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25. Oktober 2011

Musik mal wild und mal samtweich

Viel Applaus für die jungen Musikerinnen des "Quartetto mobile", das beim Kunstverein Gundelfingen gastierte.

  1. Das „Quartetto Mobile“ musizierte auf Einladung des Kunstvereins Gundelfingen (von links) Caroline Frey, Nina Behrends, Xenia Geugelin und Shih yu Tang. Foto: Andrea Steinhart

GUNDELFINGEN. Eine Stunde musikalischen Hochgenuss mit Werken des 18., 19. und 20. Jahrhunderts versprach der Kunstverein Gundelfingen – und damit hat er nicht zu viel versprochen, zumal das "Quartetto mobile" Kammermusik interpretierte. Das Publikum dankte den vier bezaubernden Musikerinnen mit viel Applaus.

Zu Beginn war Joseph Haydn "Streichquartett C-Dur Op. 20" zu hören, mit dem der Komponist damals Neuland betrat. Das selbstbewusste Stück steckt voller Ausdruck, ist reich an gegensätzlichen Stimmungen, voller Strenge und Überraschung, Dramatik und dynamischer Gegenwelten. Die vier Musikerinnen des "Quartetto mobile" (Caroline Frey, Xenia Geugelin, Shih yu Tang und Nina Behrends) brachten die vier Sätze dramatisch, fein und diffizil zu Gehör. Den letzten Satz spielten sie überaus leicht und federnd bis zu einem fesselnden Presto. Die wunderschöne Melodie aus dem Streichquartett Nr. 2 von Alexander Borodin stand danach auf dem Programm. Der Komponist zeigte gerade im Bereich der Kammermusik seine außergewöhnlichen Fähigkeiten. Das Stück, mal zart und verhalten, dann wieder strahlend und mit vitalem russischem Schwung, begeisterte die Zuhörer, zumal die Musikerinnen es schafften, dessen differenzierte musikalische Sprache herauszuarbeiten.

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Für das nächste Stück, das die begnadeten Musikerinnen vortrugen, erhielten sie schon für ihre gute Darbietung den Sonderpreis beim Wettbewerb "Wespe" in der Kategorie "Verfemte Musik". Das Streichquartett Nr. 1 von Erwin Schulhoff beinhaltet extreme Gegensätze. So beginnt der erste Satz wild und stürmisch, darauf folgt ein klanglich einfaches Allegretto. Das Allegro giocoso alla Slovaca glich vitaler Folklorismus und das Finale überlagerten dann wieder heftige Gefühlsausbrüche. Schulhoffs Werke wurden als "entartete Musik" von den Nationalsozialisten verboten. Mit dem kraftvollen, majestätischen Streichquartett g-Moll op. 27 von Edvard Grieg endete der außergewöhnliche Konzertabend.

Seit zwei Jahren spielt das junge Streichquartett als Ensemble zusammen. "Und es macht ihnen unglaublich viel Spaß", erzählte die Vorsitzende des Gundelfinger Kunstvereins Ulrike Bach bei der Begrüßung am Freitagabend im Kultur- und Vereinshaus.

Bei den Wettbewerben "Jugend musiziert" kam das Streichquartett 2011 in die dritte Runde und erreichte einen ersten Bundespreis. Sie erhielten außerdem einen Sonderpreis der Bundesapothekerkammer. Drei der Spielerinnen studieren an der Freiburger Akademie zur Begabtenförderung.

Das Konzert war das letzte in der Reihe "Von gehörter zu sichtbarer Kunst", welche der Kunstverein Gundelfingen ins Leben gerufen hatte. Dabei versuchten die zuhörenden Künstler, die Musik in Bildern einzubinden. Die daraus entstandenen Werke werden im Januar 2012 gezeigt.

Autor: Andrea Steinhart