rund einstündige Soloprogramm hat die Schweizerin Lisbeth Felder nach dem Roman von Margit Schriber "Rauchrichter" bearbeitet. Im vergangenen Jahr feierte Felder ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum. Sie war an den Stadttheatern Freiburg, Karlsruhe, Pforzheim, Basel tätig. Im Fernsehen war sie als Lioba in "Die Fallers" zu sehen. Sie spielte insgesamt zwölf Soloprogramme. Bevor sie jedoch den Schauspielberuf wählte, war sie Primarlehrerin und arbeitete drei Jahre lang mit Grundschulkindern in Basel.

Autor: Andrea Steinhart