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07. September 2010

Querstrich – alte Technik, neue Kunst

Peter Vollmer zeigt auf Einladung des örtlichen Kunstvereins seine grafisch wirkenden Holzschnitte im Gundelfinger Rathausfoyer.

  1. Ausstellung Vollmer Foto: Andrea Steinhart

GUNDELFINGEN. "Querstrich" ist der Titel der künstlerischen Arbeit von Peter Vollmer aus Ulm. Seit Mittwoch stellt er im Gundelfinger Rathausfoyer aus. Zur Vernissage kamen auf Einladung des Gundelfinger Kunstvereins zahlreiche Besucher. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 29. September.

Peter Vollmers Holzschnitte, ornamental gestaltete Platten, sind Unikate in denen er Erlebtes verarbeitet, Grenzen überschreitet und Emotionen in Farben, Formen, Symbole umwandelt. In Gundelfingen zeigt der Künstler eine Übersicht seiner Werke aus den letzten zehn Jahren. Zu sehen sind großformatige Pinselzeichnungen, Holzdrucke und Collagen. Leichtigkeit kommt in seine Bilder durch die Pastelltöne, die in Kontrast zu den klaren Linien der Körper und den Strukturen, stehen. "In seinen Collagen sind auch immer wieder Frauenkörper zu erkennen in verschiedenen Positionen, aber eher zurückhaltend und melancholisch", sagt Ulrike Bach, Vorsitzende des Kunstvereins in ihrer Einführung. Diese Bilder mit den figürlichen Motiven und mit dem Titel "Briefe ohne Absender" haben ihren Ursprung in früheren Figurenzeichnungen, die der Künstler nun jedoch neu überarbeitet hat.

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In seinen Pinselzeichnungen, zu denen er auf seinen Reisen in den Süden Europas inspiriert wurde, beschäftigt er sich hauptsächlich mit italienischen Plätzen, alten Hausfassaden, Kulturrelikten – Dinge und Orte mit Geschichte und der Schönheit des Zerfalls. Bach: "Hier zeigt er uns die herrliche Szenerie in Italien ganz konkret, aber mit der Eigenheit des Holzschnitts und den zurückhaltenden Farben." Dazu zeichnet der Künstler auf starkem Zeichenkarton mit Tusche und abgeschabten Pinseln in Linoldruckfarben, die anschließend mit gebündelten Strichlagen einer grafischen Verwandlung unterzogen werden.

Während die Pinselzeichnungen leicht abstrahiert sind, wirken die Werke "Im Schatten der Olivenbäume" sehr abstrakt, aber umso faszinierender. Die feine Struktur der Blätter, der Himmel, die Farbe der Oliven sind deutlich zu erkennen. Das Bild "Waldbrand" lässt den Betrachter durch einen Nebel von Rauch schauen, wo aber noch Äste und kleine Stämme zu erkennen sind. "Ich sammle visuell alles was mir auffällt – Linien, Spuren, Farben, Striche, Vergangenes in Stadt und Natur", sagt Vollmer. Nach dem Sammeln und Sortieren der Ideen steht für ihn das Bearbeiten der Druckplatten an. Als Grundlage für das Drucken verwendet er meist eine monochrome, dunkle Grundfläche, über die er farbig aufgedruckte Motivplatten, Linien und Strukturen legt. Durch mehrmaliges Überdrucken entstehen dabei Farbflächen und Lineaturen von sehr differenzierter Tönung. Vollmer: "Obwohl dieses Arbeiten klare Vorüberlegungen erfordern, sind dennoch immer reizvolle Elemente des Unkalkulierbaren enthalten."

Peter Vollmer wurde 1953 in Göppingen geboren. Von 1971 bis 1973 studierte er an der Grafischen Fachschule in Stuttgart Werbegrafik. Sein Lehrer war Robert Förch, der ihn schon früh für den Linolschnitt und später den Holzdruck begeisterte.

Seit 1978 ist er Mitglied der Göppinger Künstlergruppe "Spektrum". Seit 1973 stellt er regelmäßig, vorwiegend im süddeutschen Raum aus. Vollmer lebt und arbeitet in Ulm und in Jebenhausen bei Göppingen.

Hinweis: Die Ausstellung im Rathaus kann von montags bis donnerstags von 8 Uhr bis 12 Uhr, Montagmittag von 14 Uhr bis 17 Uhr, Mittwochmittag von 14 Uhr bis 18 Uhr und freitags von 8 Uhr bis 12.30 Uhr besichtigt werden.

Autor: Andrea Steinhart