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17. Februar 2017

Gewerbebau mit guter Energieeffizienz

Fachreferate bei den 10. Bleibacher Baugesprächen im Bizzz: Mittelstandsförderung / Verbrauchsprofile in der Planungsphase / Wärmepumpen für Gebäudeautarkie .

GUTACH. Die Verknüpfung von Energieeffizienz und Produktivitätsteigerung im Gewerbebau war das Thema der 10. Bleibacher Baugespräche. Rund 40 mittelständische Führungskräfte aus Südbaden kamen dazu ins Bauinformationszentrum Bizzz am Stollen. Gastgeber war das örtliche Architekturbüro Carré Industriebau. Vier Referenten berichteten über Fördermöglichkeiten, kostensparende Planung, energetische Eigenversorgung und die Wärmepumpe als geeignete Technologie.

Von der Spitzmüller Consulting AG aus Gengenbach, die seit 1983 bundesweit mehr als 11000 Projekte von Klein- und Mittelbetrieben (KMU) betreut hat, erläuterte Thorsten Volkmann die Fördermöglichkeiten bei Neubauten und bei Revitalisierung alter Gebäude. Er stellte dazu vier Förderinstrumente vor, die branchenoffen sind und auch innovative Produktionsverfahren oder Produkte einbeziehen. Von der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) führte er deren Innovations- sowie Energieeffizienzprogramm an. Darin werden für Unternehmen bis 500 Millionen Euro Jahresumsatz zinsverbilligte Darlehen bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten bei zehnjähriger Laufzeit und zwei Jahren Tilgungsfreiheit vergeben. Für energiesparende Maßnahmen gibt es zudem über zehn Prozent hinausreichende Tilgungszuschüsse von KfW und L-Bank. Eine hohe Bewilligungsquote hat das Entwicklungsprogramm ländlicher Raum (ELR), das auch der Privatwirtschaft offensteht. Je zur Hälfte mit Mitteln des Europäischen Regionalfonds (EFRE) und des Landes gewährt es Unternehmen bis 100 Mitarbeitern Zuschüsse von zehn bis 20 Prozent der Investitionskosten, maximal 400 000 Euro. Das Umweltinnovationsprogramm des Bundes (UIP) zielt auf emissionsarme Verfahren, deren ökologischer Fortschritt auch von ökonomischem Vorteil ist. Aus diesem Topf sind wahlweise ein Zuschuss bis zu 30 Prozent der förderfähigen Kosten oder ein zinsverbilligtes, fünfjähriges Darlehen möglich. Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand des Bundeswirtschaftsministeriums (ZIM) richtet sich an Unternehmen bis 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Es bietet ihnen – für Einzelinvestitionen oder Forschungskooperationen – Zuschüsse zwischen 25 und 55 Prozent der Förderkosten an. Die Spitzmüller AG, so Thorsten Volkmann, sorgt bei jedem Projekt für gezielte optimale Kombination dieser Fördermittel. Sie begleitet den gesamten Ablauf von der Projektbeschreibung, Bewertung und Antragstellung über Controlling bis zum Verwendungsnachweis. An Bildern von High-Tech-Gewerbegebäuden wurden die Ergebnisse dieser Fördertätigkeit und die Höhe der eingeworbenen Mittel beschrieben.

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Im zweiten Vortrag dieser Baugespräche sprach Klaus Wehrle, Architekt und Carré-Chef, über kostengünstiges Bauen, effiziente Konzeption und nachhaltige Gestaltung von Gewerbeobjekten. Er hob die Vorteile des Bauteamverfahrens gegenüber der Generalunternehmung hervor.

20 Prozent Produktivitätsgewinn

Diese bestehen in früher Kostenermittlung in der Planung, später Materialwahl wegen Preisschwankungen sowie der leistungsfördernden gesamtschuldnerischen Haftung, was alles dem Investor zugute komme. Königsaufgabe im Gewerbebau sei jedoch die Ermöglichung idealer Produktionsabläufe, wofür ausführliche Bedarfsanalysen, Workshops und planerische Alternativen stets dazugehören. Wehrle berichtete von Kunden-Feedbacks, die 20 Prozent Produktivitätsgewinn durch ihren Neubau vermeldeten. Um nachhaltig zu gestalten, verwies er auf eine flexible Nutzung erlaubende Einteilung der Gebäude und – neben aller Energieeinsparung – auch auf die richtige Materialwahl. Er nannte Vorzüge von Holzbauweisen, die es erlauben, mit weniger Technik größtmöglichen ökologischen Nutzen zu realisieren.

Von der Badischen Energiesysteme GmbH in Freiburg kam Jörg Wohlust. Er referierte über Energiemanagement-Analysen zur Aufdeckung von Einsparpotentialen im Bestand, sogenannte Audits, sowie über Entwicklung komplexer Energieversorgungssysteme bereits in der Projektierungsphase. Ziel dabei ist die Realisierung höchstmöglicher Unabhängigkeit von externem Strombezug. Er erläuterte die anhand eines Bauplans bereits mögliche Simulation des Energiebedarfs eines Gebäudes im Jahresverlauf. Diesen täglich und jahreszeitig schwankenden Bedarfsmengen stellte er den von Photovoltaik jeweils maximal erzielbaren Deckungsgrad und seine Ergänzung durch Blockheizkraft gegenüber. Für überschüssige Wärmeerträge empfahl er deren Speicherung in Erdtankkollektoren, aus denen sie in höheren Bedarfsphasen, etwa über Wärmepumpen, wieder ins Heizsystem eingespeist werden können.

Passend dazu referierte danach Rainer Burger vom Test- und Weiterbildungszentrum Wärmepumpen in Stutensee über deren Vorteile. In einer Wärmepumpenanlage wird die Temperatur einer Wärmequelle auf ein Fluidum übertragen, dieses mittels Wärmepumpe und Kompressor verdampft und danach im Heizsystem wieder auf die benötigte Wärme verflüssigt. Wärmequellen können die Außenluft, Wasser oder das Erdreich sein. Je wärmer die Quelle und niedriger der Temperaturhub, umso geringer ist der Strombedarf der Pumpe. Als effizienteste Anlagen gelten deshalb die Tiefenentnahme mittels Erdsonden oder die Nutzung von Prozessabwärme mit Direktverdampfung. Beide Heizformen, die den günstigsten Strom-Wärme-Faktor haben, empfahl der Referent deshalb für den Gewerbebau. Dafür nötig sind – je nach Größe – bis zu 50 Bohrungen, für ein Einfamilienhaus genügen hingegen zwei. Bei der Abwärmenutzung ist zusätzlich ein Erdspeicher nötig. Beide Anlageformen generieren – je nach Nutzerverhalten – eine Heizkostenersparnis bis 50 Prozent. Wird der Pumpenstrom dann noch mit eigener Photovoltaik erzeugt, wird Kühlen und Heizen betriebskostenfrei. Wärmepumpenanlagen sind wartungsarm und ohne Schadstoffausstoß. 2016 wurden bundesweit 66500 Anlagen installiert. "Wärmepumpen sind deshalb das Heiz- und Kühlsystem der Zukunft", so Burger.

Autor: Nikolaus Bayer