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08. April 2017

Üben bis zur Perfektion

Zwei Gundelfinger Brüder haben sich für den Bundeswettbewerb von Jugend musiziert qualifiziert / Im Juni geht es nach Paderborn.

  1. Haben nicht nur beim Musizieren großes Vertrauen zueinander: der Pianist Joshua Heinz und der Akkordeonist Julian Heinz. Foto: Anja Kunz

GUNDELFINGEN. Julian und Joshua Heinz aus Wildtal haben beim Landeswettbewerb Jugend musiziert den ersten Preis gewonnen. Teilgenommen haben die beiden Brüder in der Kategorie "Akkordeon Kammermusik". Unter knapp 2000 jungen Musikern haben sie sich gemeinsam mit 50 weiteren Teilnehmern aus der Region für den Bundesentscheid qualifiziert.

Es ist nicht der erste Wettbewerb, bei dem die beiden Brüder erfolgreich waren. Schon vor zwei Jahren erreichten sie beim Deutschen Akkordeon-Musikpreis den zweiten Platz. Auch da traten die beiden gemeinsam auf. Der 15-jährige Julian spielt seit der zweiten Klasse Akkordeon, der 13-jährige Joshua seit vier Jahren Klavier. Zuvor hatte auch er das Akkordeon ausprobiert. "Aber das war nichts für mich", sagt er. Damit ist er bei Familie Heinz eine Ausnahme: Vater Jürgen war lange Jahre aktiver Akkordeonist. Mutter Annette spielt seit ihrer Kindheit Akkordeon, ist Mitglied im hessischen Landesorchester und hat vor einigen Jahren an der Gundelfinger Grundschule eine Akkordeon-AG initiiert. Das tägliche Üben kennt auch sie und lebt es den Söhnen vor. "An manchen Tagen hat man aber einfach keinen Bock", sagt Joshua – vor allem vor den Wettbewerben auf die immer gleichen Stücke.

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Aus drei verschiedenen Epochen haben die Brüder Musikstücke beim Landeswettbewerb präsentiert. Und die müssen nun für den Bundeswettbewerb auf das Höchstlevel gebracht werden. "Da muss ich schon die Eselstreiberin sein", sagt Annette Heinz lachend. Das Perfektionieren sei nun die schwerste Arbeit.

Neben dem täglichen, einstündigen Üben zu Hause haben sich die Brüder schon in den Herbstferien mit einem Kammermusikkurs an der Bundesakademie in Trossingen intensiv auf den Wettbewerb vorbereitet. Viel Zeit für andere Hobbys bleibt da nicht. Das Fußballspielen im Verein hat Julian aufgegeben. Mehrmaliges Training pro Woche und Spiele am Wochenende ließen sich nicht mehr mit Musik und Schule vereinbaren.

Bewusste Entscheidung für die Instrumente

Joshua, der die siebte Klasse am Albert-Schweizer-Gymnasium besucht, findet momentan noch Zeit für Hip Hop und Reiten. Dass die Musik auch später sein Leben bestimmt, kann er sich gut vorstellen, vielleicht als Musiklehrer. Julian dagegen sieht seine Stärken im technischen Bereich. Der Neuntklässler würde gerne Ingenieur werden, die Musik bleibt ein erfüllendes Hobby.

"Die Kinder haben sich bewusst für ihre Instrumente entschieden", erzählt Annette Heinz. "Ich wollte nicht, dass sie kurz vor dem Unterricht noch schnell eine halbe Stunde üben und das war’s dann. Wenn Musik, dann richtig." Die Lehrerin hat ihren Söhnen die Liebe zur Musik nahe gebracht. Sie selbst hat Julian viele Jahre am Akkordeon unterrichtet. Workshops in den Ferien, Orchesterauftritte am Wochenende – bei Familie Heinz wird Musik gelebt. "Aber manchmal wird es auch uns zu viel", lacht die Mutter. "Dann streikt die Familie, und wir machen am Wochenende endlich mal wieder etwas anderes."

Konkurrenz kennen Julian und Joshua nicht. "Dazu sind unsere Instrumente zu unterschiedlich." Und wenn es mal Streit gibt, dann wird geschimpft und der Frust rausgelassen, doch wenn es darauf ankommt, halten die Brüder zusammen. "Die beiden kennen sich wahnsinnig gut und haben großes Vertrauen, das spürt man beim Spielen", freut sich Annette Heinz.

Der Bundeswettbewerb findet Anfang Juni in Paderborn statt. Wie schätzen die Brüder ihre Chancen ein, auch dort wieder erfolgreich zu sein? "Wenn wir gut üben und einen guten Tag erwischen", überlegt Joshua, "dann könnten wir schon unter den Besten sein". Oberstes Ziel sei es aber, entspannt an die Sache ranzugehen. "Besser mal tiefstapeln und sich einfach freuen, dabei zu sein."

Autor: Anja Kunz