Gemeinsam das Publikum erobern

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Mo, 10. Oktober 2016

Gundelfingen

Männergesangverein Liederkranz verwöhnt die Zuhörer / Viel Beifall für musikalische Glanzlichter / Sympathische, kleine Patzer.

GUNDELFINGEN. Ein Konzert des Männergesangvereins Liederkranz mit seinen stimmgewaltigen Sängern unter der Leitung von Martin Peters begeisterte am Samstagabend in der Gundelfinger Festhalle. Die Mitwirkung des Salon-Orchesters und der Sopranistin Katharina Kutsch war eine große Bereicherung. Die Zuhörer bedankten sich für das Konzert der Extraklasse mit stehenden Ovationen.

Es sind keine Opernhäuser notwendig, um etwas Fabelhaften zu hören. In Gundelfingen reichte dazu die Festhalle, in der die Lied- und Konzertsängerin Katharina Kutsch mit ihrer glasklaren Sopranstimme die rund 400 Zuhörer, darunter auch Flüchtlinge die für den Abend eingeladen wurden, begeisterte. Gut dazu harmonierten die Chormänner und das Salon-Orchester der Musikhochschule Freiburg, denen es allen von Anfang an gelang, die Zuhörer mit Präzision, Energie und Schwung in ihren Bann zu ziehen. Die Instrumentalmusiker mussten dann auch gleich den ersten (geplanten) Ausrutscher des Abends ausbügeln: Weil sich die Männer verspäteten, präsentierten sie zum Auftakt den Johann- Strauß-Walzer "Wein, Weib und Gesang" und das Stück von Leroy Anderson, bei dem der Zuschauer viel Spaß hatte, den flotten Fingern der Violoncello-Spielerin Marie Viard zuzuschauen.

Mit einem überzeugenden "Männer mag man eben" schlenderten dann endlich die Sänger in die Festhalle ein. Unter dem strengen Blick ihres Dirigenten nahmen die Männer ihren Platz auf der Bühne ein. Als Entschuldigung für ihr Zuspätkommen huldigten sie mit dem Lied von Joseph Haydn die Frauen im Saal und priesen ihre Schönheit. Doch nicht nur die Männer verzauberten die Zuhörer – die Sopranistin Katharina Kutsch, Professorin an der Musikhochschule Freiburg, gewann die Herzen der Zuhörer.

Voller Dramatik eröffneten die Sänger und das Salon-Orchester den zweiten Teil des Abends mit dem "Chor der Zigeuner" aus der Verdi-Oper "Il Trovatore". Sehr imposant war das gemeinsame Stück "Brindisi" aus "La Traviata", welches der Chor gemeinsam mit der Sopranistin vortrug. Mit fließenden Bewegungen führte Peters den Taktstock beim Kaiserwalzer von Johann Strauß. Die starken Gegensätze des Stückes nutzte er gekonnt und ließ dadurch ein opulentes Kino im Kopf der Zuhörer entstehen. Mit Werken aus der Oper "Die lustige Witwe" beklagten sich die Männer, dass das Studium der Frauen so schwer sei, während die Bögen auf den Instrumenten hüpften. Am Ende ließen dann die Musiker vor Erschöpfung die Noten fallen – textlich jedenfalls mit der "Opernprobe" von Albert Lortzing. Als dann die Erste Geige die Noten nicht fand, belächelte das Publikum den kleinen Lapsus noch verhalten. Als dann aber auch beim Finale die Sopranistin ihre Notenblätter nicht mehr hatte und sich für die kurze Unterbrechung herzlich entschuldigte, was ihr weitere Sympathie einbrachte, gab es vom Publikum spontanen Applaus. Die Leistung aller Beteiligten animierte die Besucher, sich mit "Standing Ovations" von ihren Plätzen zu erheben.

Ehrungen: Anlässlich des Konzerts wurden langjährige Sänger geehrt: Kurt Danner für 70 Jahre, Bertold Dold für 60 Jahre und Erwin Treusch für 20 Jahre.