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28. August 2017

"Völlig friedlich und harmonisch"

Sommerfest in der Behelfsunterkunft für Flüchtlinge in Gundelfingen / Kritik vom Helferkreis an der Landkreisverwaltung.

  1. Miteinander trommeln und tanzen - Musik verband beim Sommerfest in der Flüchtlingsunterkunft in Gundelfingen Bewohner und Gäste Foto: Markus Zimmermann

  2. Probier mal ob du es auch kannst - Begegnung zwischen den Kulturen braucht nicht viel Worte Foto: Markus Zimmermann

GUNDELFINGEN. Im Juni gastierte das Freiburger Heim- und Flucht-Orchester in der Behelfsunterkunft an der Alten Bundesstraße in Gundelfingen für Bewohner und Nachbarn. Beim Sommerfest jetzt am Samstag, dem zweiten Teil des mit Bundesmitteln mitfinanzierten Integrationsprojekts, spielte Musik auch wieder eine entscheidende Rolle – als völkerverbindende Sprache für Menschen ohne gemeinsame Sprache.

Es braucht nicht lange, bis sich der Kreis rund um das Percussions-Instrumentarium der Drum-Family aus dem Dreisamtal füllt. Wie so oft sind es zumeist die Kinder, die – bei sommerlichen Temperaturen – das Eis brechen und nicht lange brauchen, um aufeinander zuzugehen und miteinander Musik zu machen. Diese Unbefangenheit und Leichtigkeit steckt an, schon bald wird der Kreis der Musiker umringt von Frauen der DRK-Sing-und Tanzgruppe. Gemeinsames Musizieren, aber auch Tanzen, nach hiesigen oder arabisch klingenden Rhythmen, verbinden bis in die Abendstunden hinein.

Bunt wie die Reihen der Singenden und Tanzenden sind auch die Teller gefüllt. Aus den Küchen der Unterkunft sowie aus denen der Gambier, die in die Anschlussunterbringung umgezogen sind, und aus den Backöfen Gundelfinger Hausfrauen stammt das internationale Speisenangebot. Ganz unbefangen kann der Flüchtlingshelferkreis das Fest allerdings nicht sehen. Gerne hätten Sigrun Schell und Jörg Flum, die für den Kreis sprechen, gesehen, dass das Landratsamt sich für ein Fest in seiner Behelfsunterkunft engagiert. "Doch der Landkreis wollte nicht haftend als Veranstalter auftreten", sagt Flum. In einer so großen Unterkunft – es leben dort 150 Menschen unterschiedlichster Ethnien und Religionen und mit unterschiedlichen Perspektiven – gebe es logischerweise innere Spannungen, sagt Flum zu dem Problem, das von der Landkreisverwaltung gesehen wurde, weshalb die sich nicht bereitgefunden habe, zum Fest einzuladen. Das finde nun in Verantwortung des Helferkreises statt. Deren Mitglieder hätten während des Festes bezüglich der Bedenken immer wieder den Kopf geschüttelt, resümiert Schell später, denn "es lief völlig friedlich und harmonisch ab". Für die Unterstützung bei der Organisation dankt Schell der Leitung der Unterkunft.

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Dass das Sommerfest überhaupt stattfinden konnte, sei der Tatsache geschuldet, sagt Flum, dass die Fördermittel vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung bereits bewilligt waren und der Bürgermeister zugesagt hatte, die Schirmherrschaft zu übernehmen. "Eine Förderung, die es ermöglicht, dass die Festbesucher für Speisen und Getränke nichts bezahlen müssen und nur um Spenden gebeten wird", so Sigrun Schell.

Die Helfer bedauern, dass im Vorfeld lange auch die Frage im Raum gestanden habe, wie öffentlich das Fest sein dürfe. "Sehr kurzfristig wurde uns dann gesagt, dass wir – im Gegensatz zum Konzert im Juni – ganz Gundelfingen nicht nur einladen sollen, sondern auch müssen", sagt Schell. Was dann aufgrund der Kürze der Zeit nicht mehr so leicht umsetzbar gewesen sei. "Wir waren dann doch erstaunt, wie viele auch ohne größere Werbung die Gelegenheit wahrgenommen haben", sagt Schell. Für die Gemeinde sei es selbstverständlich, derartige Projekte tatkräftig zu unterstützen, erklärt Bernd Bauer. Der stellvertretende Bürgermeister dankt den Ehrenamtlichen, die ein solches Begegnungsfest erst möglich machten. Es sei ein weiterer Baustein in einer gelingenden Flüchtlingsarbeit. Die Anwesenden ermuntert er, den Kontakt zu den Menschen in der Unterkunft zu suchen und Integration zu leben.

Autor: Markus Zimmermann