Eine Glocke für den Frieden

Karin Heiß

Von Karin Heiß

Sa, 11. August 2018

Gutach im Breisgau

Georg Birmelin hat mit Freunden eine Kapelle am Silberwald in Bleibach gebaut.

GUTACH-BLEIBACH. Die Friedensglocke für die Franziskuskapelle am Silberwald ist geweiht. Mit Salutschüssen der Böllerschützen von Bleibach wurde dieses außergewöhnliche Ereignis eingeleitet und die Bevölkerung darauf aufmerksam gemacht. Den Weihgottesdienst zelebrierte Pfarrer Jens Fehrenbacher im Auftrag des Weihbischofs. Bauherr Georg Birmelin erklärte, wie die Idee, eine Kapelle dem Heiligen Franziskus von Assisi zur Ehre zu bauen, in ihm Form annahm und welche Intuitionen er damit verbindet.

Vor dem Gottesdienst stand die Glocke mit der Aufschrift "Friede sei mit Dir", die nach uralter Tradition in der Gießerei Bachert in Karlsruhe gegossen wurde, zur Ansicht für die zahlreichen Freunde, Wegbegleiter und Gäste der Familie Birmelin, die von nah und fern herbeigeströmt waren, vor der noch nicht ganz fertig gestellten Franziskuskapelle. Für den Gottesdienst hievten sie vier Böllerschützen hoch und trugen die mit Klöppel über 130 Kilogramm schwere Glocke, die einen Durchmesser von 55 Zentimetern hat und zu 78 Prozent aus Kupfer und 22 Prozent aus Zinn besteht, in die Kapelle zum Altar. Pfarrer Fehrenbacher zog mit den Ministranten feierlich ein.

Die musikalische Gestaltung, mit dem Anlass angepassten Instrumentalstücken und Liedern, oblag Musikerinnen, Musikern, Sängerinnen und Sängern aus Bleibach und der Umgebung unter der Leitung von Ralf Zickgraf. Der "Sonnengesang" (Text vom Heiligen Franziskus und Musik von Donovan) erschallte und die zahlreichen Besucher stimmten mit ein. Pfarrer Fehrenbacher bezog sich auf dieses Stück bei der Begrüßung: "Die Sonne wird gelobt und all die Dinge der Schöpfung, so wie es der Heilige Franziskus sah." Es sei eine "denkwürdige Stunde, wenn eine Glocke geweiht wird und damit ganz und gar dem Besitz Gottes übergeben wird".

"Wenn nur ein Mensch in

dieser Kapelle seinen

Seelenfrieden wiederfindet, hat es sich gelohnt,

sie zu bauen!"

Bauherr Georg Birmelin OFS
Fehrenbacher betonte, dass eine Weihe mehr noch sei als eine Segnung. Die Weihe wird in drei Durchgängen mit Weihwasser, Weihrauch und Chrisam (Salböl) vollzogen. Damit werde die Glocke zum Eigentum Gottes erhoben und stets zum Lob Gottes erklingen, "hier in diesem Haus, das Gott geweiht werden soll". Nach dem Kyrie Ruf und einem Gebet folgte die Tageslesung aus der Johannesoffenbarung (Psalm 23). In seiner Predigt stellte der Pfarrer die Widmung der Glocke für den Frieden in den Mittelpunkt. "Friede sei mit Dir", sei auf ihr zu lesen. "Franziskus war ein großer Verfechter der Gerechtigkeit." Ohne die Schöpfung ernst zu nehmen, könne es keine Gerechtigkeit geben. Gerade sei er mit den vielen Ministranten aus der Seelsorgeeinheit aus Rom zurückgekommen. Diese Wallfahrt stand unter dem Motto, "Suche den Frieden und jage ihm nach". Von diesem Geiste, als große Gemeinschaft für den Frieden unterwegs zu sein, sei er noch bewegt. Die Glocke könne dazu beitragen, diese große Aufgabe zu erfüllen, "mit ihrem Ruf nach Frieden". So könne sie durch ihr Geläut animieren, sich einen Moment Zeit für Besinnung und ein Gebet zu nehmen. Sie solle eine Anleitung zum Frieden sein und mahnen, sich für den Frieden immer wieder auf den Weg zu machen. "Wo kein Frieden herrscht, muss sich etwas ändern", und sich dafür einzusetzen, lohne sich. Nach dem Gebet von Franziskus und dem Segensgebet für die Glocke schloss sich Georg Birmelin den Worten Fehrenbachers an. "Friede ist ein wesentlicher Bestandteil des Glaubens von Franziskus von Assisi." Gerade heute, angesichts der vielen Krisenherde auf der Welt und Gewalttätigkeiten, sei es wichtig, "dass der Gedanke den Menschen nicht abhandenkommt: Gegenseitige Liebe, Respekt und Achtung bedeuten Frieden", betonte Birmelin. Er dankte allen, die ihn bestärkt haben, eine Kapelle zu Ehren des Heiligen Franziskus zu bauen und freute sich, dass so viele gekommen waren, darunter sechs Nonnen des Franziskanerordens und viele Freunde von weither, um dieser Weihfeier beizuwohnen. Die Glocke habe Gretel Wernet aus Bleibach gestiftet.

"Anlässlich meines 60. Geburtstages kam mir dieser Gedanke, Franziskaner war ich da schon", erklärte der Bauherr, der Teil des OFS (Ordo Franciscanus Saecularis, Franziskanische Gemeinschaft, ein Drittorden der Franziskaner) ist. "Einige dachten, dass macht der nie, andere dachten, der spinnt und wieder andere bestärkten mich, es zu realisieren." Zur Intension sagte er: "Es herrscht eine Zeit der Verwirrung, Unruhe, Gottlosigkeit, Ablenkung und Gewalt. Das können wir gerade weltweit erfahren." Diese habe es nötig, eine Alternative anzubieten, Zeugnis dafür abzulegen, dass die Rückbesinnung auf anderes, Immaterielles und Menschliches, wertvoll ist. "Wenn nur ein Mensch in dieser Kapelle seinen Seelenfrieden wiederfindet, hat es sich gelohnt, sie zu bauen!"

Auf die Frage nach dem Sinn: "Warum willst Du eine Kapelle bauen? Warum machst Du das?", habe Birmelin für sich festgestellt, dass er lieber seinen Mitmenschen etwas anbieten möchte, das noch in Jahren steht, als sich hier und jetzt zum Beispiel mit einem Ferrari zu beglücken. Er dankte seiner Frau Renate und seinen Kindern und Schwiegerkindern für ihre Unterstützung, dass sie seinen Rücken frei hielten, und seinen Freunden, die ihre Talente und Arbeitskraft in den Bau der Kapelle einfließen ließen, "mit angepackt haben und mir zur Seite standen".

Nach dem Friedensgebet mussten die Böllerschützen nochmals Ärmel hochrollen und kräftig anpacken: Die Friedensglocke wurde angehoben, damit die versammelte Gesellschaft ihre zwei Töne erstmals hören durfte. Sie klangen schön und es gab großen Applaus. Dann stimmten alle in das Lied "Großer Gott wir loben Dich" ein. Draußen standen Speis und Trank bereit, und wer wollte, konnte auch den kleinen "Franziskusweg" am Hotel Silberkönig erwandern. Dieser ist mit Tafeln ausgestattet, die Einblick ins Leben und Wirken des Heiligen geben.