Freiburger Büro gewinnt den Wettbewerb

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Mo, 09. Dezember 2013

Gundelfingen

Preisrichter entscheiden sich in Gundelfingen für den Entwurf eines Wohn- und Geschäftshauses von Fee Möhrle und Tobias Martin Reinhardt / Heute Führung.

GUNDELFINGEN. Der erste Preis im Wettbewerb um das Wohn- und Geschäftshaus an der Alten Bundesstraße 39 und 43 in Gundelfingen geht an die Architekten Fee Möhrle und Tobias Martin Reinhardt vom Freiburger Architektur-Büro "MoRe". Unter fünf Teilnehmervorschlägen wählten die Fachpreisrichter jenen Entwurf aus, der sich ihrer Ansicht nach mit einer klar gegliederten Fassade optimal an der Architektursprache des Ortszentrums orientiere. "Das kam wirklich überraschend", freute sich Architekt Reinhardt.

"Wir haben die beiden Grundstücke nördlich des Sonne-Platz schon lange erworben mit dem Ziel, das Versorgungsangebot in der Ortsmitte zu erweitern", sagte Bürgermeister Reinhard Bentler bei der Vorstellung der Ergebnisse am vergangenen Donnerstagabend. Mit dem Wettbewerb nutze die Gemeinde nun die Chance, eine ansprechende Lösung zu finden, die zu Gundelfingen passe und einen guten Abschluss für den Sonne-Platz biete.

"Wir freuen uns, dass sich der Bauverein mit dem Bau dieses Wohn- und Geschäftshaus in der Gemeinde Gundelfingen wieder einbringen kann", sagte Reinhard Disch, Vorsitzender des Bauvereins Breisgau, der das Gebäude für 6,5 Millionen Euro bauen wird. "Sobald der Bebauungsplan im Gemeinderat durch ist und wir das 1400 Quadratmeter große Grundstück kaufen können, fangen wir an. Das wird jedoch nicht vor Ende 2014 sein", so Disch. Dem Bauverein gehört bereits das Penny-Gebäude in der Nachbarschaft.

In städtebaulicher wie architektonischer Sicht sei der Sieger-Entwurf äußert gelungen, erläuterte Ludwig Eith. Zusammen mit Reinhard Disch und Michael Simon vom Bauverein, mit Ortsbaumeister Bruno Müller und Städteplaner Klaus Humpert bildete er die Fachjury. Einen Vorentwurf plante Bruno Müller. Wichtig war die gute Anordnung der 600 Quadratmeter großen Geschäftsräume im Erdgeschoss für den Drogerie-Markt Rossmann. Wert wurde außerdem auf einen guten Schnitt der Wohnungen und der Büroräume in den oberen Stockwerken gelegt. Geplant sind auch Räume für Arztpraxen oder Kanzleien. "Für diese gewerbliche Nutzung haben wir rund 500 Quadratmeter vorgesehen", sagte Michael Simon. Die Preise werden sich zwischen neun Euro und zehn Euro pro Quadratmeter belaufen. Die Mietwohnungen werden qualitativ sehr gut ausgestattet, was sich dann in einem Mietpreis von 8,50 Euro bis neun Euro bemerkbar machen wird.

Die Architekten Fee Möhrle und Tobias Martin Reinhardt haben das Bauvolumen in zwei viergeschossige längliche Baukörper – eines davon entlang der Bundesstraße, das andere abgewinkelt – gegliedert. Insgesamt misst der Gebäudekomplex an der Bundesstraße rund 45 Meter und rund 30 Meter in der Tiefe. Vor dem Gebäude sind neun Stellplätze wie jetzt schon beim Penny-Markt eingezeichnet. In einer Tiefgarage werden sich nochmals 28 Stellplätze befinden. Beide Häuser wären im Erdgeschoss durchgängig verbunden, aber getrennt durch einen deutlichen Einschnitt im oberen Bereich.

Der Zugang zum Drogeriemarkt ist im Entwurf zum Sonne-Platz hin ausgerichtet. "Allerdings würden uns weiter auseinanderstehende Sandstein-Arkaden besser gefallen", sagte Bentler. Positiv gewertet wurde, dass alle Nebenräume für den Drogeriemarkt im Erdgeschoss angeordnet sind. "So ist die Belieferung für den Rossmann-Markt gut gelöst", verdeutlichte Eith. Die Wohnungen im Entwurf sind nach Ansicht der Jury gut durchdacht und verfügen über einen privaten Freibereich zur ruhigen Innenseite in Form einer Loggia. "Insgesamt eine sehr gute Arbeit", lobte Bürgermeister Bentler. Die Architekten erhalten neben dem Auftrag und ihrem Entwurfshonorar von 5000 Euro noch ein Preisgeld von ebenfalls 5000 Euro.

Den zweiten Platz holten sich die Architekten Melder und Binkert aus Freiburg. Neben ihrem Honorar von 5000 Euro sprach ihnen das Sachpreisgericht, das aus Bürgermeister Bentler, den Gemeinderäten Meinrad Drumm, Thomas Danner, Bernhard Dechant, Beate Fischer-Wackes und Christoph Paul bestand, 3000 Euro zu. Die Architekten planten ein geschwungenes Gebäude entlang der Bundesstraße, dessen Fassade der Jury zu unruhig und wie ein Fremdkörper erschien. Den dritten Platz belegten die Architekten Borgard, Lösch, Piribauer aus Freiburg. Sie erhalten neben dem Honorar 1500 Euro. Ihr Entwurf ohne Arkaden bildete für die Jury-Mitglieder keinen stimmigen Abschluss zum Sonne-Platz. Zudem wurden die Wohnungsgrundflächen mit innenliegenden Bädern und Küchen als schwierig angeordnet empfunden. An Entwurf Nummer vier gefiel die Anordnung der Treppenhäuser nicht, beim Entwurf Nummer fünf, einem Flachdachgebäude, bewertete die Gruppe eine zweite Tiefgaragenebene als unwirtschaftlich.

Info: Alle fünf Entwürfe werden von heute an im Gundelfinger Rathaus-Foyer ausgestellt. Stadtplaner Klaus Humpert, der sich schon bei der Neugestaltung der Gundelfinger Ortsmitte hervorgetan hat und am Freitag die Jury anführte, wird am heutigen Montag um 17 Uhr die Arbeiten und die Besonderheiten interessierten Bürgern erläutern.