Rhythmen und Klänge in Farbe und Form

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Fr, 13. Juli 2018

Gundelfingen

Kunstverein Gundelfingen zeigt Werke von Irene Ulrich im Rathaus / Rockmusik und Lyrik inspirieren die Künstlerin.

GUNDELFINGEN. "Malerei, Musik und Worte vereinen – das ist der rote Faden in meinem Leben", erzählte Irene Ulrich bei der Vernissage am Mittwochabend. An ihrer Freude, aus Rocksongs und lyrischen Wörtern Bilder zu machen, ließ sie die Vernissage-Gäste teilhaben. Die Ausstellung ist bis 23. August im Gundelfinger Rathausfoyer zu sehen.

Leuchtende Farben und bewegte Formen prägen die Bilder von Irene Ulrich aus Merzhausen. Stoffstücke, Seile oder Pflanzenteile sind eingearbeitet in die bunten, abstrakten Acrylbilder. Und es sind Worte zu erkennen – die den Betrachter auffordern, sich Zeit zu nehmen und sich einzulassen auf das Dahinterliegende. "Ich spiele mit der Sprache, gebe ihr immer neue Färbungen, lasse sie schillern und bringe sie doch klar auf den Punkt", erläuterte die Künstlerin. Inspirieren lässt sie sich beim Malen von Gedichtzeilen des jüdischen Dichters Paul Celan oder Erich Fried. So hinterließ etwa das Gedicht "Wo immer gelöscht wird" von Erich Fried tiefe Spuren in der dunkelroten Farbe.

"Die Worte prägen sich ein im Gehirn, sie kreisen und höhlen aus, bis sie auf der Leinwand sind", sagte Ulrich. Ein weiteres Zitat "Hinter der Blutgrenze blühen begrabene Namen" in einem Bild stammt von Rose Ausländer. Ein Anlass dafür, Werke nach Gedichten zu malen, war das bekannte Zitat "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland" von Paul Celan aus der Todesfuge. "Damit habe ich mich sehr ernsthaft auseinandergesetzt", erzählte sie. Sie ließ sich ein auf die Worte des Dichters und gab ihnen eine neue Heimat mit Farben, Formen und Strukturen auf der Leinwand. Die Worte in Schwarz oder Weiß, ohne Punkt und Komma, sind geritzt, gewalkt und hineingetrieben in das Rot, das Gelb und Grün und Blau.

Andere Bilder sind inspiriert von Rock- und Bluessongs, die ihr Leben begleiten, die Spuren in ihr hinterlassen haben. "Ich lasse die Musik vom Ohr über das Hirn in die Hand in den Pinsel strömen", erklärte sie. Dabei werden Rhythmen übertragen, Klangstrukturen in Farbe und Form übertragen. "Ich höre die Musik und lasse den Strom der Klänge ungehindert, einmalig und unkorrigierbar auf das Blatt gleiten." Beim Bild "Kind of blue" wirkte die Musik von Miles Davis mit, beim Werk "Soul Sacrific" ein Song von Santana. Um die Hörerlebnisse wiederzugeben, verwendet sie Acrylfarben, Ölkreide und Collagen.

Die Künstlerin ist in Zell im Wiesental aufgewachsen und kam auf Umwegen zur Kunst. Zuerst studierte sie Sprachen, dann Wirtschaft. "Als Kind und Jugendliche habe ich mich gerne mit Kunst beschäftigt – doch die künstlerische Ader geriet in den Hintergrund." Erwachsen geworden ist sie in Frankreich, England, Kanada und Südamerika. Erst im Laufe ihres Berufslebens hat sie wieder zur Kunst gefunden. Ausgestellt hat sie unter anderem schon in Freiburg, Waldkirch und Besançon. Begleitet wurde die Vernissage mit beschwingter Musik von einem Tango-Quintett.

Die Ausstellung des Kunstvereins im Rathausfoyer ist bis 23. August montags bis freitags von 8 Uhr bis 18 Uhr zu sehen.