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17. März 2017

Balance zwischen Arbeit und Leben

Praxistag zum betrieblichen Gesundheitsmanagement führte in Bleibach Unternehmensvertreter aus ganz Deutschland zusammen.

  1. Führungskräfte und Mitarbeiter, die mit dem Personalwesen betraut sind, kamen zum Praxistag „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ in die Akademie für Personal- und Organisationsentwicklung im „Haus Bleibach - Hotel Silberkönig“. Zwischen den Vorträgen gab es Mobilisationsübungen, womit das Themenfeld auch Praxisbezug bekam. Foto: Fotos: Karin Heiss

  2. Professor Karlheinz Sonntag von der Universität Heidelberg sprach in Bleibach über Arbeit und Gesundheit in Deutschland. Foto: Karin Heiß

GUTACH. Im privaten und beruflichen Leben ist Gesundheit wichtig für unser Wohlbefinden und unsere Leistungsstärke. Das haben auch Arbeitgeber erkannt und in manch einem Unternehmen wird mit speziellen Konzepten auf die Förderung der Gesundheit des Arbeitnehmers, unter anderem durch Bewegungsangebote, Wert gelegt. Vertreter von Unternehmen zeigten jetzt Interesse am Praxistag "Betriebliches Gesundheitsmanagement" im Hotel "Silberkönig" in Bleibach.

Veranstaltet wurde der Praxistag vom Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft, dessen Akademie für Personal- und Organisationsentwicklung unter anderem hier im "Haus Bleibach" (dem "Silberkönig") einen Standort hat. Christiane Drägert, Standortleiterin für Bleibach und Freiburg, begrüßte die zahlreichen Teilnehmer von nah und fern. Anschließend leitete Professor Karlheinz Sonntag von der Universität Heidelberg das Informationsangebot mit Theorie und empirischen Daten ein.

Umfragen in namhaften, national und international agierenden, deutschen und auch ausländischen Unternehmen hätten aufgezeigt, "dass die Umfeldbedingungen bei der menschlichen Arbeit einem starken dynamischen Prozess unterliegen". Die Veränderungen durch die alle Bereiche betreffende Digitalisierung verstärkten den Druck und Stress bei Beschäftigten aller Unternehmensebenen und der meisten Branchen (Stichwort: "Twittagessen"). Die Gefahr, dem nicht standzuhalten und zu erkranken (Depressionen, Burnout) sei immens, wenn nicht Möglichkeiten geboten würden, die Ausgleich und Entlastung schaffen.

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Seit 1993 hat Karlheinz Sonntag den Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie in Heidelberg inne, der Bereich sei damals noch ganz neu gewesen. Inzwischen konnte anhand von Forschungsstudien und Analysen eine sehr differenzierte Informationsplattform (Titel: "MegA" – "Maßnahmen und Empfehlungen für die gesunde Arbeit von Morgen") aufgebaut werden für Unternehmen und die mit Personalfragen Betrauten. Im Mittelpunkt stünden "Potenziale und Ressourcen". Gesundheitsmanagement befasse sich mit allen gesunderhaltenden Maßnahmen. Es sei ein "immer stärkeres Zusammenwachsen von Arbeit und Freizeit erkennbar", gestützt durch innovative IT-Anwendungen. Da gelte es Strukturierungen einzuführen zur strikteren Trennung, zum Beispiel durch Unterbindung einer E-Mail-Weiterleitung nach Feierabend. Die Arbeitsgestaltung müsse eine "Work-Life-Balance" (Arbeit-Leben-Balance) berücksichtigen. "Die Risiken der Digitalisierung in der Arbeitswelt wurden zunächst relativ gering eingestuft", inzwischen aber hätten Unternehmen erkannt, dass der Prozess zu "deutlich schnellerem Arbeiten zwingt", aber auch eine Art von Monotonie habe sich in manchen Bereichen verstärkt. "Von den negativen Auswirkungen der ständigen Erreichbarkeit ist gerade das mittlere Management eines Betriebes stark betroffen", betonte der Professor. In der Industrie seien Erwartungshaltungen deutlich höher als im öffentlichen Dienst.

Auch im Hinblick auf den demografischen Wandel seien Unternehmen gefordert. Für ältere Arbeitnehmer müssten innerbetriebliche Konzepte entwickelt werden. Den Unternehmen liege sehr viel daran, für die Mitarbeiter ein gesunderhaltendes Arbeitsumfeld zu schaffen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen zeigten großes Interesse an Projekten rund um den Gesundheitsschutz.

Zur Verbesserung des gesunden Arbeitsumfeldes nannte Karlheinz Sonntag Angebote seitens der Betriebe, wie Wellness- und Fitnessräume, Sportangebote, aktive Pausengestaltung und Ernährungsberatung. Wichtig sei dabei aber "eine gesundheitsförderliche Führung mit Vorbildfunktion". Maßnahmen, die zu einer besseren Leben-Arbeit-Balance führen, könnten auch Teilzeitverträge sein, Job-Sharing, mobile Arbeitsplätze und innerbetriebliche Kindergärten. "Entscheidend ist, das Jedem klar wird, dass er für sich und sein Gesundheitsverhalten mitverantwortlich ist."

Damit die Teilnehmer nach dem Sitzen beim Vortrag selbst wieder in Schwung kamen, trat die Sport- und Erziehungswissenschaftlerin Simone Joos nach vorn und animierte erfolgreich alle zur Beteiligung an ihrer "mobilen Pause". Es wurden leichte Übungen für Hände, Beine, Schultern, Nacken und den Gleichgewichtssinn gemacht, die man tagtäglich zwischendurch einfließen lassen kann, auch und gerade bei der Arbeit, weil die danach dann umso besser weiter läuft.

Die weiteren Referenten an diesem Praxistag waren der Gesundheitswissenschaftler, Soziologe und Berater für Gesundheitspolitik Professor Bernhard Badura von der Universität Bielefeld (und Graz), die Diplomsozialpädagogin Anita Schölzel, die Diplomsportwissenschaftler Marc Kaltenhäuser und Philipp Grunwald, die Diplom-Ökotrophologin Stephanie Urbanek, der Diplompsychologe Dr. Norbert Lenartz und der Diplomwirtschaftsingenieur Hans Heusgen.

Mehr Infos im Internet unter anderem auf gesundearbeit-mega.de

Autor: Karin Heiß