So geheimnisvoll kann Wasser sein

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Fr, 12. Januar 2018

Gundelfingen

Die Künstlerin Marion Moritz zeigt im Gundelfinger Rathausfoyer mystische Fotos, die sie in Mondnächten aufgenommen hat.

GUNDELFINGEN. "Dunkles Wasser" lautet der Titel einer Ausstellung von Marion Moritz, die derzeit im Gundelfinger Rathaus zu sehen ist. Die Künstlerin aus Rottweil zeigt Naturaufnahmen, die sie in Mondnächten aufnimmt. "Es sind besondere Bilder, die bisweilen eine geheimnisvolle, mystische Note haben", sagte Bürgermeister Raphael Walz bei der Vernissage.

"Es ist die Stille, die ich suche", sagte Marion Mortiz bei der Eröffnung der Ausstellung am Mittwochabend. Dafür nimmt sie einiges in Kauf. Dennoch würde ihr etwas fehlen, müsste sie auf diese Naturbegegnungen verzichten. "Es ist meistens sehr kalt in den Nächten, wenn sie mit ihrer schweren, professionellen Fotoausrüstung zu auserwählten Plätzen unterwegs ist, um am Wasser zu arbeiten", verdeutlichte Kunstpädagogin Ursula Switek, die das Publikum bei der Vernissage in die Werke einführte. Ein Teil der Ausbeute von Moritz’ Expeditionen ist jetzt auf Einladung des Gundelfinger Kunstvereins im Rathausfoyer zu sehen.

Bei ihrer Arbeit überlässt Moritz nichts dem Zufall. Sehr wenige, sehr konzentriert aufgenommene Bilder entstehen, wenn sie ihre Kamera auf das Wasser ausrichtet. "Es sind keine Endlos-Serien, aus denen später einige auserkoren werden", erläuterte Switek. "Und diese wenigen Bilder werden auch grundsätzlich nicht nachgearbeitet, es wird kein optimaler Ausschnitt gesucht, kein Kontrast nachgeschoben, werden keine Farbmanipulationen vorgenommen." Mit dem Projekt "Dunkles Wasser" begann Moritz vor drei Jahren. "Fließendes Wasser ist für mich ein Sinnbild des Lebens", sagte die Künstlerin am Rande der Ausstellung. "Die Zeit wird im Fließen sichtbar – und nirgends wird das so deutlich wie tief in der Nacht, an abgelegenen Orten." Die Plätze, an denen sie diese Lichtbilder finde, sind verstreut über den süddeutschen Raum und das nahe Ausland. Gezielt sucht sie die verwunschenen Landschaften, komponiert die Aufnahmen bei Tageslicht und sucht die Plätze in der Nacht wieder auf. Ihr Werkzeug ist ihre Kamera. Sie spielt mit der Dauer der Belichtungszeit und nutzt den Mond als Lichtquelle. Durch lange Belichtungszeiten intensivieren sich die Farben, was bei flüchtigem Hinsehen nicht wahrnehmbar ist. "Die gezeigten Bilder sind kein getreues Abbild der Natur, sondern Lichtzeichnungen von etwas Unaussprechlichem-Einzigartigem", sagte Switek.

Schon als Kind war Kunst für Marion Moritz wichtig. "In unserem Dorf gab es einen Künstler, von dessen Malerei ich fasziniert war", erinnerte sie sich. Sie machte eine künstlerische Ausbildung und arbeitet nunmehr seit 30 Jahren als freischaffende Grafikerin und Fotografin. Bevor sie ihr derzeitiges Projekt in Angriff genommen hat, stellte sie kreative Holzschnitte her. "Und wenn ich nachts nicht unterwegs bin, stehe ich tagsüber an der Staffelei und male Ölbilder."

Musikalisch begleitet wurde die Vernissage von Linda Jesse (Gesang) und Felix Rehmann (Gitarre).

Die Ausstellung "Dunkles Wasser" im Rathausfoyer ist bis 7. Februar montags bis freitags von 8 Uhr bis 18 Uhr zu sehen.