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19. Juni 2012

Ein Unternehmer mit sozialem Gewissen

Horst Gütermann feiert heute in Gutach seinen 90. Geburtstag / Vier Jahrzehnte war er an führender Stelle im Unternehmen tätig.

  1. Horst Gütermann Foto: Günter Bank

GUTACH. Horst Richard Gütermann ist ein sehr bekannter und angesehener Zeitzeuge der Industrie im Elztal und in ganz Deutschland ein angesehener Mensch, der immer für jedermann ein offenes Ohr hat. Heute auf den Tag genau vor 90 Jahren erblickte Horst Gütermann in Gutach das Licht der Welt. Im Herrenweg in Gutach verbringt der Jubilar, gut versorgt von Tochter Angela und deren Familie, seinen Ruhestand und Lebensabend.

Hellwach wie eh und je nimmt er am Weltgeschehen teil: Die bewusste Verantwortung für unsere Nächsten, betont er im Gespräch mit der BZ, sei eine Grundvoraussetzung für soziale Gerechtigkeit und Frieden. Diese Ansicht ist sicher einer der Gründe, dass der Altersjubilar überall – ob bei seinen Firmenmitarbeitern, in diversen Verbänden und im Ort – immer ein gerngesehener Ratgeber war und zeitlebens ein Vorbild als Mensch und Unternehmer geblieben ist. Dieses Vertrauen hat er sich erworben und "Herr Horst", wie er im Tal liebevoll genannt wird, ist dafür bekannt, dass er immer ein Ohr und ein Herz für die Belange und Nöte der Mitmenschen hat.

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1922 wurde er geboren; mit 18 Jahren – mitten im Zweiten Weltkrieg – legte er ein Notabitur ab. Dann hat ihn der anschließende Kriegsdienst mit Verwundung bis Ende 1945 maßgeblich geprägt. Aus dem Krieg zurück, trat er in die seit 1864 bestehende Firma Gütermann ein. Er arbeitete mit seinem Vater Richard Gütermann und erlernte so den Beruf des Kaufmanns und Unternehmers in der Nähseidenspinnerei. In den 1950er Jahren beginnt hier die Produktion von Synthetikfasern aus Polyester – ein Meilenstein in der Firmengeschichte, den Horst Gütermann zusammen mit seinem Bruder setzte. Ein weiterer ist 1971 die Inbetriebnahme einer computergesteuerten Färberei, der damals modernsten in Europa. Vier Jahrzehnte lang arbeitete Horst Gütermann an führender Stelle im familieneigenen Unternehmen; 21 Jahre lang trug er Verantwortung als Vorsitzender der Geschäftsführung (1987 trat er aus der aktiven Geschäftsführung aus).

Horst Gütermann machte sich in der Unternehmerwelt außerdem einen Namen durch die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer Deutschlands. Lange Jahre war er Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank, Mitglied der Industrie-und Handelskammer Südbaden und bei Rotary Freiburg. Sein Lebensmotto lautet bis heute: "Nie wieder Klassenkampf und Maß halten".

Auf Grund seiner Verdienste wurde Horst Gütermann vielfach ausgezeichnet, so erhielt er 1983 das Bundesverdienstkreuz und seine Heimatgemeinde Gutach, für die er mehr als 20 Jahre im Gemeinderat mitwirkte, ernannte ihn 2002 zum Ehrenbürger. Er ist Ehrenkommandant der Feuerwehr und Ehrenpräsident bei der Werkkapelle Gütermann, außerdem großer Unterstützer und Ehrensenator bei der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Man mag seine bescheidene aber bestimmte Art, insbesondere, weil sich die Menschen ernst genommen fühlen. Bis heute ist er tief im christlichen Glauben verankert und er hat Anfang der 50er Jahre maßgeblich dazu beigetragen, dass in Gutach die katholische St.-Michael-Kirche gebaut werden konnte, obwohl er selbst evangelisch ist. Im Grundstein der Kirche (1954) ist er verewigt und das Verbindende ist ihm bis heute wichtiger als das Trennende. So erkundigt er sich auch heute immer wieder nach den Entwicklungen der Ökumene, die im eine Herzensangelegenheit ist.

Ein schwerer Schlag war, nach 62 Jahren Ehe, der Tod seiner geliebten Frau Dagmar, und seither sieht man ihn nicht mehr so oft im Dorf oder in der Öffentlichkeit. Sein erster Blick am Morgen geht in die Badische Zeitung – und er nimmt weiterhin regen Anteil am Geschehen im Tal. Zu seinem Geburtstag darf er sich nicht nur der guten Wünsche aus seiner Familie, sondern aus ganz Gutach und dem Elztal sicher sein.

Autor: gba